• Bericht
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  • Tina W.
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  • 06.11.2013

Kurioses aus der Notaufnahme

Die Notaufnahme – dank Fernsehserien wie Emergency Room erwarten junge Ärzte hier pure Action! Doch im wahren Leben stehen Assistenzärzte hier vor ganz anderen Herausforderungen. Assistenzärztin Tina erklärt die Hürden einer interdisziplinären Notaufnahme in vier Highlights.

 

Notfall - Foto: creativ collection

Foto: creativ collection

Glaube nie einer Einweisung!

Neulich hatten wir einen Patienten, der mit der Einweisung „tiefe Beinvenenthrombose“ aufschlug. Davon haben wir täglich ein halbes Dutzend. Das Procedere ist eigentlich klar: kurze Anamnese und körperliche Untersuchung, dann Sonographie in der Radiologie und zügig nach Hause. In diesem Fall brachte der Patient jedoch auch noch einen Krankenhauskeim mit, so dass er ins Isolationszimmer gelegt wurde. Es war viel los und das Wartezimmer wurde immer voller. Irgendjemand schrieb dann Hb 6,6 in die Aufnahmeunterlagen. Eine Information an die ärztlichen Kollegen unterblieb. Der gute Mann verbracht somit mehrere Stunden auf seiner Trage, bis sich endlich jemand seiner annahm. Neben dem Hb zeigte der Patient multiple Blutergüsse am ganzen Körper, eine verdrehte Hüfte, die bei geringster Bewegung schmerzte, ein geblähtes Abdomen mit Stuhlverhalt seit 10 Tagen, ein CRP von 28 und Rasselgeräusche basal. Der Patient verstand nicht warum er im Krankenhaus war und die Chirurgen fühlten sich natürlich auch nicht zuständig, obwohl der Patient gerade erst bei ihnen entlassen worden war. Das nennen wir doch gerne ein internistisches Polytrauma!

 

Cave Ehepartner!

Immer wieder kommt es bei Ehepaaren in der Notaufnahme vor, dass plötzlich auch der Partner auf einer Trage zum Liegen kommt. Der verrückteste Fall trug sich an einem Freitagabend zu. Ein Rentnerpaar machte in unserer Gegend Urlaub, als der Ehemann von einem Hund angefallen wurde. Blutüberströmt mit abgebissenem Finger wurde er in die Klinik gebracht. Kurze Zeit später musste der Rettungsdienst erneut ausrücken. Die Ehefrau klagte beim Aufwischen der Blutlachen plötzlich über thorakale Beschwerden. Die Wunden am Finger wurden versorgt und dann nahm sich ein Kollege der Ehefrau an. Auf dem Weg ins Zimmer noch ein kurzer Blick aufs Labor: Troponin positiv. Schnell wurde der Verdacht auf einen NSTEMI gestellt und die Patientin auf die Intensivstation begleitet.

 

Traue nie den Psychiatern!

Ein allgegenwärtiges Problem ist der Umgang mit Alkoholabhängigen oder anderweitig psychiatrisch erkrankten Patienten. Sobald der psychisch auffällige Patient nur einen pathologischen Laborwert zeigt, wird er internistisch, so dass wir immer sehr hellhörig werden, wenn psychiatrische Patienten über die Leitstelle angekündigt werden. Neulich wurde dann ein Patient mittels Psych-KG in die Klinik eingewiesen, da sich sein Allgemeinzustand deutlich verschlechtert hatte, er verwahrlost wirkte und eine Krankenhausaufnahme verweigerte. Doch als der NAW dann vor unserer Tür anhielt, ereilte uns die Nachricht, der Patient wäre auf der Fahrt reanimationspflichtig geworden. Noch auf der Einfahrt mussten wir mit der Herzdruckmassage fortfahren. Trotz Lyse und mehrfacher Defibrillation war kein Kreislauf mehr herstellbar. Der Patient verstarb noch im Schockraum.

 

Anamnese, Anamnese, Anamnese!

Mal wieder war es mitten in der Nacht. Diesmal lautete die Anmeldung „akutes Auge ohne Trauma“. Der Patient wurde von seiner Partnerin hereingeführt, trug Sonnenbrille (2 Uhr nachts!) und hielt sich die Hand vor Augen. Schnell ging ich noch einmal im Kopf durch, was ihm alles fehlen könnte. Mir kam etwa Konjunktivitis epidemica oder Glaukomanfall in den Sinn. Aber Pustekuchen. Bei der Anamnese behauptete der Patient, er hätte in der Vorwoche eine Spritze in die Schulter bekommen und die wäre ihm ins Augen gestiegen. Das schien mir doch sehr abwegig, so dass ich nochmal genauer nachfragte. Seit wann genau die Beschwerden schlimmer geworden wären, was er zuvor gemacht habe und was er von Beruf sei. Und siehe da, plötzlich druckste der Patient herum. Er habe am Wochenende gearbeitet. Und was habe er gearbeitet? Er habe geflext, ohne Schutzbrille. Ein Blick mit der Visitenlampe genügte, es zeigte sich ein schwarzer Fleck auf der Hornhaut, so dass ich ihn schnurstracks mit Verdacht auf perforierende Hornhautverletzung in die ophthalmologische Notaufnahme verwies.

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