• Zahnspange

     

Kariesprophylaxe in der kieferorthopädischen Praxis: Entwicklung einer medizinischen Leitlinie

Bei fast 25% der festsitzend behandelten Patienten sind nach Abschluss der Therapie Demineralisationen des Zahnschmelzes erkennbar. Nach der Entbänderung bleiben diese Entkalkungen, die White-Spot-Läsionen (WSL), oft permanent bestehen, was zu ästhetischen Problemen führt und das Risiko erhöht, dass sich der Prozess fortsetzt. Durch Implementierung einer medizinischen Leitlinie lassen sich die Häufigkeit von WSL verringern und die Unterschiede zwischen den angewandten Verfahren zur Prophylaxe der Initialkaries beseitigen.

Die verfügbare Literatur ist sich hinsichtlich der Prophylaxe der WSL jedoch nicht einig, was häufig auf ein mangelhaftes Studiendesign zurückzuführen ist. Die Entwicklung einer klinischen Leitlinie zu dieser Thematik kann daher nur gelingen, wenn Ergebnisse aus wissenschaftlich fundierter Forschung und klinisches Erfahrungswissen in einer so genannten Konsensrichtlinie zusammengeführt werden. Zentrale Aspekte für die Akzeptanz besonders von konsensbasierten Leitlinien in der täglichen Praxis sind Vertrauen in deren Qualität und die Glaubwürdigkeit ihrer Entwickler. Eine der Voraussetzungen dafür ist daher die Verwendung eines methodisch anerkannten Verfahrens zur Konsensfindung unter den Entwicklern.

Ziel der vorliegenden Studie war die Entwicklung von Aussagen zur Kariesprophylaxe während einer kieferorthopädischen Behandlung mit festsitzenden Apparaturen mithilfe eines methodisch sicheren Verfahrens zur Konsensfindung. Diese Aussagen bilden dann die Grundlage für die Formulierung einer medizinischen Leitlinie für Kieferorthopäden und Allgemeinzahnärzte.

Der Konsensbildungsprozess wurde mithilfe eines RAND-e-modifizierten Delphi-Verfahrens durchgeführt. Bei einem Delphi-Verfahren werden Einschätzungen zu einer bestimmten Fragestellung mit Fragebögen gesammelt. Grundlage ist dabei die Prämisse, dass sich Einzelentscheidungen durch gepooltes Wissen, die kollektive Einschätzung einer Expertengruppe, verbessern. Die RAND-e-modifizierte Delphi-Methode ist besonders gut zur Konsensfindung bei Fragestellungen geeignet, für die in der Fachliteratur nicht genügend Nachweise für eine optimale Therapie vorhanden sind. Dazu wird eine Gruppe von Experten zusammengestellt, die einzeln ihre Meinung zur Zweckmäßigkeit von verschiedenen Behandlungsstrategien bei einer Vielzahl unterschiedlicher klinischer Fälle äußern. Die einzelnen Fälle werden charakteristischerweise auf Karteikarten präsentiert.

Um potenzielle evidenzbasierte Strategien zur Kariesprophylaxe zu finden und um die Mitglieder der Expertenkommission auf denselben Wissensstand zu bringen, wurde eine systematische Literaturrecherche durchgeführt und die Ergebnisse nach veröffentlichten Richtlinien auf ihre Evidenz geprüft. Die Einträge zwischen Mitte 2002 und 2008 in den Datenbanken PubMed, Medline und Cochrane wurden systematisch nach relevanten Veröffentlichungen durchsucht. Für die Jahre vor 2002 lag bereits eine systematische Auswertung der Literatur vor. Die Recherche erbrachte insgesamt 6 Studien. Die Literatursuche wurde zu einem späteren Zeitpunkt bis 2014 ausgedehnt, wobei eine Cochrane-Studie gefunden wurde. Diese Auswertung ergab eine mittlere Evidenz dafür, dass die Applikation von Fluoridlack alle 6 Wochen während einer kieferorthopädischen Behandlung kariesprophylaktisch wirkt. Diese Empfehlung wurde in die Leitlinie aufgenommen, da die entsprechende Studie vor 2008 veröffentlicht worden war. Sie wurde den Mitgliedern der Expertengruppe auch zur Lektüre vorgelegt

Die Patientenkarten wurden nach umfangreichen Gesprächen mit Kariologen entworfen. Dabei wurden alle relevanten und allgemein akzeptierten Risikofaktoren für die Entstehung von Karies berücksichtigt. Für jede Kombination aus Mundgesundheit, Hygienestatus und Ernährungsgewohnheiten wurde eine Patientenkarte angelegt.

 

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Kariesprophylaxe in der kieferorthopädischen Praxis: Entwicklung einer medizinischen Leitlinie [*]

Aus der Zeitschrift IOK - Informationen aus Orthodontie & Kieferorthopädie 02/2017

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