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  • Julia Jakobs
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  • 01.08.2011

Allgemeine Infos zur Weiterbildung zum Facharzt

Nach dem Medizinstudium folgt die Weiterbildung zum Facharzt. Was gibt es während der Weiterbildung zu beachten und welche Unterschiede gibt es zwischen den Fachärzten?

Vor Beginn der Weiterbildungszeit muss ein frischgebackener Assistenzarzt einige wichtige Entscheidungen fällen, die seinen zukünftigen Werdegang bestimmen. Viele Medizinstudenten beschäftigen die Fragen, welche Facharztrichtung sie wählen sollen, wie lange sie an welcher Klinik bleiben können und wie groß eine Klinik sein muss, um eine gute Weiterbildung zu garantieren.

Antworten auf Fragen zur Weiterbildungsordnung findet man bei den Landesärztekammer

Was viele nicht wissen: Es gibt keine einheitliche Weiterbildungsordnung für Deutschland.
Die Verabschiedung der Musterweiterbildung durch den Ärztetag, bedeutet nicht, dass diese in allen Bundesländern Gesetz ist. Die Musterweiterbildung ist lediglich eine Richtlinie, die vom Ärztetag für die einzelnen Landesärztekammern erarbeitet wird.
Mehr als 100 Delegierte vertreten im Ärztetag ihre Landesärztekammern und beauftragen zum Beispiel die Bundesärztekammer (Arbeitsgemeinschaft der Ärztekammern), die MusterWBO weiterzuentwickeln. Jede Änderung oder Weiterentwicklung muss anschließend auf dem Ärztetag abgestimmt werden.
Ob die Musterweiterbildung dann in Zukunft auch tatsächlich für die Ärzte eines Bundeslandes zutrifft, das entscheiden die Landesärztekammern.

Die Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer 

Die LandesWBO lehnt sich an die MusterWBO an

Meist entscheiden die Landesärztekammern die Musterweiterbildungsordnung mehr oder weniger modifiziert in die eigene WBO zu übernehmen. Das Gesundheitsministerium des Bundeslandes muss jedoch seine Genehmigung erteilen, dann ist die WBO für alle Mitglieder dieser Landesärztekammer rechtsverbindlich. 

Gesetzliche Genehmigung als Nadelöhr

Mittlerweile wurde von allen Landesärztekammern, allerdings mit unterschiedlichen Abweichungen in einzelnen Bereichen, die Muster-Weiterbildungsordnung umgesetzt.

Genauere Infos erhältst du bei deiner zuständigen Landesärztekammer.

Welcher Arzt kann wie lange weiterbilden?

Die Kammer legt fest, welche Ärzte wie lange weiterbilden dürfen und wie lange die Assistenzarztzeit in den einzelnen Fächern dauert. Glück hat derjenige, der eine Stelle in einer großen Klinik findet und dort bis zur Facharztprüfung bleiben kann. Ist das nicht möglich, ist es wichtig sich möglichst frühzeitig zu erkundigen, wie lange der eigene Chefarzt weiterbildungsermächtigt ist und an welche Krankenhäusern man seine Ausbildung fortsetzen kann. Viele Kliniken bieten feste Rotationen mit anderen Kliniken an, wodurch eine komplette Ausbildung auch ohne komplizierten Stellenwechsel möglich ist.

Die Zeit sinnvoll nutzen

Natürlich ist es nicht damit getan die geforderten Zeiten einfach abzusitzen. Die WBO verlangt eine meist beachtliche Zahl an diagnostischen und operativen Eingriffen. Nicht selten ist die Teilnahme an Spezialveranstaltungen nötig, beispielsweise zum Erwerb von psychosomatischen Grundkenntnissen für die Allgemeinmedizin. Selbst wenn es die WBO erlauben würde, ist es deshalb nicht sinnvoll, etwa eine sechsjährige Weiterbildungszeit bei drei Chefärzten mit je zwei Jahren Weiterbildungsermächtigung zu absolvieren. Die MusterWBO sieht sogar vor, dass mindestens ein Jahr an einer Klinik mit voller Weiterbildungsermächtigung verbracht werden muss. Glücklicherweise setzen nicht alle Landesärztekammern dieses Nadelöhr um!

Mehr Sicherheit und klarere Ausbildungsziele

Nach der neuen WBO muss der zur Weiterbildung ermächtigte Arzt den Assistenzärzten vor Beginn der Weiterbildung ein gegliedertes Programm für die Weiterbildung im Fachgebiet, Teilgebiet oder in der Zusatz-Weiterbildung aushändigen. Zusätzlich sind jährliche Treffen vorgesehen, bei denen Fortschritt und Defizite der Weiterbildung besprochen werden. Der Inhalt dieses Gesprächs muss schriftlich festgehalten werden.

