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  • Via medici, Dr. T. Schlegel
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  • 04.08.2006

Medizinrecht in Frage & Antwort: Behandlung Jugendlicher

Frage: Bis wann muss ein Arzt Eltern eines Jugendlichen zur Untersuchung mit ins Untersuchungs-zimmer nehmen - oder kann er, wenn der/die Jugendliche das wünscht - die Eltern aus dem Zimmer bitten?

Antwort: Grundsätzlich sind Eltern bis zur Volljährigkeit (Vollendung des 18. Lebensjahres) in vollem Umfang erziehungsberichtigt. Das bedeutet, dass sie sich in alle Belange von Jugendlichen, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, "einmischen" können. Insoweit können Eltern als Erziehungsberichtigte sich jederzeit in vollem Umfang über den Gesundheit- bzw. Krankheitszustand ihres Kindes erkundigen.

Insoweit gilt für jeden Arzt, dass er/sie immer die Einwilligung der erziehungsberichtigten Eltern benötigt, wenn Behandlungen an Kindern durchgeführt werden sollen, die nicht volljährig sind. Es ist daher davon auszugehen, dass Eltern, die sich weigern, den Behandlungsraum zu verlassen, mit rechtlichen Mitteln nicht von der Kenntnis oder der Information über die Diagnose bzw. Behandlung ausgeschlossen werden können. Insoweit fehlt es in einer solchen Situation an einer rechtlichen Möglichkeit, die Eltern aus dem Behandlungszimmer hinaus zuschicken.
Zwar könnte theoretisch bei sogenannten "einsichtfähigen" Jugendlichen (das sind in der Regel Jugendliche 14. - 16. Jahren) ein starkes Persönlichkeitsrecht bestehen, aus dem man den Anspruch gegenüber den Eltern ableiten könnte, das Behandlungszimmer zu verlassen, allerdings dürfte eine solche Diskussion in der Praxis sehr mühsam und wenig Erfolg versprechend sein.
Hier scheint es mir auf die Einsichtsfähigkeit der Eltern anzukommen, zwar nicht vom Behandlungsergebnis ausgeschlossen zu sein, aber dennoch das Persönlichkeitsrecht des Kindes zu achten und den Raum vorübergehend zu verlassen.

 

 

Frage: Bis zu welchem Alter müssen Eltern gefragt werden, wenn der Arzt Jugendliche behandelt? Wann beginnt in diesem Fall die Schweigepflicht auch gegenüber den Eltern?

Antwort: Der Arzt unterliegt grundsätzlich jedem Patienten gegenüber der Schweigepflicht. Dies betrifft auch Jugendliche. Die Schweigepflicht des Arztes kollidiert bei einem Jugendlichen, der noch nicht volljährig ist, mit dem Sorge-/Erziehungsrecht der Eltern. Aber: In der Abwägung zwischen diesen beiden Rechtspositionen wird im Zweifel das Auskunftsrecht der Eltern gegenüber dem Arzt und dessen Schweigepflicht schwerer wiegen. Insoweit wird bis zum Zeitpunkt der Volljährigkeit grundsätzlich der Arzt keine Möglichkeit haben, die Auskunft bezüglich der Behandlung bzw. Diagnose seines jugendlichen Patienten gegenüber den Eltern zu verweigern.

 


 

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