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Die Rolle der Ernährung in der Ätiologie parodontaler Erkrankungen

Aus Untersuchungen ist seit Langem bekannt, dass das Ernährungsverhalten den Verlauf chronischer Entzündungen signifikant beeinflussen kann. Daher ist die Rolle der Ernährung bei der Entstehung parodontaler Erkrankungen mittlerweile auch in den Fokus zahnärztlicher Forschung gerückt. Was genau können entzündungsmodulierende Nahrungsbestandteile sowie diätische Aspekte zur Therapie und Prävention parodontaler Erkrankungen beitragen?

Parodontale Erkrankungen sind durch eine überschießende Entzündungsreaktion gekennzeichnet, die eng mit der Präsenz bakterieller Biofilme auf den Zahnoberflächen verbunden ist. Diese enthalten krankheitsspezifische, meist gramnegative, proteolytische Keime. Durch spezifische Virulenzfaktoren und die Einbettung in eine schwer durchdringbare Biofilmmatrix entgehen sie einer Elimination durch die zellulären und humoralen Elemente des mukosalen Immunsystems und tragen so zur Chronifizierung der Entzündung bei. Die hierdurch ausgelöste permanente Einwanderung von Entzündungszellen und Freisetzung großer Mengen proinflammatorisch wirksamer Substanzen wie Zytokine, gewebsauflösender Metallomatrixproteinasen und freier Sauerstoffradikale führt zur progredienten Zerstörung der Strukturen des Parodontiums.

Seit vielen Jahren ist die Tatsache bekannt, dass eine hochkalorische, zucker-, fett- und cholesterinreiche Ernährung die Entstehung von Übergewicht und kardiovaskulären Erkrankungen signifikant beschleunigt. Neuere Erkenntnisse ziehen mittlerweile die zentrale ätiologische Bedeutung des Fettkonsums in Zweifel und betonen stattdessen die krankheitsförderliche Bedeutung der Kohlenhydrate und insbesondere diejenige freier Zucker (z. B. Fruktose), die aktuell vielen industriell hergestellten Lebensmitteln zur Geschmacksoptimierung zugesetzt werden.

Der Konsum von Lebensmitteln mit einem hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren und zugesetzten Zuckern führt zu einer signifikanten Erhöhung der Glukose- und Lipidwerte im Serum. Die nachfolgende Metabolisierung aufgenommener Zucker und Fettsäuren in den Zellmitochondrien bewirkt einen starken Anstieg gewebeschädlicher freier Sauerstoffradikale, die die natürlich vorhandene antioxidative Kapazität der Gewebe häufig überfordert. Freie Sauerstoffradikale, im Englischen auch reactive oxygen species (ROS) genannt, sind in geringer Konzentration wichtige physiologische Signalmoleküle, u. a. zur Steuerung der Genaktivität.

Der beständige Konsum hochkalorischer Zucker und Fette und die daraus resultierende erhöhte Konzentration an Glukose und freien Fettsäuren im Blut begünstigen zudem die Entstehung von Adipositas und Insulinresistenz und sind die Basis für die Manifestation des sog. metabolischen Syndroms, das einen ausgeprägten negativen Einfluss auf die kardiovaskuläre Gesundheit und die Lebenserwartung ausübt.

Auch für den Bereich der parodontalen Erkrankungen zeigten diverse klinische Studien und Metaanalysen einen eindeutigen krankheitsförderlichen Zusammenhang zwischen einem zu Fettleibigkeit und Typ-2-Diabetes führenden Ernährungsverhalten und der Ausprägungsstärke parodontaler Entzündungen.

Während der zu häufige Konsum einer hochkalorischen fett- und zuckerreichen Diät langfristig die parodontale wie auch die systemische Gesundheit schwerwiegend beeinträchtigen kann, offenbarten weitere Erkenntnisse aus der Ernährungsmedizin, dass es auch Nahrungsbestandteile gibt, deren Verzehr einen hemmenden Einfluss auf die Entstehung und Progression chronischer Entzündungen ausübt. Zu den wichtigsten bekannten entzündungsprotektiven Diätbestandteilen zählen:

  • Antioxidanzien
  • Omega-3-Fettsäuren
  • nitratreiches Gemüse

Viele Obst- und Gemüsesorten enthalten in hoher Konzentration sog. Antioxidantien, die freie Sauerstoffradikale binden und damit die zuvor beschriebene destruktive Oxidation von Körpergewebe infolge oxidativen Stresses verhindern können. Zu den Antioxidantien gehören u. a.:

  • Vitamine C und E
  • Carotinoide
  • Polyphenole
  • Phytoöstrogene
  • Sulfide
  • Spurenelemente Zink und Selen

 

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Aus der Zeitschrift Zahnmedizin up2date 04/2017

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