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Aktuelle Präventionskonzepte bei Kleinkindern mit erhöhtem Kariesrisiko

Der Kariesrückgang im Milchgebiss vollzieht sich nur langsam – teilweise scheint er zu stagnieren. Daher wurden verschiedene kariespräventive Maßnahmen beschlossen, die sich auf alle Kleinkinder auswirken werden, vor allem aber auch spezielle Chancen für Kinder mit erhöhtem Kariesrisiko eröffnen. Dieser Beitrag stellt die neuen Möglichkeiten dar, insbesondere zahnärztliche Untersuchungen für Kleinkinder und intensivierte Fluoridierungsmaßnahmen.


Einleitung

Karieserfahrung bei 12-Jährigen
Seit einigen Jahrzehnten ist bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland ein deutlicher Kariesrückgang feststellbar. Die national repräsentativen Deutschen Mundgesundheitsstudien (DMS) und die ebenfalls deutschlandweit durchgeführten Studien der DAJ (Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege) dokumentieren einen beeindruckenden Rückgang der Karieslast bei 12-jährigen Kindern. Ausgehend von DMFT-Werten (DMFT: decayed – missing – filled teeth) von 1,7 im Jahre 1997 bzw. von 2,4 im Jahre 1994 wurden zuletzt Werte von 0,5 im Jahr 2014 bzw. 0,4 im Jahr 2016 erhoben. Das bedeutet: Im Durchschnitt ist von zwei 12-jährigen Kindern eines vollkommen kariesfrei und das andere Kind weist weniger als einen kariösen oder kariesbedingt versorgten Zahn (Füllungen, Extraktionen) auf. In der Realität hat bei einer Kariesprävalenz von 18,7% sogar von fünf 12-Jährigen nur ein Kind versorgte oder unversorgte Karies – die übrigen vier sind kariesfrei. Das Kind mit der Karieserfahrung weist dabei aber bereits 2,5 DMF-Zähne auf.

MERKE: Die Gegenüberstellung von rechnerischem Mittelwert und tatsächlicher Kariesverteilung zeigt, dass bezüglich der Karieslast eine Polarisation besteht.

Zwar ist es gelungen, die Teilgruppe mit hoher Karieserfahrung zu verkleinern: Im Jahr 2014 zeigten nur noch etwa 6,1% der 12-Jährigen mehr als 2 sanierte oder unsanierte Zähne [1]. Dies verschärft jedoch letztlich die Kariespolarisation, denn es sind insgesamt weniger als 5,7% der 12-jährigen Kinder, die sämtliche in ihrer Altersgruppe zu sanierenden Zähne aufweisen (s. „Info – Erhöhtes Kariesrisiko“).

INFO ERHÖHTES KARIESRISIKO: Im Zusammenhang mit der Kariespolarisation wird von Kindern mit erhöhtem Kariesrisiko gesprochen. Diese Begrifflichkeit mag zwar sprachlich nicht ganz korrekt sein, da letztlich alle Menschen dem gleichen Erkrankungsrisiko unterliegen. In der zahnmedizinischen Kommunikation hat sich diese Bezeichnung dennoch etabliert – denn bereits vorhandene Karieserfahrung ist der klinische Beleg für nicht adäquate Präventionsmaßnahmen, denen zufolge ohne Veränderung kariesrelevanter Parameter weitere kariöse Defekte zu erwarten sind. 

Karieserfahrung bei 6/7-Jährigen
Im Milchgebiss besteht ebenfalls eine Ungleichverteilung der Karies, die bei 6- und 7-jährigen Kindern jedoch weniger ausgeprägt ist. Hier sind 44% der Kinder nicht mehr kariesfrei, und durchschnittlich hat jedes Kind im Alter von 6 bis 7 Jahren 1,7 Milchzähne mit Karieserfahrung. Mit einem Kariesrückgang im Milchgebiss von rund 40% innerhalb von 22 Jahren ist zwar auch hier ein Kariesrückgang feststellbar. Allerdings macht die prozentuale Reduktion nur etwa halb so viel wie im bleibenden Gebiss aus.

Lässt man die gute Hälfte der 6- und 7-jährigen Kinder ohne Karieserfahrung außen vor, so zeigt sich: Die von Karies betroffenen 6- und 7-Jährigen weisen im Mittel bereits 4 kariöse oder infolge von Karies behandelte Zähne auf. Dennoch stellt die hohe Kariesprävalenz im Milchgebiss einen guten Grund dar, die Präventionsmaßnahmen bei Kindern vor dem Alter von 6 Jahren allgemein zu verstärken. Diese verstärkten Präventionsmaßnahmen sollten nicht nur auf Kinder mit erhöhtem Kariesrisiko beschränkt werden. Hinzu kommt, dass sich in Deutschland in der Altersgruppe der 6- und 7-Jährigen ein Stillstand beim Kariesrückgang, in einigen Regionen sogar ein Wiederanstieg der Karieslast abzeichnet. Auch wenn diese Beobachtungen international in verschiedenen Ländern gemacht werden, drängt dies zu weiteren frühzeitigen Prophylaxemaßnahmen in Deutschland.

Karieserfahrung bei 3-Jährigen
Die hohe Karieslast bei den 6- und 7-jährigen Kindern ist ein dringlicher Anlass, die Situation bei 3-Jährigen zu betrachten. Hier sind zwar „nur“ 13,7% von manifester, das Dentin einbeziehender Karies betroffen, doch weisen diese Kinder im Durchschnitt 3,6 erkrankte Zähne auf. Die therapeutischen Konsequenzen sind komplex und herausfordernd und machen oft eine Behandlung in Allgemeinanästhesie notwendig. Die starke Kariespolarisation im Kleinkindalter erfordert daher besondere Maßnahmen der Kariesprävention für diese Kinder mit erhöhtem Kariesrisiko.

Handlungsbedarf bei Kariesprävention für das Milchgebiss
Der auffällig unterschiedliche Erfolg der Kariesprävention im Milch- bzw. im bleibenden Gebiss ist Anlass zur Implementierung verschiedener kariespräventiver Maßnahmen für das Milchgebiss. Die Instrumente der Kariesprävention sind dabei die gleichen wie diejenigen, die im bleibenden Gebiss erfolgreich zu dem erheblichen Kariesrückgang geführt haben. Unter anderem liefert der bislang zu späte Zeitpunkt, zu dem die Kinder in zahnmedizinische Betreuung kommen, eine Erklärung für die nur geringen Verbesserungen im Milchgebiss. Wenn die individual- oder gruppenprophylaktische Betreuung erst mit 3 Jahren beginnt, kann das Kind bereits Karies aufweisen, bevor zielführende primärpräventive Maßnahmen etabliert und regelmäßig umgesetzt werden. Zudem kommt der frühzeitig einsetzenden Karies eine wegweisende Rolle bezüglich der weiteren Kariesentwicklung zu.

MERKE: Aus frühzeitiger erfolgreicher Kariesprävention können langfristige positive Effekte der oralen Gesundheitsförderung abgeleitet werden. 

Lesen Sie den gesamten Beitrag hier: Aktuelle Präventionskonzepte bei Kleinkindern mit erhöhtem Kariesrisiko

Aus der Zeitschrift: Zahnmedizin up2date 05/2019

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