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  • Ines Elsenhans
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  • 01.08.2011

Medizinisches Qualitätsmanagement

Qualitätsmanager erfüllen heute mehr denn je wichtige Aufgaben im Gesundheitswesen. Denn qualitätssichernde Maßnahmen sind heute vom Gesetzgeber vorgeschrieben und keinesfalls mehr freiwillige Selbstverpflichtung. Auch müssen sich die einzelnen Leistungserbringer im Gesundheitswesen - Kliniken und niedergelassene Ärzte - stäker miteinander vernetzen, sodass am Ende ein Qualitätsmanagement-System für alle gilt und alle eine gemeinsamen Qualitätssprache verwenden.

 

Mit der GKV-Reform im Jahre 2004 wurden alle Krankenhäuser und niedergelassene Ärzte dazu verpflichtet, Qualitätsmanagement-Systeme einzuführen. Darüber hinaus gibt es für Krankenhäuser jetzt die Berichts- und Veröffentlichungspflicht. Das heißt, die Krankenhäuser mussten erstmals im Jahr 2005 für das zurückliegende Berichtsjahr einen so genannten Qualitätsbericht den Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) zur Verfügung stellen. Auf Basis dieser Berichte können die Krankenkassen bzw. die Kassenärztlichen Vereinigungen Vertragsärzten und Patienten geeignete Krankenhäuser empfehlen. Die Berichte geben nicht nur Auskunft darüber, welche Operationen wie oft durchgeführt werden, sondern auch zu den hausindividuellen Aktivitäten des Qualitätsmanagements (QM) und den verantwortlichen Qualitätsmanagern. Die Qualitätsberichte sind übrigens für jeden einsehbar im Internet veröffentlicht!

Basis des Qualitätsmanagements ist es, kontinuierlich Abläufe und Methoden in der Patientenversorgung zu verbessern. Bereits in den vergangenen Jahren - bevor viele Maßnahmen nun gesetzlich festgeschrieben wurden - wurden die Verfahren des Qualitätsmanagements immer wieder an die aktuelle Situation im Gesundheitswesen angepasst. Nur stichwortartig sollen hier folgende Verfahren erwähnt werden:

  • European Foundation for Quality Management (EFQM)
  • Joint Commission on Accreditation of Healthcare Organisation (JCAHO)
  • ISO EN 9001: 2000
  • Das krankenhausspezifische Verfahren der Kooperation für Transparenz und Qualität im Krankenhaus (KTQ)
  • proCum Cent(pcc)

Im Sozialgesetzbuch V wurde nicht nur verankert, dass jedes Krankenhaus ein Qualitätsmanagementsystem installieren, sondern auch entsprechend ausgebildete Qualitätsmanager einsetzen muss. Manche Krankenhäuser, unter anderem auch in privater Trägerschaft, fördern bereits eine langjährige Kultur des Qualitätsmanagements. Qualitätsmanagementssysteme werden dort insbesondere als Organisationsinstrument genutzt, um Leistungsprozesse zu optimieren.

Die Ausbildung

Das medizinische Qualitätsmanagement bietet neue Perspektiven mit engem Bezug zur Klinik und den typischen Kernprozessen des Gesundheitswesens. Der Arzt oder die Ärztin als Qualitätsmanager ist das Bindeglied zwischen der Tätigkeit vor Ort, den administrativen Bereichen der jeweiligen Einrichtung und ggf. den externen Prüfeinrichtungen.

Der medizinische Qualitätsmanager sorgt dafür, dass ein Qualitätsmanagementssystem implementiert und dieses auch kontinuierlich weiterentwickelt wird. Zudem führt er Qualitätsprüfungen durch und übernimmt die Position des Vermittlers zwischen den Experten aus den verschiedenen medizinischen Bereichen (Kernbereiche) und der verwaltenden Ebenen (Supportivbereich).

