• ©Lothar Bertrams

     

Therapie von kraniomandibulären Dysfunktionen

Kraniomandibuläre Dysfunktionen sind nach chronischen Rückenschmerzen die zweithäufigste Erkrankung des muskuloskelettalen Systems. Die Betroffenen leiden unter substanziellen Einschränkungen der Lebensqualität, angefangen bei reinem Kiefergelenkknacken bis hin zu starken Schmerzen. Die Therapie sollte jedoch nicht nur die Folgen im Blick haben, sondern auch die Ursachen beseitigen – was allerdings bei kraniomandibulären Dysfunktionen schwierig ist, da die Ursachen vielfältig und oft nur schwer zu diagnostizieren sind.

Definition und Bedeutung

Die kraniomandibuläre Dysfunktion (CMD) ist ein Sammelbegriff für eine heterogene Gruppe von Erkrankungen der Kiefergelenke, der Kaumuskulatur und der umgebenden Strukturen. Die Kardinalsymptome von CMD sind:

  • Schmerzen
  • Kiefergelenkgeräusche
  • Funktionseinschränkungen

Die Häufigkeit (Prävalenz) von CMD-Schmerzen in der Allgemeinbevölkerung liegt bei etwa 10 % und die jährliche Neuerkrankungsrate (Inzidenz) bei 3 %. Die Patienten sind bis zu 80 % weiblich.

Ursachen und Risikofaktoren

Häufig werden Ursachen und Risikofaktoren einer Erkrankung mit Faktoren gleichgesetzt, die Teil der Behandlung sind und die Prognose einer Erkrankung bestimmen. Dies kann zu Verwirrung führen und erklärt die zum Teil großen Unterschiede in bestehenden Behandlungskonzepten. Risikofaktoren beziehen sich konkret auf die Ätiologie einer Erkrankung und sind daher primär für präventive Strategien relevant. Die Ätiologie von CMD ist multifaktoriell.

Die einzelnen Faktoren sind im Sinne eines dynamischen Modells unterschiedlich stark an der Prädisposition, der Auslösung und dem Erhalt der CMD beteiligt. Während früher den anatomischen Faktoren – Okklusion und Anatomie der Kiefergelenke – eine sehr große Bedeutung beigemessen wurde, ist diese Annahme in den letzten Jahrzehnten zunehmend zurückgedrängt geworden. Aktuelle biopsychosoziale Modelle von CMD gehen eher von einem dominanten psychosozialen Faktor aus. Diese Veränderung von einer mechanistischen Denkweise hin zu einem personalisierten Ansatz sollte sich auch in der Behandlung von CMD niederschlagen.

Definition Prävention

  • Primärprävention setzt beim primär Gesunden an und soll die Entstehung von Krankheiten verhindern.
  • Sekundärprävention kommt im Sinne der Früherkennung beim Erkrankten zum Einsatz, um frühzeitig Fortschreiten und Progredienz einer Erkrankung zu vermeiden.
  • Tertiärprävention soll beim fortgeschrittenen (chronisch) Erkrankten Komplikationen verhindern und beim Genesenen eine erneute Erkrankung abwenden.

Aufgrund der multifaktoriellen Natur der Ätiologie von CMD ist bisher keine Primärprävention möglich. Ein Wissen um die Risikofaktoren ist aber dennoch für eine Tertiärprävention wichtig, um die Schwere und Dauer von bereits manifestierter CMD zu reduzieren bzw. nach erfolgreicher Behandlung ein erneutes Auftreten von CMD zu verhindern.

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Therapie von kraniomandibulären Dysfunktionen

Aus der Zeitschrift Zahnmedizin up2date 02/2017

Jetzt zum Einstiegspreis abonnieren! Zahnmedizin up2date: 6 x im Jahr Fort- und Weiterbildung

Thieme Newsletter

Quelle

Zahnmedizin up2date
Zahnmedizin up2date

EUR [D] 164,00Zur ProduktseiteInkl. gesetzl. MwSt.

Buchtipps

Kieferorthopädie - Therapie Band 1
Andrea Wichelhaus, Tena Eichenberg, Anja GünterKieferorthopädie - Therapie Band 1

Grundlegende Behandlungskonzepte

EUR [D] 307,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.

Memorix Zahnmedizin
Thomas WeberMemorix Zahnmedizin

EUR [D] 91,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.

Kieferorthopädische Retention
Dankmar Ihlow, Ingrid RudzkiKieferorthopädische Retention

Kriterien, Regeln und Maßnahmen der Rezidivprophylaxe

EUR [D] 257,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.