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  • 04.05.2015

Wenn Menschen Farben hören

Gehirnareale von Synästhetikern stärker verlinkt

 

Buchstaben - Foto: Paulista - Fotolia.com

Foto: Paulista - Fotolia.com

 

Welche Farbe hat der Freitag? Kann ein Hühnchen kugelförmig schmecken? Wie fühlt sich orange an? Diese Fragen klingen im ersten Moment völlig verrückt, aber es gibt tatsächlich Menschen, die sie beantworten können. Synästhetiker können Buchstaben fühlen, Worte schmecken oder Töne in bunten Farben sehen.

Diese Fähigkeit ist jedoch keine krankhafte Störung, ganz im Gegenteil: Die neuronale Vernetzung im Gehirn aktiviert mehrere Sinne gleichzeitig – und ist ein Glücksfall für die Wissenschaft. Denn das Phänomen könnte Forschern helfen, grundlegende Prozesse im Gehirn besser zu verstehen.


Viele Synästhetiker scheinen nicht nur echte Gedächtnis-Genies und außergewöhnlich kreativ zu sein, ihre Fähigkeit hilft ihnen vermutlich auch dabei, bestimmte Sinnesreize schneller zu verarbeiten. Dr. Stephanie Goodhew und ihre Kollegen verglichen die Reaktionszeiten von 22 Synästhetikern mit denen von 26 Kontrollpersonen bei 2 semantischen Priming-Tests: Bei der lexikalischen Entscheidungsaufgabe wurde den Probanden zunächst ein Wort (Prime) für kurze Zeit dargeboten und sofort wieder ausgeblendet, gefolgt von einem weiteren Wort (Target), dass entweder sinnvoll war oder aus einer sinnlosen Buchstabenreihe bestand. Der zweite Test, eine Kategorisierungsaufgabe mit Hilfe von Wortpaaren, diente dazu, die kognitive Assoziation zweier Dimensionen zu messen. War das Prime-Wort mit dem Target-Wort semantisch verwandt, z. B. Arzt (Prime) und Krankenschwester (Target), war die Reaktionszeit der Synästhetiker signifikant geringer.


Aber was hat das nun eigentlich zu bedeuten? Bei Synästhetikern sei die mentale Assoziation zwischen verwandten Begriffen sehr viel stärker, so Goodhew. Verschiedene Gehirnareale seien stärker verlinkt, besonders der Bereich, den wir als Sprachzentrum ansehen und das Areal, das Farben verarbeitet. Diese Verbindung scheint zu einem Trigger-Effekt zu führen, bei dem ein Stimulus in einem Teil des Gehirns eine Aktivität in einem anderen Bereich hervorruft. Dieser Effekt war unabhängig davon, wie die kombinierte Sinneserfahrung der Synästhetiker aussah.

Quellen:
Goodhew SC, Freire MR, Edwards M. Enhanced semantic priming in synesthetes independent of sensory binding. Consciousness and Cognition 2015; 33: 443–456
Consciousness and Cognition 2015; doi: 10.1016/j.concog.2015.02.019

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