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Einstellung eines palatinal verlagerten Eckzahns mittels Alignertherapie

Ein günstiger Zeitpunkt für die Einstellung eines potentiell verlagerten Eckzahnes liegt vor dem eigentlichen Durchbruchszeitpunkt, in dem bspw. mit einer Milchzahnextraktion bzw. Lückenöffnung für den bleibenden Zahn ein Pfad zur passiven Eruption geschaffen werden kann. Geschieht dies nicht oder bleibt der Zahn verlagert, so entsteht eine komplexe Aufgabe, die dem kieferorthopädischen Behandler eine genaue Planung abverlangt und in interdisziplinärer Zusammenarbeit mit einem oralchirurgisch tätigen Zahnarzt, Oral- oder Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen erfolgen muss. Das moderne kieferorthopädische Behandlungsspektrum bietet vielerlei Möglichkeiten für die Einstellung verlagerter Zähne. Für den folgenden Patientenfall zeigen wir eine Möglichkeit zur Einstellung eines verlagerten Eckzahns mittels Aligner-Therapie in Kombination mit zusätzlichen adäquaten Hilfsmitteln (Auxiliaries).

Verlagerte Eckzähne stellen für den Kieferorthopäden immer wieder eine Herausforderung dar. Generell liegt die Prävalenz dieser Problematik zwischen 1 und 3% in der westlichen Population, wobei Mädchen doppelt so häufig betroffen sind wie Jungen und der obere Eckzahn im Verhältnis zum unteren 10-mal häufiger verlagert ist. Am häufigsten sind obere Eckzähne palatinal verlagert (50%), gefolgt von der bukkalen (30%) und der im Alverolarkamm (20%) liegenden Verlagerung. Unter Ausgrenzung der dritten Molaren macht der Oberkiefer-Eckzahn 60% aller verlagerten Zähne aus, davon treten 8% der Verlagerungen beiderseitig auf.

Der Durchbruchspfad des oberen Eckzahns ist sowohl im zeitlichen als auch im räumlichen Sinn der längste. Seitlich der Apertura piriformis in der Fossa canina angelegt, nimmt er einen kurvenförmigen Verlauf vom basalen Kieferabschnitt bis zum Zahnbogen. Zunächst schräg liegend, erfolgt schließlich eine senkrechte Einreihung in den Zahnbogen. In der Regel sollte der Durchbruch im Alter von 11–12 Jahren erfolgen.

Ätiologisch ist eine palatinale Eckzahnverlagerung eher durch endogene Faktoren begünstigt, wohingegen die Bukkalverlagerung häufig als Folge eines primären oder sekundären Engstands auftritt. Weitere Faktoren, die mit einer Eckzahnverlagerung assoziiert sind, sind Syndrome, Durchbruchshindernisse (Zysten, überzählige Zähne), Milchzahnretentionen sowie verfrühter Verlust eines Milchzahns, Lippen-Kiefer-Gaumenspalten, Ankylosen oder Dilazerationen.

Diagnostisch sollten beim Verdacht auf eine Eckzahnverlagerung folgende Hinweise beachtet werden:

Platzmangel, Mittellinienabweichung, Distalkippung des oberen seitlichen Schneidezahns (besonders bei einseitiger Eckzahnverlagerung, nicht zu verwechseln mit physiologischem „ugly duckling“), Nichtanlage und Zahnanomalien des OK-2ers, Milcheckzahnpersistenz ohne Lockerung

Im OPG spricht ein vergrößerter Winkel zwischen Eckzahnachse und Spina nasalis anterior (≥28,4°) ab dem Alter von 9 Jahren für eine Verlagerung.

Palpierbarkeit ca. ab dem 10. Lebensjahr.

Zur genauen Lagebestimmung ist in der Regel eine zweite Ebene bzw. eine 3-dimensionale Aufnahme notwendig. Die Risiken bei Nichtbehandlung einer Eckzahnverlagerung sind ein ektopischer Durchbruch oder das Verbleiben im Kiefer sowie pathologische Wurzelresorptionen an den Nachbarzähnen. Hier sind am häufigsten die lateralen Inzisiven betroffen (80%). Die Resorptionen im Zusammenhang mit verlagerten Eckzähnen sind progressiv und können nur durch Umlenken des Eckzahnes aufgehalten werden.

Therapeutisch kann die Extraktion des Milcheckzahnes vorgenommen werden, sobald die Wurzel des bleibenden Zahnes zur Hälfte bis 2/3 entwickelt ist. Voraussetzung ist, dass normale Platzverhältnisse vorliegen und keine Resorptionen an der Schneidezahnwurzel vorgefunden werden. 78% der verlagerten Eckzähne brechen nach früher Extraktion der Milcheckzähne normal durch.

Bleibt der Spontandurchbruch aus, besteht mit einer breiten Palette von Behandlungsalternativen in der Kieferorthopädie die Möglichkeit, die verlagerten bleibenden Zähne später einzustellen, sofern diese nicht ankylosiert sind.

Mit der folgenden Patientenvorstellung soll dargestellt werden, wie eine solch komplexe Behandlungsaufgabe mittels Alignertherapie gelöst werden kann.

Lesen Sie hier den ganzen Beitrag: Einstellung eines palatinal verlagerten Eckzahns mittels Alignertherapie – ein Fallbericht
aus der Zeitschrift IOK - Informationen aus Orthodontie & Kieferorthopädie 52(04) / 2020

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