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Die Kastration männlicher Heimtiere – lieber offen oder bedeckt?

Die Kastration des männlichen Heimtiers ist eine häufig vorgenommene Routineoperation in der Heimtierpraxis. Der Eingriff dient nicht nur der Unfruchtbarmachung, sondern ist, vor allem beim Kaninchen, auch eine wichtige Voraussetzung zur Gesellschaftshaltung, weil unkastrierte Rammler mit Eintritt der Geschlechtsreife unverträglich gegen Geschlechtsgenossen werden, markieren und den unangenehmen Geschlechtsgeruch entwickeln. Damit liegt eine rechtfertigende Indikation im Sinne des § 6 Abs. 1 TSchG vor. Da die Kastration nach § 631 BGB als Werkvertrag gesehen wird, schuldet der Tierarzt neben der korrekten Indikationsstellung auch den Operationserfolg und die Durchführung nach dem neuesten Erkenntnisstand der Veterinärmedizin. Die TVT (Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V.) empfiehlt in ihrem Merkblatt Nr. 120 zur Dokumentation der Aufklärung über mögliche Operationsrisiken und zur Abwendung eventueller Regressansprüche ein entsprechendes Dokumentationsformular zu verwenden.

Kaninchen

Üblicherweise werden Rammler erst bei geplanter Vergesellschaftung oder beim Auftreten von Aggressionsproblemen (häufig mit schweren Verletzungen) zur Kastration vorgestellt. Bei der vielfach empfohlenen Pärchenhaltung werden in der tierärztlichen Praxis regelmäßig Jungtiere zur Geschlechtskontrolle vorgestellt. Dann stellt sich die Frage nach dem Kastrationszeitpunkt. Da Kaninchen schon mit etwa 12 Wochen geschlechtsreif werden, besteht die Möglichkeit zur Frühkastration in der 9.–12. Lebenswoche. Diese OP ist technisch etwas anspruchsvoller, bietet aber den großen Vorteil, dass postoperativ keine Trennung vom weiblichen Partner notwendig ist. Nach der Kastration geschlechtsreifer Tiere können bereits aktivierte Spermien im Geschlechtstrakt vorhanden sein, die theoretisch einige Wochen lang fertile Bedeckungen ermöglichen. Eine Geschlechtertrennung von 4–6 Wochen wird daher zur Sicherheit bei geschlechtsreif operierten Kastraten empfohlen.

Viele Tierarztpraxen propagieren (wohl aus einer gewissen Unsicherheit heraus) immer noch die „Spätkastration“ ab einem Alter von 14–16 Wochen oder gar von erwachsenen Tieren. Diese erscheint operationstechnisch zwar etwas einfacher, bietet aber medizinisch keinen Vorteil und ist für die Sozialisation des Kastraten eher nachteilig wegen der notwendigen langen Trennung. Auch ist die Wundheilung nach unseren Erfahrungen bei der Frühkastration deutlich besser. Gelegentlich werden geschlechtsreife Rammler nach missglückten Vergesellschaftungsversuchen mit erheblichen Bissverletzungen an den Hoden vorgestellt, die eine Kastration erfordern.

Meerschweinchen

Die frühe Geschlechtsreife (ab der 3. Woche) männlicher Meerschweine führt (lange vor Erreichen der eigentlichen Zuchtreife) immer wieder zu ungeplanten Bedeckungen und stellt Züchter, Handel und Tierheime vor besondere Probleme. Morgenegg [[3]] empfiehlt deshalb die Frühkastration ab 200 g KG, was einem Alter von 2–3 Wochen entspricht. Während gemeinsam aufgezogene männliche Meerschweinchen meist gut verträglich bleiben und als reine „Boy Group“ problemlos gehalten werden können, werden bei Pärchenhaltung meistens die geschlechtsreifen Böcke (ab 2 Monate) dem Tierarzt zur Kastration vorgestellt.

Chinchilla

Chinchilla werden deutlich später geschlechtsreif (Böckchen mit 4–5 Monaten, Weibchen mit 6–8 Monaten). Da sich gleichgeschlechtliche Gruppen meistens gut vertragen, werden in der Praxis eher selten männliche Einzeltiere zur Erleichterung der Vergesellschaftung bei Umgruppierungen vorgestellt.

 

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Aus der Zeitschrift kleintier konkret S 01/2017

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