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  • Via medici, H. Marcus
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  • 11.08.2006

Medizinrecht in Frage & Antwort: Auskunft an Patienten durch PJler

Frage: Wie weit kann und darf man als Medizinstudent/ PJler Patienten oder Angehörigen Auskünfte über ihren Zustand erteilen? Ein Beispiel: Eltern eines mit Verdacht auf Leukämie eingewiesenen Jungen fragen: Ist es etwas Ernstes? Darf ich das bestätigen oder muß ich mich mit Floskeln rausreden, mit dem Ergebnis, daß die Eltern sich nicht ernstgenommen fühlen? Alle außer dem Patienten wissen dass er ein metastasiertes Prostata-Ca hat und er sagt zu mir: "Ich habe Krebs, ich werde sterben, stimmt's?" Wie verhalte ich mich in solchen Situationen und wie ist die rechtliche Seite?

Antwort: Grundlage ärztlicher Tätigkeit in Deutschland ist die Approbation; nur wer eine "Approbation als Arzt" besitzt, darf in Deutschland die Heilkunde als Arzt auch ausüben. Und nur mit approbierten Ärzten wiederum können wirksam ärztliche Behandlungsverträge abgeschlossen werden, aus denen die ärztliche Untersuchungs- und Aufklärungspflicht gegenüber dem Patienten erwächst.

Famulanten und PJler (beide im Studentenstatus) befinden sich jedoch erst im Ausbildungsstadium zur Erlangung der Approbation, schauen dem behandelnden Arzt "über die Schulter" und arbeiten ihm maximal zu. In einer konkreten Behandlungssituation mit einem Patienten des ausbildenden Arztes ist ihr Beisein und ggf. ihr Zutun entsprechend ihres jeweiligen Wissensstandes überhaupt nur dann möglich, wenn der Patient gegenüber dem Arzt in das Beisein des als Famulant/PJler vorgestellten jungen Kollegen im konkreten Fall einwilligt. In der Regel geschieht dies durch schweigendes Hinnehmen oder Nicken zu ihrer/seiner Anwesenheit.

Doch wird ein Famulant/ PJler nicht in den Behandlungsvertrag zwischen Patient und Arzt einbezogen. Es ist und bleibt daher Sache des Arztes, den Patienten über die von ihm diagnostizierten Leiden aufzuklären. Ein Student oder PJler darf unabgesprochen gar nicht aufklären. Auch erfasst er unter Umständen die Diagnosestellung nicht oder nicht in vollem Umfang (er befindet sich ja eben gerade noch in der Ausbildung!), sodass die Aufklärung inhaltlich fehlerhaft, nicht weit reichend genug oder in noch nicht ausdiagnostizierten Bereichen zu weit sein kann. Der Famulant oder PJler übernimmt letztlich ja auch nicht die Verantwortung für sein Tun - er ist eben noch in Ausbildung. Ein Student oder PJler darf daher im konkreten Fall nur so weit Auskunft geben, wie ihm dies nach Einwilligung des Patienten in seine Teilnahme an der Untersuchungs-/Behandlungssituation und nur nach Absprache mit dem ausbildenden Arzt inhaltlich erlaubt ist (ob, wie weit und worüber konkret).

Beachten Sie in diesen Situationen nicht nur, dass der Patient möglichst rasch wissen will "woran er ist" und Sie selbst sich unter Umständen in voller Kenntnis der Diagnose und Prognose vielleicht in einer entsprechend drängenden, emotionalisierten Fragestellung durch den Patienten unwohl fühlen. Bedenken Sie immer auch, dass der Sie ausbildende behandelnde Arzt  für die Auskünfte und die Aufklärung gegenüber dem Patienten rechtlich haftet  - und zwar unter Umständen auch für Ihre Fehler im Rahmen seiner Verantwortung für Ihre Ausbildung bei ihm. Es wäre daher verfehlt - in vermeintlich aus Ihrer Sicht vollständiger Kenntnis der Diagnose - dem Drängen des Patienten kurzfristig nachgeben zu wollen, um ihm noch früher Klarheit zu verschaffen. Bedenken Sie: JEDER Patient will so schnell wie möglich wissen: "Und - was habe ich?" Die Antwort hierauf kann und darf jedoch nur ein approbierter Arzt  unter sorgfältiger Abwägung nach Untersuchung und Diagnosestellung erteilen.

Erteilen Sie daher nur Auskünfte gegenüber den Patienten Ihres Ausbilders, wenn Sie dazu seine Erlaubnis haben und die Inhalte der Auskünfte mit ihm ab- bzw. inhaltlich durchgesprochen sind. Andernfalls verweisen Sie den Patienten an ihn und seine Kompetenz. Damit tun Sie dem Patienten, Ihrem Ausbilder und sich selbst einen großen Gefallen.

 

 


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