Voraussetzung ist das erfolgreich abgeschlossene Medizinstudium, das unbedingt durch ausreichende klinische Erfahrung ergänzt werden sollte. Darüber hinaus fordert der tägliche Einsatz eine hohe Kompetenz in der Kommunikations- und Konfliktfähigkeit, zusätzliche Kenntnisse und Erfahrungen im Krisenmanagement sind äußerst nützlich. Wichtig ist, dass der künftige Qualitätsmanager eine interdisziplinäre, berufs- und fachgruppenübergreifende Perspektive einnimmt.

Auf diesen Fähigkeiten und Kenntnissen aufbauend lässt sich dann die spezielle Zusatzqualifikation im Bereich des medizinischen Qualitätsmanagements erwerben.

Zahlreiche Institute und Institutionen bieten Weiter- und Fortbildungsmöglichkeiten an. Die Anbieter sind sehr heterogen, was sich bis in die Inhalte der Weiterbildungsangebote fortsetzt. Die Landesärztekammer sowie die ihnen angeschlossene Fortbildungsakademien bieten Qualitätsmanagement-Lehrgänge an.
Darüber hinaus gibt es zahlreiche private Anbieter, die beispielsweise an Universitäten angeschlossen sind. Auch Kooperationen zwischen rein privaten Anbietern und dem Arbeitsamt bestehen.

Die Wahl des geeigneten Kurses ist sicher abhängig vom Anwendungsgebiet. Für den stationären Bereich empfiehlt es sich Anbieter auszusuchen, die sich an das blaue Curriculum der Bundesärztekammer zum "Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen" orientieren. Je nachdem, wie die Wochenblöcke gestaffelt sind, dauert die Ausbildung vier Wochen (inklusive der Wochenenden) oder fünf Wochen. Der Lehrgang sollte mit einer Prüfung abschließen, denn damit lässt sich nicht nur die neu erworbene Kompetenz nachweisen, sondern die neuen Kenntnisse werden so auch gefestigt.

Zu den einzelnen Systemen DIN EN ISO, JCHAO, EFQM aber auch KTQ und PCC werden von verschiedensten Gesellschaften spezielle Seminare angeboten. Diese Seminare sollten erst nach der Ausbildung zum Qualitätsmanager im Gesundheitswesen absolviert werden.

Qualitätsmanagementsysteme und Zertifizierungsverfahren

Von Relevanz für die Krankenhäuser und andere Einrichtungen im Gesundheitswesen sind aktuell drei verschiedene Qualitätsmanagementansätze. Das KTQ-Verfahren (Kooperation für Transparenz und Qualität im Gesundheitswesen), PCC (proCum Cert), das EFQM-Modell für Excellence und die DIN EN ISO 9001: 2000. Ausführlicher werden diese Verfahren am Ende des Artikels in der Tabelle erläutert. Anerkanntes weiteres Verfahren ist das Joint Commission Verfahren.
Wenn eine Einrichtung das EFQM-Verfahren durchläuft, kann sie sich um einen nationalen oder europäischen Qualitätspreis bewerben. Die DIN EN ISO und die JCAHO nutzen Auditierung oder Zertifizierung genannte Prüfansätze. Die Zertifizierungen nach KTQ (Kooperation für Transparenz und Qualität im Gesundheitswesen) oder nach PCC (proCum Cert) sind ein speziell auf das Gesundheitswesen ausgerichtetes Verfahren. Die Gültigkeitsdauer der verliehenen Prüfurkunden oder Zertifikate beträgt in der Regel 3 Jahre. Um die Prüfurkunden darüber hinaus führen zu können, muss die Einrichtung rezertifiziert werden oder sich eines Audits unterziehen.

In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass fast alle QMS und die dazugehörigen Prüfverfahren sowohl interne Kontrollen oder Bewertungen beinhalten. Dies fällt in den Aufgabenbereich der Qualitätsmanager und den zugehörigen Projektgruppen. Beispielsweise gibt es bei der DIN EN ISO sowohl interne Audits (interne Qualitätsüberprüfungen) als auch externe Audits durch externe speziell ausgebildeten Auditoren. Bei erfolgreicher Prüfung wird dann das DIN EN ISO Prüfsiegel verliehen. Die Zertifizierungsverfahren KTQ und PCC sind eng assoziiert und prüfen anhand eines eigens für die Krankenhäuser entwickelten Begutachtungsplanes und Fragenkataloges die Qualität der Leistung in Krankenhäusern. Bei beiden Systemen besuchen speziell ausgebildete Visitoren das Krankenhaus und geben nach der Prüfung und Begutachtung ihr Votum bezüglich eines Zertifikates ab.

