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Das neugeborene Fohlen als Kolikpatient

Zeigen Fohlen innerhalb der ersten Lebenstage eine Koliksymptomatik, ist rasches Handeln gefordert. Eine Vielzahl möglicher Ursachen kommt infrage und erst die korrekte Diagnosestellung ermöglicht die Einleitung der richtigen Therapie. Fohlen, bei denen vor Ort keine abschließende Diagnose gestellt werden kann, sollten in Absprache mit dem Halter möglichst frühzeitig in eine gut ausgestattete Klinik überwiesen werden.

So geht keine Zeit verloren, falls chirurgisches oder intensivmedizinisches Eingreifen notwendig ist.

Einige Punkte sind im Gegensatz zum ausgewachsenen Kolik-Patienten zu beachten:

  • Bei equinen Neonaten kommt es häufiger als bei adulten Pferden vor, dass eine Kolik nicht gastrointestinal bedingt ist.
  • Angeborene Missbildungen sind als Auslöser des Krankheitsbilds in Betracht zu ziehen.
  • Die Möglichkeit der transrektalen Untersuchung entfällt. Stattdessen ist nur eine digitale rektale Untersuchung möglich. Im Gegenzug dazu ist die Sonografie sehr viel leichter und vollständiger durchführbar als beim ausgewachsenen Pferd. In manchen Fällen sind auch abdominale Röntgenaufnahmen zur Diagnose der Kolikursache aufschlussreich.
  • Der Einsatz von Butylscopolamin (als Bestandteil von Buscopan compositum, Fa. Boehringer Ingelheim) ist in der Koliktherapie bei equinen Neonaten in aller Regel verzichtbar. Stattdessen sollte bei der Erstbehandlung zunächst Metamizol als Monosubstanz Anwendung finden.

Die Auflistung möglicher Kolikursachen in diesem Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, und beschränkt sich auf die häufigsten sowie einige seltene Kolikursachen in den ersten Lebenstagen eines Pferdes.

Diagnostik

Das Symptom „Kolikschmerz“ ist bei neugeborenen Fohlen eindeutig festzustellen. Meist melden sich die Halter mit dem Vorbericht, das Fohlen wälze sich immer wieder und bleibe teilweise auch auf dem Rücken liegen. Häufig zeigen die Fohlen zusätzlich Tenesmus. Dabei ist es durch Adspektion nicht immer möglich zu unterscheiden, ob die Tiere auf Kot oder Harn drängen.

Vorbericht

Wie bei jeder tierärztlichen Untersuchung spielt die möglichst vollständige Erhebung des Vorberichts eine große Rolle.

An dieser Stelle sollen einzelne Punkte aufgegriffen werden, die im Hinblick auf das Kolikgeschehen von Bedeutung sein können:

  • Wie waren Gestationsdauer und Entwicklungszustand des Neonaten bei der Geburt?

Eines der vielen Probleme prämaturer Fohlen ist die Unreife des Darmes: Es treten Motilitäts- und Durchblutungsstörungen auf, die häufig erst einige Tage nach der Geburt klinisch in Erscheinung treten und eine Koliksymptomatik bedingen können.

  • Was waren die Routinemaßnahmen zur Erstversorgung nach der Geburt?

Neben der gegebenenfalls bereits erfolgten Verabreichung von Klistieren sind auch der Abnabelungsprozess und die Nabeldesinfektion zu erfragen, da Entzündungen des Nabels in Ausnahmefällen abdominale Schmerzen verursachen können. Außerdem ist die Vitamin-E-Selen-Versorgung anzusprechen, da die nutritive Muskeldystrophie bereits perinatal so ausgeprägt vorkommen kann, dass eine Saug- bzw. Trinkschwäche mit anschließender Hypogammaglobulinämie und Mekoniumobstipation resultiert. Stark bemuskelte Rassen (beispielsweise Quarter Horses, Pura Raza Española u. Ä.) sind von Muskeldystrophien besonders betroffen.

  • Zu welchem Zeitpunkt nach der Geburt traten die Koliksymptome erstmalig auf und wie äußerten sich diese?

Das Alter des Fohlens beim ersten Auftreten der Kolik spielt eine Rolle, aber auch, ob die Koliksymptomatik permanent oder anfallsartig auftritt oder eine zeitliche Verbindung zur Nahrungsaufnahme erkennbar ist. Vorsicht ist geboten, wenn ein vormals hochgradig kolikendes Fohlen plötzlich keine Schmerzen mehr zu haben scheint, aber stattdessen apathisch wirkt: Häufig liegt bei diesen Patienten eine Ruptur vor.

  • Ist Mekonium oder bereits Milchkot abgegangen?

Die Gesamtlänge der aneinandergereihten Mekoniumballen sollte bei einem Warmblutfohlen 80 – 100 cm betragen. Die Beobachtung, dass bereits Darmpech abgegangen ist, darf somit nicht mit der Tatsache gleichgesetzt werden, dass keine Mekoniumverhaltung vorliegt.

  • Gab oder gibt es Besonderheiten beim Harnabsatz?

In den ersten 8 Lebensstunden sollte mindestens 1-mal eine größere Menge Harn im Strahl abgesetzt worden sein. Ständiges Pressen und Harnträufeln sind nicht physiologisch. Bei Hengstfohlen kommt es vor, dass sie im Laufe der ersten Lebenstage während des Harnabsatzes nicht ausschachten. Diese Verhaltensweise stellt keinen Grund zur Besorgnis dar, solange ausreichende Mengen an Harn abgesetzt werden. Möglicherweise hat der Besitzer auch schon ein Harnträufeln aus dem Nabel beim Harnabsatz beobachtet, was auf eine Urachusfistel hindeuten würde.

  • Welche Behandlungsversuche sind bereits erfolgt?

Von besonderem Interesse ist diesbezüglich die Verabreichung von nicht-steroidalen Antiphlogistika (NSAID), und zwar zum einen, damit die Schmerzäußerungen des Fohlens bei der Untersuchung realistisch eingeschätzt werden können. Zum anderen ist eine mögliche Vorbehandlung von Fohlen und Mutterstute mit NSAID von Interesse, da bei längerer Vorbehandlung Ulzerationen des Magens bestehen können oder zukünftig zu erwarten sind, wenn keine entsprechende Prophylaxe erfolgt.

Bei Mekoniumobstipationen sollte – abhängig vom Naturell des Besitzers – erfragt werden, ob im Vorfeld Therapieversuche mit mehr oder weniger geeigneten Geräten und Spüllösungen erfolgt sind.

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Das neugeborene Fohlen als Kolikpatient

Aus der Zeitschrift: pferde.spiegel 04/2017

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