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Adipositas als Risikofaktor für Parodontitis

Die Identifizierung und Charakterisierung von Risikofaktoren, die das Auftreten entzündlicher Parodontalerkrankungen begünstigen, ist eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung effektiver Präventions- und Therapiekonzepte. Das Körpergewicht steht dabei seit Jahren im Fokus der Wissenschaftler.

Inzwischen konnte gezeigt werden, dass sich ein ausgeprägtes Übergewicht und die damit verbundenen Störungen im Glukose- und Fettstoffwechsel negativ auf die parodontale Gesundheit auswirken. Erste Hinweise darauf lieferten Versuche an Tiermodellen. Zum Beispiel beobachteten Perlstein und Bissada bei fettleibigen Ratten eine höhere Inzidenz für Parodontitis als bei normalgewichtigen Tieren.

Nachfolgende epidemiologische Humanstudien fanden ebenfalls Zusammenhänge. In einer Untersuchung von Al-Zahrani et al., welche die Daten der Third National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES III) auswerteten, wurden insgesamt 13 665 Personen hinsichtlich ihres Körpergewichts (Body-Mass-Index [BMI], Hüftumfang) und des Parodontalstatus untersucht. Dabei erfolgte eine Klassifizierung der Teilnehmer nach dem Alter in „jung“ (18 – 34 Jahre, n = 5608), „mittleres Alter“ (35 – 59 Jahre, n = 5092) und „alt“ (60 – 90 Jahre, n = 2965). Die Auswertung der Untersuchungsdaten ergab eine signifikante Assoziation zwischen Parodontitis und einem hohen Körpergewicht (BMI > 30) in der Altersgruppe zwischen 18 und 34 Jahren. Die Prävalenz für Parodontitis war bei übergewichtigen Teilnehmern in dieser Gruppe um 76% höher als bei Normalgewichtigen. In den beiden anderen Gruppen konnten keine signifikanten Zusammenhänge nachgewiesen werden.

Ein plausibler Erklärungsansatz für diese Ergebnisse könnte der Umstand sein, dass frühzeitig auftretendes und sich ins Erwachsenenalter fortsetzendes Übergewicht schädlicher ist als eine Gewichtszunahme, die mit dem natürlichen Alterungsprozess einhergeht. Allgemeine Studien, die das Mortalitätsrisiko von Übergewichtigen untersuchten, scheinen diese Annahme zu bestätigen. Eine andere Arbeitsgruppe um Wood et al. nutzte ebenfalls die Daten der NHANES III, führte aber zusätzlich eine Messung der Körperzusammensetzung mithilfe der Bioimpedanzanalyse (BIA) durch, die Rückschlüsse auf den Fettanteil im Körper zulässt. Außerdem berücksichtigten sie das Fettverteilungsmuster, welches durch die „Waist-to-Hip-Ratio“ (WHR) ermittelt wurde.

Es ist allgemein bekannt, dass eine vorwiegend abdominale Fetteinlagerung (Stammfettsucht) mit stärkeren gesundheitlichen Risiken verbunden ist als eine Fettansammlung in den Beinen und Hüften. Diese Beobachtungen konnten auch von Wood et al. für das Parodontitisrisiko bestätigt werden.

In einer aktuellen Studie wurde auch der Einfluss von Übergewicht auf den Erfolg der parodontalen Therapie untersucht. Dabei zeigte sich, dass Fettleibigkeit das Ansprechen auf eine nicht chirurgische Parodontaltherapie negativ beeinflussen, d. h. mit einem geringeren Behandlungserfolg einhergehen, kann. Dies verdeutlicht die Notwendigkeit, adipösen Patienten im Rahmen der Therapie besondere Aufmerksamkeit zu schenken und einen Therapieansatz zu entwickeln, der individuelle Faktoren berücksichtigt und zusätzlich Ernährungs- und Bewegungsinterventionen zur Gewichtsreduktion mit einschließt.

Charakterisierung des Körpergewichts

Der Begriff „Übergewicht“ bezeichnet eine über das Normalmaß hinausgehende Erhöhung des Körpergewichts, die durch eine Vermehrung der Körperfettmasse hervorgerufen wird. Mithilfe der Body-Mass-Index- und Waist-to-Hip-Ratio-Bestimmung kann das Körpergewicht charakterisiert werden. Ab einem BMI von 30 wird von Adipositas bzw. Fettleibigkeit gesprochen. Dabei sollte jedoch zusätzlich das Fettverteilungsmuster berücksichtigt werden, da besonders eine Fetteinlagerung im Bauchraum mit einem erhöhten Entzündungs- und Krankheitsrisiko einhergeht. Viszerales Fettgewebe weist eine höhere Stoffwechselaktivität auf als subkutanes Fettgewebe, wobei vermehrt Entzündungsfaktoren und Hormone freigesetzt werden. In einer Studie zeigte sich eine signifikante Korrelation zwischen einer abdominalen Fetteinlagerung und Parodontitis, während allein beim BMI kein signifikanter Zusammenhang festgestellt werden konnte.

Lesen Sie hier den ganzen Beitrag: Adipositas als Risikofaktor für Parodontitis
aus der Zeitschrift ZWR - Das Deutsche Zahnärzteblatt 09/2020 

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