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Nahrungsergänzungsmittel im Kleintiersektor

Auf dem Heimtierfuttermarkt werden zahlreiche Ergänzungsfuttermittel mit teils vielversprechenden Wirkungen angeboten. Ein Überblick über die Produkte, deren Wirkmechanismen und den Nutzen einer Supplementierung zur täglichen Futterration ermöglicht eine professionelle Empfehlung gegenüber dem Besitzer.

Bewegungsapparat

Gelatine-/Kollagenhydrolysat

Bei der Zufütterung von Gelatinehydrolysat an Hunde mit chronischen arthrosebedingten Lahmheiten wurden positive Effekte auf den Lahmheitsgrad und die Schmerzhaftigkeit festgestellt. So stiegen unter einer täglichen Gabe von 20 g Gelatinehydrolysat/Tier die Blutplasmakonzentrationen der an der Kollagensynthese beteiligten Aminosäuren Glyzin, Prolin und Hydroxyprolin an. Gleichzeitig konnte ein Abfall der Enzyme MMP-3 (Matrix-Metalloprotease 3) und bAP (knochenspezifische alkalische Phosphatase), die bei Arthritis- und Arthrosepatienten erhöht sind, verzeichnet werden. Daher wurde postuliert, dass die orale Gabe von Gelatinehydrolysat bei Hunden, die eine Prädisposition für degenerative Skeletterkrankungen haben, z. B. genetisch belastete Linien oder intensive sportliche Nutzung, sinnvoll sein kann.

Humanmedizinische Studien zum Behandlungserfolg nach oraler Einnahme bei degenerativen Cox- und Gonarthrosen zeigten signifikante Besserungen gegenüber einer Kontrollgruppe. Auch beim Einsatz an 100 geriatrischen Patienten zeigten sich sowohl positive Effekte auf die Bewegungsumfänge der betroffenen Gelenke wie auch eine Reduzierung der Schmerzhaftigkeit. An Mäusen wurde nach oraler Verabreichung radioaktiv gekennzeichneten Gelatinehydrolysats eine Wiederfindbarkeit im Knorpel nachgewiesen. In vitro konnte nach Anreicherung mit Kollagenhydrolysat eine gesteigerte Kollagen-Typ-2-Synthese in Chondrozytenkulturen nachgewiesen werden.

Bioaktive Kollagenpeptide

Diese liefern Glyzin, Prolin und Hydroxyprolin, welche die Baueinheiten für Kollagen darstellen. Ein Beitrag zum Erhalt und sogar zu einer eventuellen Neubildung von Knorpelsubstanz wird daher aktuell diskutiert. In klinischen Studien zeigten Hunde mit chronischen Erkrankungen des Bewegungsapparats unter der oralen Gabe von täglich 20 g bioaktiver Kollagenpeptide eine signifikante Abnahme des Lahmheitsgrads und eine Zunahme der Bewegungsfreude. Jedoch muss auch hier beachtet werden, dass die Einschätzung teilweise dem Patientenbesitzer überlassen wurde. Die beobachteten positiven Effekte am Patienten gingen mit einer Abnahme von Matrix-Metalloprotease 3 (MMP-3) und einer Zunahme des Metallopeptidase-Inhibitor-1 (TIMP-1) im Plasma einher.

Glykosaminoglykane

Mittels von Glykosaminoglykanen wie Chondroitinsulfat will man eine Regeneration des hyalinen Gelenkknorpels durch die Syntheseleistung der Chondrozyten und der Synoviozyten mit Hyaluronsäure bewirken. Die Glykosaminoglykane besitzen negativ geladene Sulfatgruppen – durch diese sollen die positiv geladenen Aminosäurengruppen der Enzymproteine (z. B. Metalloproteasen und lysosomale Enzyme) gebunden und somit gehemmt werden. In zahlreichen Studien wurde die Resorptionsrate und der klinische Effekt oral zugeführter Glukosaminoglykane untersucht, die Ergebnisse sind teils sehr divergent. Während mittels radioaktiver Detektionsmethoden sowohl eine Resorption aus dem Darm wie auch ein Einbau in den Gelenkknorpel nachgewiesen werden konnte, sind die klinischen Ergebnisse weniger einheitlich. Während auf der einen Seite in 75% der Fälle von einer Besserung der klinischen Symptome gesprochen wird, zeigen andere Arbeiten bei > 50% der Patientengruppe keinen signifikanten Effekt. Hierbei ist jedoch auch zu beachten, dass oftmals Feldstudien durchgeführt wurden und eine Einschätzung des Behandlungserfolgs dem Besitzer überlassen wurde. Meist wurde hier mit Dosierungen von 75 – 100 mg/Tag für Glukosamin und 1000 – 1500 mg/Tag für Chondroitinsulfat gearbeitet.

Auf dem Futtermittelmarkt werden verschiedenste Produkte aus der neuseeländischen Grünlippigen Muschel als Lieferant von Glykosaminoglykanen angeboten. Die Konzentrationen der Glykosaminoglykane liegen hier jedoch durchgehend unterhalb der Nachweisgrenze. Nur Muschelextrakte enthielten Spuren von Glykosaminoglykanen, welche auch hier nicht im Rahmen einer klinisch relevanten Dosierung liegen.

Dosierung:

  • Glukosamin: 75 – 100 mg/Tag
  • Chondroitinsulfat: 1000 – 1500 mg/Tag

Lesen Sie hier den ganzen Beitrag: Investition oder Geldschneiderei? Nahrungsergänzungsmittel im Kleintiersektor
aus der Zeitschrift Kleintier konkret 23(04) / 2020

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Quelle

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