• Biofilmentfernung und Kariesprävention – chemisch oder doch lieber mechanisch?

     

Biofilmentfernung und Kariesprävention – chemisch oder doch lieber mechanisch?

Seit 1988 hat jedes Kind in Deutschland von der Geburt bis zum 16. Lebensjahr einen gesetzlichen Anspruch auf die Maßnahme der Zahngesundheitsförderung (§ 21 Sozialgesetzbuch [SGB] Fünftes Buch [V]). In der Schweiz sind derartige Maßnahmen schon deutlich länger verankert (§ 58 Gesundheitsgesetz vom 4. November 1962; Verordnung über die Schul- und Volkszahnpflege vom 15. November 1965), was sich auch in den Prävalenzdaten zu Karies vor allem bei Kindern und Jugendlichen deutlich widerspiegelt.

Zu den Maßnahmen, die im Rahmen derartiger Präventionsprogramme durchgeführt werden, gehören die regelmäßige Inspektion der Mundhöhle, Ernährungsberatungen, gruppen- oder individualprophylaktische Aufklärungen und Mundhygieneschulungen, sowie Aufklärung und Beratung bzw. Durchführung von Fluoridierungsmaßnahmen. Ergänzt werden diese Bemühungen durch die Applikation von Fissurenversiegelungen entsprechend dem individuellen Risiko.
Auch wenn die Prävalenz von Karies bei Jugendlichen stark rückläufig ist, so sind doch andere Kariesformen relevant, beispielsweise Wurzelkaries, die vor allem bei Senioren eine Rolle spielen kann.

Die Lokalisation und damit die Erreichbarkeit der Wurzeloberflächen, aber auch die Zusammensetzung und damit verbundene leichtere Säurelöslichkeit des Wurzeldentins bewirken, dass herkömmliche Präventionsstrategien mitunter eine schlechtere Effektivität als bei koronaler Karies zeigen.
Eine Grundvoraussetzung für die Entstehung von Karies ist das Vorhandensein des dentalen Biofilms oder der dentalen Plaque auf der Zahnoberfläche. In dieser werden niedermolekulare Kohlenhydrate verstoffwechselt, was zur Säurebildung führt, die eine Demineralisation der Zahnhartsubstanz bewirken kann. Neben der mechanischen Reinigung wird bisweilen zusätzlich die Applikation von bestimmten chemischen Verbindungen empfohlen, die der Unterstützung der Biofilmentfernung dienen soll. Doch welche Maßnahmen sind tatsächlich sinnvoll, und welche versprechen mehr, als sie halten können?
Die seit Juni 2016 gültige S2k-Leitlinie zum Thema „Kariesprophylaxe bei bleibenden Zähnen – grundlegende Empfehlungen“ beschäftigt sich eingehend mit diesem Thema, doch werden verständlicherweise in dieser aufgrund ihrer Vielzahl zahlreiche chemische Verbindungen, die potenziell zur Plaquemodifikation anwendbar sind, nicht erwähnt. Zudem bleiben Fragen zur genetischen Prädisposition, zur mechanischen Plaqueentfernung und weitere Aspekte unbeantwortet. Derzeit steht außerdem die Sinnhaftigkeit der Interdentalraumreinigung im Fokus der Diskussion.
Diesen und anderen Themen hat sich ebenfalls eine gemeinsame Konsensus-Konferenz der Europäischen Fachgesellschaft zur Kariesforschung (European Organisation for Caries Research – ORCA) und der Europäischen Gesellschaft für Parodontologische Forschung (European Federation for Periodontology – EFP) im November 2016 gewidmet. Der vorliegende Beitrag greift sowohl Inhalte der genannten S2k-Leitlinie als auch kariologische Aspekte der Konsensus-Konferenz zur mechanischen Plaquekontrolle, zu Ernährungsaspekten sowie zur adjuvanten chemischen Plaquekontrolle auf und erläutert, welche Maßnahmen tatsächlich sinnvoll sind.

Mechanische Plaqueentfernung

Die mechanische Plaqueentfernung ist alltäglicher Gegenstand der häuslichen Körperhygiene, im Regelfall in den täglichen Ablauf gut integriert und Grundbestandteil einer Aufrechterhaltung der Mundgesundheit. Bereits im Kinder- und Jugendalter werden Mundhygienetechniken, -systematiken, die richtige Zahnputzdauer und die Anwendung von Interdentalraumhygieneprodukten vermittelt. Folglich bemühen sich die meisten Personen um eine suffiziente Entfernung des Biofilms, allerdings zum Teil nur mit eingeschränktem Erfolg. Es ist nicht abschließend untersucht, ob Mundhygieneinstruktionen zielführend sind, und wenn nicht, warum. Jedoch gibt es Hinweise aus Beobachtungsstudien darauf, dass nur in wenigen Fällen altersgerechte Techniken angewendet werden. Oft werden auch im Erwachsenenalter Bewegungsmuster, die bereits in der Kindheit erlernt wurden, weiterhin ausgeführt.

 

 

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Biofilmentfernung und Kariesprävention – chemisch oder doch lieber mechanisch?

Aus der Zeitschrift Zahnmedizin up2date 05/2017

 

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