• Gähnende Katze

     

Zahnresorptionen bei der Katze

Katzen sind von Natur aus Jäger. Sie lauern oft stundenlang ihren Beutetieren auf, um diese dann mit einem gezielten Biss zu töten. Gelingt es einer sich „selbst versorgenden“ Katze nicht, ihr Beutetier sicher zu fassen und zu töten, wird diese Katze auf Dauer gesehen verhungern.

Durch den immensen Überlebenswillen wird sie zwar weiter auf die Jagd gehen, aufgrund zunehmender körperlicher Schwäche allerdings immer seltener Beute machen. Katzen mit Zahnschmerzen leiden oft still und zeigen ihren Schmerz nicht, wie wir es erwarten würden. Da die Futteraufnahme überlebenswichtig ist, stellen die Tiere erst im Extremfall das Fressen ein.

FORL (TR/RL)

Bei der FORL Erkrankung, den „Felinen Odontoklastischen Resorptiven Läsionen“ handelt es sich um eine der häufigsten und schmerzhaftesten Erkrankung der Katze. Da die Erkrankung auch bei Menschen und Hunden vorkommt und immer auch Odontoklasten beteiligt sind, wird die FORL-Erkrankung heute als TR („Tooth Resorptions“) oder RL („ Resorptive Lesions“) bezeichnet. Ältere Bezeichnungen wie beispielsweise „Zahnhalskaries“, sollten nicht mehr verwendet werden, da mit dieser Bezeichnung eine falsche Ätiologie nahe gelegt wird. Die ersten Untersuchungen zu den resorptiven Läsionen der Katze erfolgten in den 30er Jahren des 20. Jh. durch Hopewell-Smith.

Seit den 70er Jahren stieg die Prävalenz der resorptiven Läsionen, bis in den 2000ern eine Stabilisierung erfolgte. Dies ist mit Sicherheit unter anderem auf die heute wesentlich besseren diagnostischen Möglichkeiten zurückzuführen. Durch die routinemäßige Anfertigung intraoraler Röntgenaufnahmen mit modernen Röntgengeräten und Scannern lassen sich Resorptionen wesentlich eher erkennen. Möglicherweise führt auch die Sensibilisierung von Tierärzten, aber auch von Tierhaltern, zu gründlicheren Untersuchungen. Des Weiteren ist aufgrund der deutlich gesteigerten Lebenserwartung das Risiko resorptiver Läsionen höher, da eine Altersproportionalität besteht.

Bei retrospektiven Untersuchungen versuchte man, die Entwicklung der Prävalenz genauer zu untersuchen. Die Beurteilung von Katzenschädeln aus beispielsweise Sammlungen oder Museen sind aber oft schwierig und wenig aussagekräftig, da in der Regel nichts über die Lebensumstände, das Alter, das Geschlecht sowie die Ernährung bekannt ist.

Ätiologie und Pathogenese

Die Ursachen der resorptiven Läsionen sind bis heute noch nicht geklärt. Viele Hypothesen konnten zwischenzeitlich widerlegt werden. Dachte man einige Zeit, dass es sich um ein ernährungsabhängiges Problem der Domestizierung handelt, konnte dies zwischenzeitlich widerlegt werden. Nach radiologischen und histologischen Untersuchungen an wildlebenden Großkatzen ohne Kontakt zur Zivilisation konnte festgestellt werden, dass Tooth Resorptions auch bei dieser Tiergruppe sehr häufig vorkommen.

Längere Zeit wurde eine Überversorgung mit Vitamin D3 als Ursache für Tooth Resorptions diskutiert. Sicherlich ist die Kalziumhomöostase bei resorptiven Läsionen verändert, der Einfluss der Vitamin D3-Versorgung auf die Vorkommenshäufigkeit der Tooth Resorptions konnte zwischenzeitlich jedoch ausgeschlossen werden. Es kommt im Rahmen der Erkrankung auch nicht zu einer Demineralisierung der Zahnhartsubstanz. Auch wenn beispielsweise Bisphosphonate, die in der Humanmedizin zur Behandlung der postmenopausalen Osteoporose eingesetzt werden, zumindest experimentell ein Voranschreiten der Tooth Resorptions verlangsamen können, ist dies auf die Wirkung der Osteoklasten und Odontoklasten zurückzuführen.

Mit Sicherheit spielen (chronische) Entzündungsprozesse in der Maulhöhle eine begünstigende Rolle. Vor allem bei Typ I Resorptionen ist in aller Regel eine parodontale Problematik anzutreffen, obwohl sich bei frühzeitigen Resorptionen histopathologisch keine entzündlichen Komponenten nachweisen lassen.

Die Zahnhistologie ist jedoch häufig fehlerbehaftet, da die Zellstruktur präparatorisch bei der Demineralisation leidet. Ob die entzündliche Problematik auf die gestörte Integrität des Parodontalspaltes zurückzuführen ist, oder ob entzündliche Veränderungen allein zu Resorptionen führen, kann meist nicht unterschieden werden. Auch sind bei Katzen mit Feliner Chronischer Gingivostomatitis (FCGS) fast immer auch Zähne mit resorptiven Veränderungen feststellbar.

Eine Form der TR kommt beim menschlichen Patienten mit Bulimie vor. Hierbei wird als Auslöser der intensive Kontakt des sauren Mageninhalts zur Schmelz-Zement-Grenze vermutet. Auch bei Katzen mit chronischem Erbrechen werden immer häufig auch Tiere mit resorptiven Läsionen gefunden.

Des Weiteren ist eine Korrelation zwischen Lebensalter und Prävalenz feststellbar. Möglicherweise ist hierfür das höhere Parodontitis-Risiko verantwortlich.

Mechanischer Stress kann beim Menschen nachweislich zu resorptiven Veränderungen im Wurzelbereich führen. Ob die Stressbelastung im Wurzelbereich bei der Verfütterung von Trockenfutter tatsächlich zu Typ II-Resorptionen führt, ist fraglich. Bei Untersuchungen an wildlebenden Großkatzen konnte nachgewiesen werden, dass viele Tiere mit resorptiven Läsionen unter Ankylosen im Wurzelbereich leiden, was pathognomonisch für Typ II-Läsionen ist.

Grundsätzlich ist die Prävalenz resorptiver Läsionen bei Trocken- und Feuchtfuttergabe vergleichbar. Bei Katzen, die nur Feuchtfutter bekommen, ist das Risiko von Parodontalerkrankungen wesentlich höher, bei der Gabe von Trockenfutter ist dafür der mechanische Stress ausgeprägter.

 

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Zahnresorptionen bei der Katze

Aus der Zeitschrift veterinärSPIEGEL 1/2016

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Quelle

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