• Dysfunktion

     

Verbreitung und Ätiologie von kraniomandibulären Dysfunktionen (CMD) im Kindes- und Jugendalter

Kinder und Jugendliche sind in der zahnärztlichen Sprechstunde als CMD‑Patienten kaum anzutreffen, obwohl die Symptome bereits in diesem Alter weitverbreitet sind. Das Erstauftreten von CMD besonders bei Mädchen während der Pubertät sowie die höhere Prävalenz bei Frauen während des Reproduktionsalters lassen die hormonellen Umstellungen während der Pubertät als ätiopathogenetisch bedeutsam erscheinen. Die Mechanismen sind noch nicht klar, es scheint aber ein Mangel an frei verfügbaren Sexualhormonen während der Pubertät ausschlaggebend zu sein. Hierbei könnte es sich um ein grundlegendes Muster für viele unklare Schmerzsymptome handeln, da damit klinische Beobachtungen erklärt werden können: der typische Alters- und Geschlechtsverlauf von CMD, die psychosoziale Charakteristik von CMD-Schmerzpatienten sowie die hohe Koinzidenz der verschiedenen Schmerzarten. Dagegen spielen morphologische Faktoren und deren Veränderungen, z. B. infolge kieferorthopädischer Behandlungen, in der Ätiologie von CMD während des Jugendalters kaum eine Rolle. Darüber hinaus gibt es Erkenntnisse über genetische Ursachen der CMD, ein Bereich, der ebenfalls Gegenstand aktueller Forschungen ist.

Die Tatsache, dass Kinder und Jugendliche eher selten CMD‑Patienten in der zahnärztlichen Sprechstunde sind, könnte zu der Annahme führen, dass die muskuloskelettalen Störungen im Kausystem in dieser Altersgruppe weniger verbreitet sind als im Erwachsenenalter. In Deutschland war eine Standortbestimmung zum Ausmaß dieser Erkrankungen, deren Ursachen noch immer weitgehend unklar sind, zunächst auch nur für Erwachsene und Senioren möglich.

Im Rahmen der bevölkerungsrepräsentativen Dritten Deutschen Mundgesundheitsstudie des Instituts der Deutschen Zahnärzte (DMS III) wurden für rund 10% (Monatsprävalenz) der Erwachsenen CMD‑Schmerzen (also Schmerzen im Bereich der Kiefergelenke, der Kaumuskulatur und angrenzender Strukturen) ausgewiesen, etwa 4% der Erwachsenen in Deutschland suchten subjektiv eine Behandlung für CMD; bei Senioren waren sowohl Schmerzprävalenz als auch Behandlungsbedarf niedriger als bei Erwachsenen.

Etwa jeder 6. Erwachsene wird im Lauf seines Lebens zum CMD‑Patienten. Beim Blick in die Literatur zeigt sich allerdings, dass im Jugendalter die Symptomatik weitverbreitet ist und dass in diesem Lebensabschnitt zudem wichtige ätiopathogenetische Weichenstellungen aufgrund der gleichzeitigen Wirkung vieler möglicher Einflussfaktoren erfolgen. Der entscheidende Aspekt dabei ist, dass die meisten Erwachsenen, die unter chronischen Schmerzen an den verschiedenen Körperregionen leiden, den Beginn dieser Beschwerden im Jugendalter sehen. Auch bei CMD‑Schmerzen werden Risikofaktoren, die deren Auslösung initiieren, im Jugendalter vermutet. Damit wird eines klar: Sollen die Prozesse verstanden werden, die zur Entstehung von CMD‑Schmerzen führen, sind Untersuchungen im Jugendalter zwingend erforderlich.

Im 1. Teil dieses Beitrags werden Daten zur Verbreitung, zum Altersverlauf, zu den Beeinträchtigungen sowie zur Behandlungssuche von CMD im Jugendalter dargestellt, im 2. Teil ätiologische Aspekte anhand der aktuellen Literatur beleuchtet.

Lesen Sie den gesamten Beitrag hier: Verbreitung und Ätiologie von kraniomandibulären Dysfunktionen (CMD) im Kindes- und Jugendalter

Aus der Zeitschrift: IOK - Informationen aus Orthodontie & Kieferorthopädie 01/2019

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