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  • Beate Mendelski
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  • 01.08.2011

Wie man sich richtig bei einem medizinischen Verlag bewirbt

Alternative Medizinjournalismus? Der erste Schritt in diese Richtung läuft über das Volontariat in einer Redaktion. Wie bewirbt man sich für eine solche Stelle?

 

Volontär, was heißt das eigentlich?

Ein Volontär ist eine Art Auszubildender im Verlagswesen oder Medienbereich, der meistens für die Zeit von 18-24 Monaten mit festem monatlichem Tarifgehalt eingestellt wird. Während dieser Ausbildungszeit erhält der Auszubildende Einblick in die betrieblichen Bereiche und den Produktionsablauf, schreibt erste Artikel und arbeitet im Team an verschiedenen Projekten mit. Für ein Volontariat in Verlagen wird in der Regel ein Studium vorausgesetzt; für Fachverlage ist ein abgeschlossenes Studium der "richtigen" Fachrichtung (für Medizinverlage: Medizin oder Naturwissenschaften) ein Muss. Dem Volontär stehen 30 Tage Urlaub und außerbetriebliche Fortbildungen zu. Der Begriff "Volontariat" ist jedoch kein geschützter Begriff. Wie die Ausbildungsstelle gestaltet und bezahlt wird, hängt letztendlich vom Arbeitgeber ab.

Checkliste Redaktionsvolontariat des DJV

Bewerbungsschreiben

Anhand von einem Beispiel möchten wir Ihnen eine Bewerbung für eine Volontariatsstelle vorstellen und zusammen positive bzw. negative Aspekte durchgehen. Freundlicherweise hat Dr. Hartmut Kuhlmann, Programmplaner für Fachzeitschriften im Georg Thieme Verlag, für uns das Bewerbungsschreiben unter die Lupe genommen und ausgewertet.

Bewerbung einer Studentin auf eine fiktive Volontariats-Stelle.

Positive Eindrücke

  • Fach-Qualifikation stimmt
  • Vorerfahrungen im Verlagswesen sind gut
  • Ein allgemeines Interesse für Verlagsarbeit scheint vorhanden zu sein
  • Viel mehr ist nicht nötig! Ein Volontariat ist eine Ausbildung; die Person muss noch nicht "fertig" sein. Wenn die Zeugnisse okay sind, würde ich die Kandidatin einladen!

Eventuelle Kritikpunkte

  • Es werden keine fachlichen Schwerpunkte bzw. besonderen Interessen erwähnt (was hat sie im Ausland gemacht; welche Fächer haben sie interessiert?) - das fehlt ganz entschieden
  • Sprachlich ein klein wenig nachlässig (z.B. "Fähigkeiten" lernt man nicht, sondern erwirbt man)
  • Die Kandidatin ist offenbar unentschieden, ob sie für Studenten, Fachleute oder Laien schreiben und publizieren will. Im Prinzip macht das nicht so viel, schließlich will sie die Feinheiten dieser Unterschiede bei uns lernen...
  • Falls in der Anzeige ausgeschrieben ist, in welchem Bereich das Volontariat stattfindet, dann wäre es dringend geraten, sich auf die Ausschreibung etwas genauer einzustellen.

Was fehlt Ihrer Meinung nach?

  • Ein bisschen mehr persönliches Profil (u.a. fachliche Interessen oder persönliche Schwerpunkte)
  • Warum will sie nicht als Ärztin arbeiten? Warum ausgerechnet im Verlagswesen? Motivation?!
  • Als was hat sie in dem Verlag gearbeitet (Freie Mitarbeiterin, Angestellte)? Warum kann oder will sie dort nicht weiter arbeiten? Was waren ihre Erfahrungen dort?

Worauf legen Sie Wert?

