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Ist die kieferorthopädische Korrektur einer wachsenden hyperdivergenten retrognathen Klasse II möglich?

Einige Patienten mit Klasse-II-Dysgnathie zeigen ein günstiges, andere wiederum ein ungünstiges Wachstumsmuster. Etwa 25% der Klasse-II-Fälle sind orthognath und hypodivergent. Dies betrifft sowohl Klasse II/1 als auch Klasse II/2. Solche Patienten haben generell ein günstiges Wachstumsmuster. Es finden sich auch Patienten mit Klasse II/1 mit eher günstigem Wachstum, obwohl sie retrognath und hyperdivergent sind. In der Regel zeigen retrognathe und hyperdivergente Patienten jedoch ein ungünstiges Wachstumsmuster. Auf solchen Patienten und deren Behandlung liegt der Schwerpunkt dieses Beitrages.

Hintergrund

Hyperdivergente retrognathe Patienten mit Klasse II haben im Vergleich zu normal wachsenden Personen eine Vielzahl an skelettalen Problemen, die im Rahmen einer Behandlung angegangen werden sollten. Sie zeigen eine normale vordere und hintere Oberkieferhöhe und die Maxilla ist in sagittaler Richtung normal positioniert. Der Oberkiefer weist jedoch transversale Defizite auf und die Zähne sind elongiert. Die mandibulären Probleme sind allerdings noch schwerwiegender als die maxillären. Solche Patienten haben retrognath stehende Unterkiefer, erhöhte Werte für den Grundebenen- und die Kieferwinkel, sowie die vordere untere Gesichtshöhe. Die hintere Gesichtshöhe ist verringert, die antegoniale Einziehung vergrößert und die Symphysen schmäler. Bei hyperdivergenten Patienten ist die Wachstumsrichtung der Kondylen eher nach posterior gerichtet, was den größeren Kieferwinkel erklärt. All diese Probleme sind Folge des nicht normalen Wachstumsmusters.

Unbehandelt zeigen hyper- und hypodivergente Klasse-II-Patienten völlig unterschiedliche Wachstumsmuster. Im Vergleich mit hypodivergenten Patienten, deren SNA- und SNB-Winkel im Lauf der Zeit immer größer werden, verkleinern sich die Winkel bei hyperdivergenten Individuen. Dies geschieht allerdings nicht in gleichem Maße. Bei unbehandelten hypo- und hyperdivergenten Patienten mit Klasse II verkleinert bzw. vergrößert sich der ANB-Winkel. Dabei zeigen hyperdivergente Patienten nur etwa die Hälfte der echten Rotation nach vorne wie hypodivergente Individuen. Als Folge ist das Kinn unterentwickelt, wobei sich das Pogonion nur etwa 1/3 so weit nach vorne bewegt wie bei der hypodivergenten Klasse II. Diese Rotationsunterschiede erklären, warum der Grundebenenwinkel bei hypodivergenten Patienten kleiner wird und sich bei hyperdivergenten Individuen vergrößert. Diese skelettalen Probleme prägen sich im Laufe der Zeit immer stärker aus. Dies ist einer der Gründe, einen frühen Behandlungsbeginn ins Auge zu fassen.

Lesen Sie hier den ganzen Beitrag: Ist die kieferorthopädische Korrektur einer wachsenden hyperdivergenten retrognathen Klasse II möglich?
aus der Zeitschrift IOK - Informationen aus Orthodontie & Kieferorthopädie 03/2020

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