• Bericht
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  • Johanna Reiser
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  • 23.10.2012

Die neue Approbationsordnung

Heilberufe wie der des Arztes unterliegen in Deutschland der Approbationsordnung (AO). Sie gibt vor, wie lange ein Medizinstudium dauert, wie es abläuft und welche Pflichtinhalte es haben muss. Gerade soll die bestehende AO mal wieder geändert werden. Doch dabei gibt es Diskrepanzen zwischen verschiedenen Interessengruppen.

Die Approbationsordnung

Fast zehn Jahre ist die letzte Reform der Berufsausbildungsordnung für Ärzte her. Viel Zeit in einem Gebiet, dass ständig neuen Ansprüchen und Anforderungen gerecht werden soll. Zwar wurden immer wieder kleine Änderungen vorgenommen, wie etwa die Hinzunahme der Palliativmedizin als eignes Fach, der steigenden Arbeitsbelastung und den sich wandelnden Studienbedingungen wurde bisher jedoch kaum Rechnung getragen.

 

Neuerungen der Approbationsordnung

Die neue Verordnung des Bundesministeriums für Gesundheit enthält neben kleineren Optimierungen drei wesentliche Änderungen, die vor allem das Ende des klinischen Studienabschnitts betreffen.

1. Der zweite Abschnitt der ärztlichen Prüfung, das "Hammerexamen", folgte bisher direkt dem Praktischen Jahr (PJ). Nun soll es in zwei Abschnitte unterteilt werden. Um die PJler zu entlasten ist geplant, dass der schriftliche Teil direkt nach dem zehnten Semester stattfindet. Nur der mündliche Teil der Prüfung wäre dann noch nach dem zeitaufwändigen PJ zu absolvieren.

2. Mehr Krankenhäuser als bisher sollen Plätze für die Medizinstudenten im PJ anbieten dürfen. Aktuell sind dazu nur die Universitätskliniken und die ihnen angegliederten Lehrkrankenhäuser berechtigt.
Einerseits soll damit die innerdeutsche Mobilität von Pjlern erhöht werden, denn bei vorhandenen Kapazitäten dürften diese auch auf Plätze außerhalb ihrer eigenen Universität zugreifen. Andererseits hoffen vor allem Regionen ohne eigene Ausbildungskrankenhäuser durch die Pjler zukünftige Ärzte für sich gewinnen zu können.
Bisher ist es Medizinstudenten zwar möglich, Teile des PJs im Ausland abzuleisten, nicht jedoch in anderen Bundesländern.

3. Das PJ soll künftig auch in Teilzeit absolviert werden können. Dies soll vor allem Studierenden mit eigenen Kindern unterstützen. Auch soll die bisher auf 20 Tage limitierte Fehlzeit auf 30 erhöht werden.

 

Diskussionen zur Änderung der AO

Für Diskrepanzen sorgt vor allem Punkt 2, der mehr Mobilität im PJ vorsieht. Denn es stellt sich die Frage, wie die neuen Lehrkrankenhäuser ausgewählt und evaluiert oder Ausbildungsziele verbindlich formuliert werden sollen. Für letzteres wird ein Logbuch diskutiert.

Vor allem die medizinischen Fakultäten sprechen sich gegen diese geplante Erweiterung des Kreises der lehrberechtigten Krankenhäuser aus. Von Seiten des Medizinischen Fakultätentags (MFT) wird auf die Menge an neuen Lehrverträgen hingewiesen, die nötig wären, wenn es den Studenten möglich wird, prinzipiell deutschlandweit das PJ oder Teile davon zu absolvieren. 38 Fakultäten müssten sich mit über 600 Krankenhäusern absprechen. Auch die Wissenschaftsminister der Länder äußerten sich besorgt im Bezug auf die Qualitätssicherung. Insgesamt entsteht der Eindruck, dass es viel mehr um den Schutz eigener Einflüsse seitens der Universitäten und Länder geht, als um tatsächlich inhaltliche Bedenken.

Diskussionen um weitere Optimierungen der AO

Bezüglich weiterer Optimierungen stößt vor allem eine Idee der Landesgesundheitsministerien auf Gegenwind. Diese möchten, statt des bisherigen Wahltertials im PJ, ein allgemeinmedizinisches Pflichttertial einführen. So sollen mehr junge Mediziner für die Allgemeinmedizin begeistert werden.

Nicht nur die Verbände anderer Facharztrichtungen und verschiedene Studierendenorganisationen sprechen sich gegen diesen Vorschlag aus, auch die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) und der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) rümpfen die Nase.
Ein weiterer Vorschlag sieht eine Verlängerung des Blockpraktikums beim Hausarzt von bisher einer auf zwei Wochen vor.

Abstimmung über die neue AO

Geplant war, dass der Bundesrat am 10. Februar 2012 über die auch von der Bundesärtzekammer unterstützten Veränderungen abstimmt. Mit dem Verweis auf weiteren Nachbesserungsbedarf der AO ist der Termin jedoch auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Es gäbe zahlreiche Optimierungswünsche, so der Kulturausschuss des Bundesrates.

Bedauerlicherweise ist eine weitere Verzögerung der Reform jedoch eine Rechnung zulasten der Studenten im klinischen Abschnitt. Denn abgesehen von den planungstechnischen Unsicherheiten, schiebt sich auch die Umsetzung der Verbesserungen immer weiter nach hinten. Schon jetzt werden frühestens 2013 die ersten Medizinstudenten ein "entzerrtes" Hammerexamen absolvieren können. Es bleibt abzuwarten, ob mittels steigenden Drucks durch studentische und ärztliche Vertretungen eine zeitnahe Einigung erzwungen werden kann.

 


Update: Die neue Approbationsordnung ist am 24.07.2012 in Kraft getreten.

Zum 1. Oktober 2013 hat das Blockpraktikum in der Allgemeinmedizin also eine Dauer von mindestens zwei Wochen. Ab dem 1. April 2013 kann das PJ in einem Universitäts- oder Lehrkrankenhaus nach Wahl, unabhängig vom Studienort durchgeführt werden und es soll sowohl ein Logbuch als auch regelmäßige Evaluationen des Praktischen Jahres geben, um die Qualität und den Überblick über das PJ zu verbessern. Für Studenten, die ab dem Frühjahr 2014 mit dem PJ beginnen, wird das Hammerexamen in mehrere Prüfungen aufgeteilt werden (siehe oben).

 

Noch mehr Infos gibt's im Bundesgesetzblatt

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