• Die Technik der Kariesinfiltration wurde 2009 in die Zahnmedizin eingeführt. In der Zwischenzeit hat sich diese Therapie im Behandlungsspektrum der präventiv orientierten Zahnarztpraxis sowohl für das Milch- als auch das bleibende Gebiss etabliert.

     

Kariesinfiltration – Update 2017

Die Technik der Kariesinfiltration wurde 2009 unter dem Handelsnamen Icon® (DMG, Hamburg) in die Zahnmedizin eingeführt. In der Zwischenzeit hat sich diese Therapie im Behandlungsspektrum der präventiv orientierten Zahnarztpraxis sowohl für das Milch- als auch das bleibende Gebiss etabliert. Auch wenn die grundsätzlichen Indikationen nach wie vor die Infiltration approximaler kariöser Läsionen mit einer röntgenologischen Ausdehnung bis maximal in das 1. Dentindrittel sowie die Infiltration ästhetisch relevanter kariöser Läsionen darstellen, konnte das Therapiespektrum auf beispielsweise die Maskierung von Fluorose erweitert werden. Dieser Übersichtsartikel soll aufbauend auf das im Thieme Verlag erschienene Lehrbuch „Karies“ und den daraus entnommenen Beitrag für die Reihe Zahnmedizin up2date den Stand der Technik aktualisieren.

Möglichst minimal-intervenierend zu therapieren, ist das Ziel der modernen Zahnheilkunde. Hierzu sollten die Histologie sowie die Pathogenese der Karies und auch anderer Mineralisationsdefekte (z. B. Fluorose, Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation) beachtet werden und ein aktuelles Verständnis über die Faktoren, die den Kariesprozess beeinflussen, bestehen. Darüber hinaus bedarf es eines praxistauglichen Weges, relevante Erkrankungsstadien zu erkennen und zu dokumentieren, sowie einer zeitsparenden Erfassung des individuellen Kariesrisikos. Auf den hierauf basierenden Diagnosen können dem Patienten relevante Therapievorschläge unterbreitet werden, der partizipativ in die Therapieplanung einbezogen werden sollte.
Dass das grundsätzliche Verständnis über Karies wie auch deren Diagnostik und Therapie unterschiedlich interpretiert wird, verdeutlicht der stark variierende Zeitpunkt eines invasiven Therapieentscheids bei approximaler Karies in verschiedenen Ländern. Während in Frankreich ca. 90% aller Zahnärzte kariöse Läsionen, die radiografisch ausschließlich im Schmelz sichtbar sind, invasiv therapieren, sind dies in den USA 40 – 75% und in Skandinavien unter 15%.
Über Faktoren wie beispielsweise die Erfragung der Ernährungsgewohnheiten oder die extraorale Anzüchtbarkeit von Bakterien kann zumeist keine Information über die individuelle Progressionstendenz einer kariösen Läsion gewonnen werden. Neben der starken Reduktion des Speichels stellt allenfalls die vergangene Karieserfahrung einen einigermaßen zuverlässigen Prädiktor für neu auftretende kariöse Läsionen oder auch deren Voranschreiten dar. Deshalb bedarf es für einen möglichst minimal-intervenierenden Therapieentscheid idealerweise der Beobachtung der individuellen kariösen Läsion über einen vertretbaren Zeitraum. Gleichwohl setzt dies voraus, dass

  • der Zahnarzt und in der Folge der Patient davon überzeugt sind, dass Karies einen langsam ablaufenden Prozess darstellt, der zumindest im unkavitierten Stadium angehalten werden kann,
  • der Patient zu entsprechenden regelmäßigen Kontrollen kommt,
  • Karies auch in frühen Stadien entdeckt und dokumentiert wird,
  • bei einem Behandlerwechsel zumindest die Röntgenbilder und idealerweise die bisherigen Befunde weiterhin verfügbar bleiben.

Neben den biologischen und diagnostischen Herausforderungen spielt ebenso die Erwartungshaltung des Patienten eine große Rolle, damit ein minimal-intervenierendes Behandlungskonzept als sinnvoll erkannt wird. Oftmals wird eine invasive Kariestherapie immer noch als die „wahre“ und einzige Art der Kariesbehandlung angesehen – ein Zahnarzt, der bohrt, ist ein guter Zahnarzt, da etwas aktiv getan wird. Zudem wird dies auch meist besser honoriert als rein noninvasiv zu behandeln; also quasi nur abzuwarten und zu beobachten. Rein noninvasive und in geringerem Maße mikroinvasive (d. h. Fissurenversiegelung sowie Kariesinfiltration) Maßnahmen basieren zudem auf einer ausreichenden Adhärenz des Patienten, ein zahngesundes Verhalten zu etablieren. Gleichwohl befürchten Zahnärzte und in der Folge auch deren Patienten das rasche, unkontrollierte Voranschreiten einer initial unkavitierten Karies, was bei einer adäquaten häuslichen Mundhygiene und einigermaßen zahngesunden Ernährung allerdings nicht wahrscheinlich ist. Auch das Belassen von Mikroorganismen unterhalb der Versiegelung oder im infiltrierten Bereich, was bei der Füllungstherapie in unterschiedlichem Ausmaß schon immer akzeptiert wird, scheint bei den mikroinvasiven Verfahren oftmals ein Hemmschuh für den Behandler. Die Folge: Es wird lieber vorzeitig gebohrt, ausführlich exkaviert und gefüllt, um „Schlimmeres zu verhindern“. Dies ist zumindest bei niedrigem und mittlerem Kariesrisiko angesichts der Studienlage zur (geringen) Geschwindigkeit der Kariesprogression wie auch zur wissenschaftlich dokumentierten Wirksamkeit der approximalen Kariesinfiltration allerdings bei unkavitierten Läsionen mit maximal mittlerer Ausprägung nicht mehr empfehlenswert.

 

 

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Kariesinfiltration – Update 2017

Aus der Zeitschrift Zahnmedizin up2date 03/2017

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