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Zahnfrakturen beim Pferd und deren Therapiemöglichkeiten

Zahnfissuren und -frakturen können grundsätzlich an allen Zahntypen des Pferdes auftreten. Sie gehören für Tierärzte, die auf Zahnheilkunde spezialisiert sind, zum Arbeitsalltag. Nicht zu unterschätzen ist der Anteil an Zahnfrakturen, der bei Routinezahnbehandlungen festgestellt wird. Akute Frakturen dagegen sind nicht selten Grund für einen Anruf im Notdienst, da bei betroffenen Pferden plötzlich vermehrter Speichelfluss, Maulgeruch und Kauprobleme beobachtet werden können. Man unterscheidet traumatisch bedingte, iatrogene und idiopathische Zahnfrakturen.

Iatrogene Zahnfrakturen können in vielen Fällen vermieden werden, indem vor dem Einsetzen eines Maulgatters stets die Schneidezähne auf Stabilität überprüft werden und auf den Einsatz von Maulkeilen und Zahncuttern verzichtet wird!

Schneidezähne

An den Schneidezähnen sind häufig traumatisch bedingte Zahnfrakturen zu beobachten, da diese Zähne sehr exponiert liegen. Weichteilgewebe und Kieferanteile können hierbei mitbetroffen sein. Verletzungsursachen sind u. a. Tritte, Hängenbleiben beim Spielen oder Kauen auf Gegenständen, Wetzen oder Koppen, aber auch Stürze und Kollisionen, z. B. im Zusammenhang mit schwerer Kolik oder Aufstehversuchen nach einer Allgemeinanästhesie.

Traumatisch bedingte Schneidezahnfrakturen treten vermehrt bei jungen Pferden auf. Sind mehrere Schneidezähne betroffen, ist regelmäßig der Alveolarknochen mitbeteiligt (Zahnfachfraktur), die Zähne sind nach labial oder lingual verlagert und die Frakturlinie kann weit apikal im Wurzelbereich der Zähne liegen. Hier ist zur Frakturversorgung eine Drahtzerklage das Mittel der Wahl.

Die sog. „3er“ (Eckschneidezähne) sind aufgrund ihrer Lage und der Druckverhältnisse anfälliger für Traumata als die übrigen Schneidezähne. Zudem treten an den „3ern“ besonders bei älteren Pferden (> 15 Jahre) idiopathische Zahnfrakturen auf. Diese Zähne können durch Karies, Parodontitis oder EOTRH (Equine Odontoclastic Tooth Resorption and Hypercementosis) vorgeschädigt sein.

Um iatrogene Schneidezahnfrakturen zu vermeiden, empfiehlt sich vor Verwendung eines Maulgatters immer eine Adspektion und Palpation der Schneidezähne. Hierbei können überstehende oder instabile Zähne sowie ein unregelmäßiger Schneidezahnbogen erkannt werden. Gegebenenfalls muss dieser vor Einsetzen des Maulgatters beispielsweise mit einer Trennscheibe angeglichen oder begradigt werden.

Hengstzähne

Auch Hengstzähne sind aufgrund ihrer Lage in der Lade anfällig für Zahnfrakturen – z. B. durch Hängenbleiben in Gittern oder Stricken. Diese Frakturen gehen oft mit Pulpabeteiligung einher und zeigen einen meist schräg bis unterhalb des Zahnfleischniveaus reichenden Verlauf.

Die massive Anlagerung von Zahnstein und in der Folge die Entstehung von Parodontitis sowie die Beteiligung von Karies oder EOTRH begünstigen Frakturen der Hengstzähne [11].

Backenzähne

Die Backenzähne frakturieren seltener traumatisch als die anderen Zahntypen, da die Zähne durch Wange und Muskulatur besser geschützt sind. Vorwiegend treten idiopathische Backenzahnfrakturen auf. Die Oberkieferbackenzähne, besonders die Molaren 109 und 110 bzw. 209 und 210, sind häufiger betroffen als die Unterkieferbackenzähne und in der Mehrzahl der Fälle ist der Frakturverlauf sagittal.

Es existiert zur Unterscheidung der Backenzahnfrakturen folgende einfache Einteilung:

  • Sagittalfrakturen mit Beteiligung der Pulpenpositionen (Slabfrakturen),
  • Sagittalfrakturen durch die Mittellinie bzw. Infundibula des Zahnes sowie
  • sonstige Frakturformen.

Sagittalfrakturen durch die Infundibula der Oberkieferbackenzähne treten nach Vorschädigung durch kariöse Prozesse auf, die zum Substanzverlust aufgrund von Entmineralisierung der Zähne führen. Sie können bis in den Apikalbereich des Zahnes reichen. Betroffen sind meist die „9er“.

 

Lesen Sie hier den kompletten Artikel: Zahnfrakturen beim Pferd und deren Therapiemöglichkeiten

Aus der Zeitschrift pferde.spiegel 04/2017

 

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Quelle

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