Die Weiterbildung wird übersichtlicher

In der altern WBO gab es fünf Qualifikationsebenen (Gebiete, Fachkunde, fakultative Weiterbildung, Schwerpunkt, Bereich). Die neue WBO verspricht hier mehr Übersichtlichkeit. In Zukunft wird es nur noch drei unterschiedliche Ebenen geben: Facharztbzeichnungen, Schwerpunktweiterbildungen und Zusatzbezeichnungen.

"Common trunk" in einzelnen Fachgebieten

Durch den medizinischen Fortschritt ist es im Laufe des letzten Jahrzehnts zu einer zunehmenden Zersplitterung der einzelnen Fachgebiete gekommen. Diesem Trend will die neue Musterweiterbildung entgegenwirken. Für alle chirurgischen Fächer, HNO, Pathologie und Pharmakologie gibt es deshalb jetzt einen so genannten common trunk. Dieser stellt eine 24-monatige Weiterbildungszeit dar, in der eine gemeinsame Weiterbildung durchlaufen wird, bevor man sich für eine Schwerpunktweiterbildung entscheidet.

Organisation der Weiterbildungszeit

Unfallchirurgen und Orthopäden

Der frühere Facharzt für Orthopädie und die Teilgebietsbezeichnung Unfallchirurgie wurden zu einem Facharzt zusammengeführt. Nach der neuen WBO erlangt ein Assistent dann den neuen Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, wenn er 24 Monate eine allgemeine Basisweiterbildung, im Sinne des "common trunk" durchläuft. Hieran schließen sich 48 Monate spezielle Weiterbildung in einer unfallchirurgischen oder orthopädischen Abteilung an.

Internist oder Allgemeinmediziner?

Eine heiß diskutierte neu beschlossene Vorgabe der MusterWBO ist die Umstrukturierung der Fachärzte für Allgemeinmedizin und Innere Medizin. In Zukunft sollen beide Fachrichtungen eine gemeinsame gleiche Grundausbildung von drei Jahren absolvieren. Danach trennt sich der Weg. Beim angehenden Allgemeinmediziner, jetzt Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin* genannt, schließen sich weitere zwei Jahre bis zum Erwerb des Facharztes an. Er muss zusätzlich Grundkenntnisse auf dem Gebiet der Psychosomatik nachweisen. Möchte man Internist mit Schwerpunktbezeichnung werden, so schließt sich der Basisausbildung eine nochmals dreijährige Ausbildung im Schwerpunktfach an.
Danach kann man dann zum Beispiel die Bezeichnung Internist und Angiologe führen. Hauptkritikpunkt an dieser Neuregelung ist der Wegfall des Internisten als Generalist. Wer in Zukunft zum Beispiel Internist mit den Schwerpunktbezeichnungen Pneumonologie und Hämato-Onkologie werden möchte, muss, statt der bisher notwendigen 7, gleich 9 Jahre Weiterbildung investieren. Es ist nicht mehr möglich, Internist ohne Schwerpunkt zu werden.

* Nach Angaben der Ärztezeitung vom Mai 2005 wird bis Jahresende in allen Bundesländern die neue Weiterbildungsordnung übernommen sein. Die Facharztbezeichnung "Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin" muss anschließend, wenn sie für alle Bundesländer übernommen wurde, von der EU-Kommission anerkannt werden, erst dann können sich die neuen Fachärzte so nennen. Bis dahin gilt die alte Bezeichnung "Facharzt für Allgemeinmedizin", auch wenn die Weiterbildung nach der neuen WBO erfolgte.

Pflichtjahre fallen weg

Wer nach der alten WBO Urologe werden wollte, musste ein Jahr in der Chirurgie verbringen. Die bedeutete für den Chefarzt, dass er seine Assistenten für ein Jahr freistellen musste. Ähnlich Probleme kamen auf Ärzte in der Radiologie und Pathologie zu, bei denen ein Jahr in der unmittelbaren Patientenversorgung gefordert wurde. Diese Probleme fallen in Zukunft weg. Ein Assistent kann sich zwar weiterhin fachfremde Weiterbildungsjahre anerkennen lassen, diese sind jedoch nach der neuen MusterWBO nicht mehr Pflicht.

Frühzeitiges Nachfragen erspart späteren Ärger

Generell gilt, dass Mediziner sich ganz genau über den aktuellen Stand bei der eignen Kammer erkundigen sollten. Wer sich gut informiert, ist klar im Vorteil. .

Weiterbildungsplaner im Internet

Einen ausführlichen Weiterbildungsplaner mit den Pflichtfächern und anrechenbaren Fächern nach neuer und alter WBO stellt die Ärzteversicherung unter Weiterbildungsplaner der Deutschen Ärzteversicherung zur Verfügung. Die Adressen aller Landesärztekammern gibt's auf der Homepage der Bundesärztekammer

www.bundesaerztekammer.de

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