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Meerschweinchen stressarm behandeln und Unwohlsein erkennen

Meerschweinchen sind sehr stressanfällig. Stress äußert sich bei diesen Tieren jedoch, ähnlich wie Schmerzen, oft nur subtil. Daher muss der behandelnde Tierarzt die Tiere aufmerksam beobachten. Zudem kann er mit wenigen, simplen Maßnahmen dafür sorgen, den Stress der Behandlung zu reduzieren.

Normalverhalten und Vermeidung von Stress

Ein solides Wissen um das Normalverhalten und die Ansprüche von Meerschweinchen sind Grundvoraussetzung für das Erkennen und Vermeiden von Stress. Anhand des Verhaltens können auch bei einem Meerschweinchen die besten Rückschlüsse auf sein Befinden gezogen werden. Im Folgenden werden die für einen praktischen Tierarzt relevantesten Verhaltensweisen mit ihrer Bedeutung für den Umgang mit den Meerschweinchen aufgeführt.


Bindungspartner

Meerschweinchen sind obligat sozial. Das bedeutet, dass sie zwingend mit anderen Meerschweinchen zusammenleben müssen, um sich wohlzufühlen. Die soziale Organisation von Meerschweinchengruppen ist dabei unter anderem von der Gruppengröße und der Populationsdichte abhängig. Zwischen befreundeten Tieren kann es zu einer sehr engen Bindung kommen. Dieses sogenannte Bindungsmeerschweinchen ist für seinen Partner in stressigen Situationen eine wichtige emotionale Stütze. Es hilft ihm, diese zu meistern. Dieses Phänomen bezeichnet man auch als „social support“.

Für die tierärztliche Praxis bedeutet dies, dass dem Besitzer empfohlen werden muss, den Bindungspartner des Patienten mitzubringen. Dies ist besonders dann anzuraten, wenn der Patient längere Zeit in der Klinik verweilen muss. Auch, wenn bei Weibchen sogar die Anwesenheit eines beliebigen bekannten Tieres hilfreich ist, sollte dennoch immer idealerweise der beste Freund des betroffenen Meerschweinchens dabei sein.


Fellpflege

Meerschweinchen zeigen, im Gegensatz zu den meisten anderen sozial lebenden Spezies, kein soziales Putzen (Allogrooming). Kommt es dennoch vor, dass Meerschweinchen ihre Artgenossen beknabbern oder belecken, ist dies in der überwiegenden Zahl der Fälle pathologisch und sollte näher untersucht werden. Da Meerschweinchen keine soziale Fellpflege betreiben, empfinden sie auch Streicheln nicht als angenehm. Häufig wird das Streicheln über Kopf und Nacken daher auch mit einem Schnauzeheben oder gar einem Wegdrücken der Hand beantwortet.

Meerschweinchen sollten daher vom Tierarzt bzw. seinen Mitarbeitern nicht gestreichelt werden. Auch wenn kein deutliches Drohverhalten gezeigt wird, ist davon auszugehen, dass diese Art von Körperkontakt nicht als positiv empfunden wird.


Droh- und Abwehrverhalten

Wenn Meerschweinchen gestresst sind, können sie ein ganzes Repertoire an Droh- und Abwehrverhalten zeigen. Beim Schnauzeheben handelt es sich beispielsweise um explizites Drohverhalten. Dieses wird von Besitzern häufig als positive Interaktion (Aufforderung zum Streicheln) fehlinterpretiert, vor allem, wenn es in direktem Zusammenhang mit dem Streicheln gezeigt wird.

Neben dem Schnauzeheben zeigen Meerschweinchen auch folgendes Drohverhalten:

  • Wetzen der Schneidezähne
  • gesträubtes Fell
  • Aufreißen des Maules
  • Zähneklappern
  • gegen den Gegner gerichtetes Gähnen
  • Kreischen
  • steifes Treten mit den Hinterbeinen
  • Hervordrücken der Hoden (Blitzen) bei männlichen Tieren
  • Ausschlagen, eventuell mit gleichzeitigem Kreischen, Quietschen oder Abwehrharnen

Vor allem das Zähneklappern ist dabei eine deutliche Angriffswarnung. Abwehrharnen wird, ebenso wie Beißen, von weiblichen Tieren in der Regel häufiger gezeigt als von männlichen.

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Meerschweinchen stressarm behandeln und Unwohlsein erkennen

Aus der Zeitschrift: kleintier.konkret S 02/2017

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