Im Gegensatz zum KTQ-Zertifizierungsverfahren berücksichtigt das PCC-Verfahren das spezifisch kirchliche Profil, die ethischen Kompetenzen in konfessionellen Krankenhäusern und die Verantwortung der Gesellschaft gegenüber. Die Leistungen der proCum Cert-Zertifizierung richtet sich in erster Linie an Krankenhäuser und soziale Einrichtungen in konfessioneller Trägerschaft. Wohin gegen KTQ zunächst als Zertifizierungsverfahren für Krankenhäuser unabhängig von der Trägerschaft begründet wurde. Durch die stete Weiterentwicklung der KTQ-Verfahrens konnte im Jahr 2004 auch ein Zertifizierungsverfahren für den vertragsärztlichen Bereich (sprich die niedergelassenen Ärzte) entwickelt werden. Aktuell wird geplant, das Zertifizierungsverfahren an den Reha-Bereich und an stationäre Pflegeeinrichtungen anzupassen.

Die Anforderungen an das Qualitätsmanagement im Krankenhaus oder in der Betätigung für Zertifizierungs- oder Auditierungsstellen differieren zum Teil sehr stark. Alle Verfahren fordern jedoch klinische Erfahrung als Arzt, zum Teil in leitenden Funktion und die Ausbildung im Qualitätsmanagement für das Gesundheitswesen.

Ausblick

Da das Qualitätsmanagement in Zeiten der DRG und knapper finanzieller Ausstattung bedeutender geworden ist, ist der Bereich des medizinischen Qualitätsmanagers für Ärzte eine echte Alternative zur kurativen Medizin. Zumal der zunehmende Wettbewerbsdruck im Gesundheitswesen die Leistungsanbieter zwingt, sich neu auszurichten. In erster Linie betrifft dies die Kundenorientierung, wobei als Kunde hier nicht nur und ausschließlich der Patient, sondern auch die zuweisenden Ärzte und die Krankenkassen zu betrachten sind.

Die Anbieter im Gesundheitswesen konkurrieren mittel- bis langfristig über das Preis-Leistungsverhältnis und somit über die Qualität der angebotenen Leistung - zu Gunsten der entsprechend aufgestellten Einrichtungen. Zumal die Kostenträger bereits heute die Leistungsqualität in allen Ebenen nachgewiesen haben möchten und diese Tendenz sich in Zukunft sicher verstärken wird.

Daher bestehen in diesem alternativen Einsatzfeld berufliche Chancen für den medizinischen Nachwuchs. Die Qualitätsmanager können bei adäquater Weiterbildung auch die Felder des Risk Managements erfolgreich besetzen.

Literatur

Begriffe und Konzepte des Qualitätsmanagements.
Informatik, Geometrie und Epidemiologie in Medizin und Biologie 2003;
34 - 1-61

Qualitätsmanagement im Krankenhaus.
Praxishandbuch zur Einführung eines Qualitätsmanagmentsystems zur Einführung;
Schlüterische Verlag

Qualitätsmanagement im Krankenhaus, Qualitätsindikatoren der stationären Versorgung auf der Basis administrativer Daten. Public Health. Ergebnisse und Diskussionsbeiträge zu Gesundheitswissenschaften und zur Gesundheitspolitik,
Band 6
Askat Verlag, St. Augustin 1996

Curriculum Qualitätssicherung/Ärztliches Qualitätsmanagement,
Eigenverlag der Bundesärztekammer,
3. Auflage 2003

Total Quality in HealthCare.
From Theory to Practise,
Jossey-Bass Publishers,
St. Francisco 1993

Das Krankenhaus der Zukunft: Integriertes Qualitätsmanagement zur Verbesserung von Effektivität und Effizienz,
Kohlhammer Verlag,
Stuttgart.

