• Interview
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  • Dr. Wiebke Rösler
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  • 19.04.2010

Dr. med. Philipp Rösler im Interview mit Via medici

Dr. med. Philipp Rösler (37) ist im Oktober 2009 mit viel Elan in seinen neuen „Job“ gestartet. Wie sieht er die Probleme heutiger Medizinstudenten? Was treibt ihn an? Hier finden Sie einen Auszug aus dem Interview, das übrigens seine Ehefrau Dr. Wiebke Rösler geführt hat.

Via medici: Dr. Rösler, wie fühlt man sich als Chefarzt von 80 Millionen Deutschen?

Dr. med. Philipp Rösler: Interessante Frage. Ich muss Ihnen aber sagen: Ich verstehe mich nicht als Chefarzt der Nation. Von der Ausbildung her bin ich zwar Arzt, nun bin ich aber Politiker und dafür verantwortlich, dassin Deutschland die Voraussetzungen für ein robustes Gesundheitssystem geschaffen werden und die medizinische Versorgung von 80 Millionen Menschen auf dem hohen Niveau gesichert bleibt.

 

Viele junge Mediziner streben ins Ausland oder in nichtkurativeBereiche. Auch Sie sind nicht Arzt geblieben. Warum?

Dr. Rösler: Ich halte den Arztberuf nach wie vor für erstrebenswert und wäre nicht traurig gewesen, wenn ich in diesem Beruf geblieben wäre.Aber wie es im Leben so ist: Ich hatte auch schon immer ein politisches Standbein, und das ist mit der Zeit immer stärker geworden.

 

Die Unzufriedenheit junger Mediziner beginnt nicht erst mit dem Eintritt in die Klinik. PJ-Studenten bemängeln unter anderem die fehlende Vergütung und dass die klinische Ausbildung imP raktischen Jahr auf der Strecke bleibt. Was hat Sie damals gestört? Wollen und können Sie jetzt daran etwas ändern?

Dr. Rösler: Mir hat die Arbeit im PJ überwiegend Spaß gemacht. Grundsätzlichist das PJ Teil des Studiums, und es besteht kein Anspruch auf Vergütung. Dennoch ist der Träger der Klinik, in der das PJ durchgeführt wird, frei, eine Vergütung zu zahlen.

Aber gerade Ihre Bemerkung,dass „die klinische Ausbildung auf der Strecke bleibe“, deutet die Richtung an, in die es im PJ gehen sollte. Eine gute Ausbildung im PJ sollte das primäre Ziel sein! Diese zeichnet sich dadurch aus, dass dieim Studium vermittelten theoretischen Inhalte veranschaulicht werden und der Student erlebt, was es bedeutet, Ärztin oder Arzt zusein. Das setzt natürlich ein hohes Engagement und eine gute Qualifikation der Lehrenden in der ärztlichen Ausbildung voraus.

 

Einer Via medici-Umfrage zufolge schätzen 36% der Studiumsabsolventen ihren Lernerfolg durch das PJ als gering oder sehr gering ein. Was müsste sich ändern, damit das Praktische Jahr wieder als „Highlight“ und weniger als abschließender Tiefpunkt des Studiums angesehen wird?

Dr. Rösler: Diese Frage steht im Zusammenhang mit der vorherigen. Ich finde, die praktische Ausbildung ist ein wichtiger Bestandteil des Medizinstudiums. Sie zeigt einem unmittelbar, was an Aufgaben als Arzt auf einen zukommen. Um die Möglichkeiten, die eine solche Praxiserfahrung bietet, nutzen zu können, ist es natürlich erforderlich, sie auch als wertvollen Bestandteil der Ausbildung zu erfahren. Damit das gelingt, sind die medizinischen Fakultäten und die Universitätskliniken aufgefordert, das PJ entsprechend attraktiv zu gestalten.

 

Sehen Sie Chancen, dass die „Reform“ die zum sogenannten Hammer-Examen geführt hat, wieder rückgängig gemacht wird?

Dr. Rösler: Die Novellierung der ärztlichen Approbationsordnung war ein Prozess, der sich nicht zuletzt deshalb über so viele Jahre hingezogen hat, weil viele unterschiedliche Interessengruppen aufeinandertreffen. Da waren zum Beispiel die Studenten, die medizinischen Fakultäten, die Hochschulen und die Länder mit den Interessen sowohl der Gesundheits- als auch der Kultusseite. Nicht zu vergessen sind dann die einzelnen medizinischen Fachgebiete, die sich in der Approbationsordnung wiederfinden wollen.

Die damalige Überlegung, möglichst viele Prüfungen in die Eigenverantwortung der Hochschule zu legen und dann eine staatliche Abschlussprüfung zu machen, halte ich grundsätzlich für den richtigen Weg. Dabei soll die staatliche Prüfung am Ende des Studiums die Fähigkeit des Studenten bestätigen, ärztlich tätig werden zu können.

Wenn ich diese Aspekte zusammennehme, halte ich es nicht für sinnvoll, jetzt an einzelnen Punkten der Approbationsordnung etwas zu ändern. Die Ausbildung zusammen mit dem Examen beruht auf einem Gesamtkonzept.

Ich glaube, wir sollten der Reform ausreichend Zeit geben, sehen, was sich bewährt und was vielleicht nicht, und dann überprüfen, welche Änderungen erforderlich sind. Ich möchte diesen Weg auch deshalb gehen, weil es nicht immer die rechtlichen Regelungen sind, die zu Problemen führen, sondern auch manchmal das, was daraus gemacht wird.

In Bezug auf das „Hammerexamen“ muss überprüft werden, ob es die Erwartungen erfüllt hat oder Änderungen erforderlich sind.


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