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  • Pia Ziegler
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  • 30.03.2015

Goodbye Deutschland, Grüezi Schwiiz - Karrierestart im Alpenland

Klingelnde Kassen und Käsefondue, ein gutgelaunter Chef vor der Nase und die Berge vor der Tür – das klingt ohne Frage paradiesisch. Jedes Jahr pilgern tausende deutsche Ärzte zum Arbeiten in die Schweiz, weil sie dort auf bessere Bedingungen hoffen. Doch hält das Mediziner-Mekka tatsächlich was es verspricht?

 

 

Das Leben in der Schweiz bringt nicht nur finanzielle Vorteile mit sich - auch optisch hat das Land eine Menge zu bieten. Eines von vielen Beispielen ist der wunderschöne Zürichsee.

 

Tag für Tag verliert Deutschland viele gut ausgebildete Ärzte an seinen Nachbarn südlich des Hochrheins. Zur Freude der Schweizer, denn das Schweizer Gesundheitswesen ist auf die Zuwanderer angewiesen, da im eigenen Land zu wenige Ärzte ausgebildet werden. 850 Medizinstudenten schließen in der Schweiz pro Jahr ihr Studium ab.

 

Um eine flächendeckende Versorgung sicherzustellen, bräuchte es laut Angaben der FMH (dt: Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte) aber mindestens 1.200. Diese Lücke wird durch Einwanderer aus dem Ausland geschlossen: Jeder zehnte Arzt stammt aus Deutschland, insgesamt arbeiten aktuell rund 5.600 deutsche Ärzte in der Schweiz.

 

Qualität zum großen Preis

Moritz ist einer von ihnen. Bereits ein PJ-Tertial verbrachte der gebürtige Hesse in der Schweiz. Nach dem Staatsexamen zog es ihn zurück in die Alpenrepublik. „Die Arbeitsbedingungen, die Arbeitskultur und die Zuständigkeiten der Assistenzärzte haben mir gut gefallen.“ Auch die positive Grundstimmung im Team und der professionelle, freundliche Umgang der Vorgesetzten mit ihren Mitarbeitern haben Moritz motiviert, die heimischen Gefilde zu verlassen.

 

Vier Monate im Voraus hat er sich beworben – mit Erfolg. Seit einem knappen Jahr arbeitet er nun auf der Chirurgie im Kantonsspital Winterthur. Eine Wohnung hat sich der 29-jährige in der nahegelegenen Großstadt Zürich gesucht. Seine Bilanz: „Bisher habe ich die Entscheidung in keinster Weise bereut. Die Freizeitmöglichkeiten und die Lebensqualität sind einzigartig.“

 

 

Zürich

 

Ähnlich einzigartig wie die Lebensqualität sind in der Schweiz allerdings auch die Lebenshaltungskosten. Im Jahr 2014 schaffte es Zürich nach Singapur, Paris und Oslo auf Platz 4 in der Rangliste der teuersten Städte der Welt. Vor allem die Wohnungspreise sind extrem hoch. 1.300 CHF zahlt Moritz für sein 16qm großes Zimmer in einer 3er WG.. Trotz der vergleichsweise bis zu 50 Prozent höheren Gehälter, die für Ärzte in der Schweiz herausspringen, ist das happig.

 

„Da fragt man sich schon manchmal, warum man eigentlich Arzt geworden ist, wenn man selbst mit dem Schweizer Gehalt nur kleine Sprünge machen kann“, sagt Moritz kopfschüttelnd. In Deutschland verdient ein junger Assistenzarzt ca. 4.300 Euro brutto (Uniklinikum), das Einstiegsgehalt in der Schweiz liegt bei etwa 7.600 CHF (7.300 Euro). Eine einfache Pizza im Restaurant kann beispielsweise aber schon mal 25 CHF (24 Euro) kosten, für einen Brunch muss man sogar 40 CHF (38 Euro) auf den Tisch legen.

 

 

Wanderfans und Wintersportler kommen in der Schweiz voll auf ihre Kosten.

 

Ein weiterer kleiner Dämpfer für Schweizfans: Auch im schönen Bergland wird viel geschuftet. 50 Stunden maximale Arbeitszeit pro Woche schreibt das Arbeitszeitgesetz für Mediziner an Schweizer Kliniken vor. Dabei bleibt es aber nicht immer. „Es gibt auch Tage, an denen ich erst um 21 Uhr aus dem Krankenhaus komme“, erzählt Moritz.

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