  • Vorab: Redaktionelle Erfahrungen kann jeder bereits in einer Schülerzeitung erwerben. Praktika sollte man sich mit einem Zeugnis belegen lassen: so dokumentiert der Bewerber sein Interesse auf überzeugende Art!
  • Wenn jemand gar keine Erfahrungen hat, muss er Potenzial haben: Was unterscheidet sie oder ihn von anderen Bewerbern?
  • Gute Noten können eine Rolle spielen, ein rasch und zielstrebig absolviertes Studium ebenso, aber auch besonderes Engagement außerhalb des Studiums.
  • Tipp: vor der Bewerbung bei einem großen Verlag ein kleine "Orientierungsrunde" drehen: als Praktikant bei einer Lokalzeitung; an einer Agentur "Mädchen für alles" spielen; für die PR-Abteilung von einer Pharma-Firma bei Kongressen mit einer roten Mütze Glückskekse verteilen... Möglichkeiten gibt es viele, aber man sollte nicht wahllos vorgehen!
  • Auf formelle Vorgaben achten: Gutes Deutsch(!); Anschreiben nicht zu lang (nicht zu weit auf die 2. Briefseite laufen lassen); lückenloser und aussagekräftiger Lebenslauf; ggf. noch eine Zusatzseite mit "Profil" oder "Ausgeübte Tätigkeiten".
  • Kurse/ Zusatzausbildungen/ Zeugnisse?
  • Ordentliches Foto (nicht zu überkandidelt, aber bitte auf Fotopapier und aufgeklebt (kein farbig ausgedrucktes Foto)
  • Bei manchen Bewerbern ist der Hinweis auf die private Homepage interessant. Allerdings nur dann, wenn diese keinen privaten Schnickschnack enthält!

Wie wichtig ist die ausführliche Beschreibung der Motivation?

  • Motivation sticht! Wenn jemand trotz schlechterer Noten deutlich machen kann, dass die ausgeschriebene Stelle genau das ist, was er sich erträumt, dann macht der Bewerber einen wichtigen Punkt.
  • Auch die Art und Weise, wie die Motivation formuliert wird, ist wichtig.
  • Ebenso wichtig: Warum haben Sie sich ausgerechnet bei uns beworben? Nicht antworten: "Ich wollte gern nach Süddeutschland." oder "Ich hab halt sonst nichts gefunden." - Sondern: "Ich will zu Ihnen, weil Ihr Haus genau das bietet, was ich suche."
  • Karriereziele können sich durch die Ausbildung verändern. Deshalb würde ich nicht erwarten, dass Sie am Anfang haargenau wissen, was Sie am Ende wollen. Zumindest für die nächsten 5 Jahre sollte man seine persönlichen Ziele kennen.

Fallen ungewöhnliche Bewerbungen eher positiv oder negativ auf?

  • Ein "markanter" Wiedererkennungspunkt ist immer gut (z.B. "Ach, das war der mit der Geige" oder "Die Kandidatin mit den Schmetterlingen auf Madagaskar")
  • Richtige Exoten will man andererseits auch nicht haben: Man möchte ja einen zuverlässigen und guten und ganz normalen Mitarbeiter!

Fazit

Im Gegensatz zu einer Bewerbung fürs Krankenhaus sollte ein Mediziner bei der Bewerbung für die Volontärsstelle andere Schwerpunkte legen. Hier sind erste redaktionelle Vorerfahrungen z.B. Schülerzeitung oder ein Praktikum in einer Lokalzeitung gewiss von Vorteil. Der erste Eindruck durch eine hochwertige Mappe, professionelles Foto, gutes Layout, sowie eine klare Struktur sind ebenso wichtig wie die sprachliche Sicherheit! Lassen Sie Ihre Bewerbung von einem Bekannten/Freund(in) mit gutem sprachlichem Gespür ruhig einmal gegenlesen, falls Sie sich unsicher fühlen.

Für Dr. Kuhlmann sind auch Computerkenntnisse und gute Examensnoten unbedingt anzugeben, ebenso wie freiwillig besuchte Seminare/Kurse oder Zusatzausbildungen, Fremdsprachen und Hobbys. Damit kann der Bewerber seiner Persönlichkeit ein Profil geben und seine Motivation belegen, auf die Dr. Kuhlmann großen Wert legt. Im Gegensatz zur Bewerbung für eine "normale" medizinische Stelle sind das Thema der Doktorarbeit, Arbeiten als Nachtwache oder Publikationen/Veröffentlichungen eher unwesentlich


Leserkommentar:

Gute Hilfestellung

Da ich mich gerade auf mehrere Volontariatsstellen bei Thieme bewerben möchte, hat mir der Artikel doch einige Anhaltspunkte gegeben. Gerade hinsichtlich der Gewichtung verschiedener Aspekte habe ich jetzt ein klareres Bild. Vielen Dank für diese Hilfestellung! A.K.


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