Qualitätsmanagement Modelle und Verfahren im Krankenhaus - Ein Ratgeber aus der Praxis für die Praxis,
Hessische Krankenhausgesellschaft e. V.

  • Zeitschriften zum QM
  • Gesundheitsökonomie & Qualitätsmanagement Thieme Verlag (ff)
  • Management und Qualität, Das Magazin für integrierte Managementsysteme, TÜV-Verlag (ff)

Links

www.deutsche-efqm.de

www.dgq.de

www.ktq.de

www.procum-cert.de

www.medknowledge.de

www.qm-infocenter.de

www.q-m-a.de

 

Ein kurzer Überblick zu den einzelnen Systemen und deren Charakteristika:

 

Verfahren Anforderung Prüfansatz
JCAHO Private unabhängige gemeinnützige Körperschaft Speziell auf das Gesundheitswesen abgestellt 350 Standards mit 1000 Kriterien, Patientenorientrierte Standards, Zugang zur und Kontinuität der Behandlung, Rechte der Patienten und deren Angehörigen, Untersuchung der Patienten, Behandlung der Patienten, Aufklärung und Belehrung der Patienten und deren Familienangehörigen, Organisationsbezogene Standards, Qualitätsmanagement und -verbesserung, Prävention und Überwachung von Infektionen, Aufsichtsorgan, Führung, Direktion Anlagenmanagement und Sicherheit Mitarbeiterqualifikation und Weiterbildung Management der Information Survey im Rahmen der Akkreditierung, Zertifikat 3 Jahre gültig
DIN EN ISO 9001:2000 Prozessmodell (Anpassung an das Gesundheitswesen erforderlich), 8 Grundsätze Kundenorientierung, Führung, Einbeziehung der Personen, Prozessorientierter Ansatz, Systemorientierter Managementansatz, Kontinuierliche Verbesserung, Sachbezogener Entscheidungsfindungsansatz, Lieferantenbeziehung zu gegenseitigem Nutzen
4 Hauptkapitel sind: Verantwortung der Leitung, Management von Ressourcen, Produktrealisierung Messung, Analyse und Verbesserung
Internes und externes Audit, Prüf-Siegel
EFQM Umfassendes Prozessmodell (Anpassung an das Gesundheitswesen erforderlich), drei Säulen: Menschen, Prozesse, Ergebnisse
Befähiger-Kriterien (enablers) und Ergebnis-Kriterien (results) in den Bereichen: Führung, Mitarbeiterorientierung, Politik und Strategie, Ressourcen und Prozesse, Mitarbeiter- und Kundenzufriedenheit, gesellschaftliche Verantwortung, Geschäftsergebnisse
Selbst- und Fremdbewertung, Nationaler und europäischer Qualitätspreis
KTQ Speziell auf das Gesundheitswesen abgestellt 70 Kriterien gliedern sich in folgenden Kategorien: die Patientenorientierung, die Mitarbeiterorientierung, die Sicherheit im Krankenhaus, das Informationswesen, die Krankenhausführung, das Qualitätsmanagement
Den einzelnen Kriterien sind eigene Fragenpakete zugeordnet
Selbst- und Fremdbewertung, Visitation, Zertifikat (Gültigkeitsdauer 3 Jahre)
PCC Speziell auf das Gesundheitswesen abgestellt - erweitert um die besonderen Eigenschaft und Verantwortungsbereiche der konfessionellen Krankenhäuser. Baut auf dem KTQ-Verfahren auf und weist Unterschiede in der Anzahl und dem Inhalt der Kategorien auf. Die KTQ-Kategorien werden um Spiritualität und Verantwortung für die Gesellschaft und die Subkategorie Trägerverantwortung ergänzt. Selbst- und Fremdbewertung Visitation Zertifikat (Gültigkeitsdauer 3 Jahre)

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