• Fissuren- und Grübchenversiegelung

    Zahn 16 mit einer nicht kavitierten kariösen Läsion vor (a) und nach (b) der Applikation einer Fissuren- und Grübchenversiegelung.

     

Standards der Fissuren- und Grübchenversiegelung

Die Versiegelung von Fissuren und Grübchen wird seit etwa 5 Dekaden zur Prävention und Kontrolle kariöser Läsionen von Milch- und bleibenden Zähnen genutzt. Trotz ihrer kariespräventiven Wirksamkeit wird sie noch immer zu wenig zur Vorbeugung einer Kariesinitiation und -progression der Fissuren- und Grübchenkaries in der täglichen Praxis genutzt.

In der Bundesrepublik Deutschland ist die Fissuren- und Grübchenversiegelung (F-G-V) der bleibenden Molaren seit 1993 eine abrechenbare kassenärztliche Leistung (IP5) für gesetzlich versicherte Patienten im Alter von 5 bis 18 Jahren. Wie epidemiologische Studien der letzten 20 Jahre zeigen, waren durchschnittlich 2 bis 3 Molaren pro Kind versiegelt, wobei ein Großteil der F-G-V nur partiell intakt waren. Weiterhin haben Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Gruppen, mit einem Migrationshintergrund und mit Behinderungen wesentlich seltener und weniger F-G-V.

Seit 2005 steht der Zahnärzteschaft in Deutschland die S3-Leitlinie „Fissuren- und Grübchenversiegelung“ zur Verfügung, die nunmehr in der 2. aktualisierten Form vorliegt.

Fissuren- und Grübchenkaries

Ursachen der erhöhten Kariesanfälligkeit von Fissuren und Grübchen der bleibenden Molaren sind das zerklüftete Fissuren- und Grübchenrelief sowie die geringe Schmelzdicke am Fissurenfundus. Der Zahndurchbruch erstreckt sich über einen längeren Zeitraum, der in der Regel mit einer ungenügenden Reinigung der Okklusalflächen durch die kindlichen Patienten verbunden ist. Darüber hinaus kann der Biofilm aus dem Fissurenrelief mit der Zahnbürste nur begrenzt entfernt werden. Aufgrund dieser Risikofaktoren treten häufig initial kariöse Läsionen unmittelbar nach dem Durchbruch der Molaren auf. Neben den anatomischen und biologischen Besonderheiten spielt auch das Gesundheitsverhalten des Patienten wie die frequente Aufnahme zuckerhaltiger Nahrungsmittel und/oder Getränke, die Häufigkeit und Qualität der täglichen Mundhygiene und die Fluoridbilanz eine wesentliche Rolle bei der Initiation des kariösen Prozesses.

Fissuren- und Grübchenversiegelung

Der präventive Verschluss der kariesanfälligen Fissuren und Grübchen zur Vorbeugung einer Kariesinitiation und/oder der Arretierung kariöser Frühstadien mit einem dünnfließenden Versieglermaterial wird als F-G-V definiert. Es ist eine zahnflächenspezifische Präventionsmaßnahme, die präventive Effekte an anderen Zahnflächen ausschließt. Neben der F-G-V sollten eine zahngesunde Ernährung und adäquate häusliche Mundhygienemaßnahmen sowie eine indikationsgerechte häusliche und professionelle Fluoridapplikation Bestandteile einer umfassenden präventiven Betreuung sein.

Zielgruppe für die F-G-V sind vorrangig Kinder und Jugendliche, da sie von dieser Präventionsmaßnahme unmittelbar nach dem Durchbruch der bleibenden Molaren am meisten profitieren. Die Empfehlung gilt für Kinder und Jugendliche mit und ohne Komorbiditäten.

Diagnostik vor der Fissuren- und Grübchenversiegelung

Vor der F-G-V ist grundsätzlich eine sorgfältige kariesdiagnostische Untersuchung indiziert. Dabei wurde als Schlüsselempfehlung formuliert, dass der visuellen Diagnostik an der gereinigten und getrockneten Okklusalfläche der Vorzug eingeräumt werden soll und beim Vorliegen nicht kavitierter kariöser Läsionen ergänzende diagnostische Verfahren, wie die Bissflügelröntgenaufnahme oder lichtoptische Untersuchung (z. B. DIAGNOdent) zur Detektion versteckter Dentinläsionen (Kontraindikation für F-G-V) indiziert sind.

Nach der kariesdiagnostischen Untersuchung wäre aus praktischer Sicht eine der folgenden Diagnosen zu stellen:

  • gesunde, kariesfreie Fissur bzw. Grübchen
  • Fissur bzw. Grübchen mit einer nicht kavitierten kariösen Läsion (Synonyme: Initialkaries, präkavitierte Schmelzkaries, beginnende oder frühe Karies, Hidden oder versteckte Karies, Kariesvorstufe)
  • Kavitation bzw. Dentinkaries im Bereich der Fissuren bzw. Grübchen

Ergänzend zur Kariesdiagnostik werden die Einschätzung des allgemeinen Kariesrisikos bzw. der Kariesaktivität kariöser Läsionen sowie der prioritäre Einsatz der F-G-V bei Kindern und Jugendlichen mit einem erhöhten Kariesrisiko und bestehender Kariesaktivität als Schlüsselempfehlung gegeben.

Merke

Die klinische Diagnostik eines erhöhten Kariesrisikos erfolgt durch die Detektion und Diagnostik kariöser Läsionen.

Kariesrisiko

Ein guter Prädiktor für eine zukünftige kariöse Entwicklung sind neben dem aktuellen Kariesbefall klinisch einfach zu erfassende nicht kavitierte kariöse Läsionen. Aus klinischer Sicht werden die ersten 5 Jahre nach dem Zahndurchbruch als Zeitraum eines erhöhten Kariesrisikos des jeweiligen Zahnes angesehen.

Kariesaktivität

Kennzeichen der Aktivität kariöser Läsionen ist das Vorhandensein von Plaque (Biofilm) auf ihrer Oberfläche, ein weißlich rauer Zahnschmelz sowie die Präsenz von erweichtem Dentin bei kavitierten Läsionen. Die Kariesaktivität wird maßgeblich durch das allgemeine Kariesrisiko und Alter des Patienten beeinflusst.

Lesen Sie den gesamten Beitrag hier: Standards der Fissuren- und Grübchenversiegelung

Aus der Zeitschrift: ZWR 10/2018

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