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Anwendungsbereiche der Lingualtechnik und Integration in die kieferorthopädische Praxis

Leser fragen – Experten antworten

Frage:

Es scheint ja so zu sein, dass sich die Lingualtechnik einer zunehmenden Beliebtheit erfreut. Mich würde interessieren, ob man überhaupt jede Zahnfehlstellung mit dieser Methode behandeln kann. Insbesondere bei Tiefbissen würde ich Probleme vermuten, da die Brackets doch dort geklebt werden, wo die Unterkieferfrontzähne hin beißen. Weiterhin würde ich gerne wissen, was Sie einem Anfänger raten würden, der die Lingualtechnik in seine tägliche Praxis integrieren möchte. Was sind die größten Stolpersteine?

Antwort:

Das ist eine Frage, die immer wieder gestellt wird. Prinzipiell sind die biomechanischen Zusammenhänge lingual und vestibulär sicherlich leicht unterschiedlich. Die umfassende Leistungsfähigkeit moderner lingualer Apparaturen konnte bis heute in einer Vielzahl von Untersuchungen nachgewiesen werden. Dabei steht insbesondere die Ergebnisqualität im Vordergrund, die nur geringste Abweichungen von der Planung, dem individuellen Setup, aufweist. Das Erreichen einer derartigen Präzision bei der Umsetzung einer individuellen Behandlungsplanung konnte bisher beim Einsatz vestibulärer Methoden nicht nachgewiesen werden.

Allein die Grundkenntnisse der jeweiligen lingualen Behandlungsstrategien, die sich sicherlich bei den unterschiedlichen Malokklusionen deutlich unterscheiden, sind nicht jedem Kieferorthopäden so geläufig wie die herkömmlichen vestibulären Methoden. Nehmen wir als Beispiel den angesprochenen Tiefbiss. Richtig ist, dass der Patient nach dem Bekleben mit den Unterkieferfrontzähnen auf die Brackets des Oberkiefers beißt. Die ersten lingualen Bracketsysteme hatten deshalb ein sogenanntes Aufbissplateau auf den Brackets der Oberkieferfront. Moderne linguale Systeme wie z. B. vollständig individuelle linguale Apparaturen (VILA) haben heute optional auf Teilen der Okklusalfläche ausgedehnte Bracketbasen für die endständigen Molaren, die nicht nur die Haftung am Zahn bei reduzierter Klebefläche verbessern, sondern auch den Biss heben. Diese Art der Bisshebung wird von den Patienten generell als angenehmer empfunden als die Vorkontakte auf den Frontzahnbrackets. Die Bisshebung an sich ist mit lingualen Apparaturen sicherlich einfacher möglich als mit vestibulären. Besonders die Nivellierung der ausgeprägten Spee’schen Kurve im Unterkiefer wird durch die Vorkontakte auf der lingualen Apparatur begünstigt. Schon direkt nach dem Einsetzen der Apparatur ist der Tiefbiss in vielen Fällen korrigiert, allerdings auf Kosten eines seitlich offenen Bisses. Diesen zu schließen, gelingt klinisch relativ anspruchslos mithilfe umlaufender Bögen. Komplexere Mechaniken wie bei vestibulären segmentierten Techniken und der Einsatz von Intrusionsbögen oder „Base-Arches“ sind bei lingualen Systemen überflüssig. Bei modernen vollständig individuellen lingualen Apparaturen werden zudem „ribbonwise“ ausgerichtete Bögen eingesetzt, die eine noch bessere Kontrolle der vertikalen Zahnposition ermöglichen. Dies erweist sich auch bei der Behandlung von offenen Bissen als sehr hilfreich.

Lesen Sie den gesamten Beitrag aus der IOK: Anwendungsbereiche der Lingualtechnik und Integration in die kieferorthopädische Praxis

Quelle: IOK - Informationen aus Orthodontie & Kieferorthopädie 3/2015

 

 

 

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