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  • Dr. Yvonne Kollrack
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  • 23.04.2018

So hältst du den perfekten Vortrag

Vor Publikum zu reden ist nicht jedermanns Sache. Mit einer guten Vorbereitung und den folgenden Tipps, wirst du jeden Vortrag elegant meistern.

 

 

Vorträge sind an sich nichts Besonderes. Während des gesamten Studiums sitzen wir in Vorlesungen und hören uns verschiedene Vorträge an. Einige sind interessant, viele langweilig und zu einigen gehen wir gar nicht erst hin. Doch was passiert, wenn wir selbst da vorne stehen? Das ist dann eine aufregende Situation, auf die uns selbst die verhassten Referate während Schulzeit und Seminaren nicht wirklich vorbereitet haben! Mit diesen Tipps meisterst du deinen Vortrag souverän.

Wie fange ich an?

Am besten auf dem Papier. Old fashioned aber übersichtlich. Zur Not schreibe dir Karteikarten, deren Reihenfolge du verschieben kannst. Zudem prägen sich handgeschriebene Inhalte besser ins Gehirn ein als getippte – also schlägst du in Sachen Vorbereitung zwei Fliegen mit einer Klappe. Beginne mit der Gliederung, also z.B. Fragestellung, aktueller Stand der Forschung, dein Forschungsansatz, dein Vorgehen, Ergebnisse, Diskussion und Fazit. Oder Thema, Anatomie, Krankheitsbild, Symptome, konservative Therapie, operative Therapie, Komplikationen, aktuelle Entwicklungen und pit falls.

Fachchinesisch?

Verdeutliche dir, zu welchem Publikum du sprichst: Handelt es sich um die Präsentation von aktuellen Forschungsergebnissen auf einem Kongress, die Vorstellung eines bestimmten Krankheitsbildes in der monatlichen Abteilungsfortbildung oder um ein Patienteninformationsseminar? Bei ersterem ist eine stringente, knappe, fachlich exakte Sprache mit den entsprechenden Fachausdrücken unabdingbar, bei letzterem sollte dagegen Alltagsdeutsch verwendet werden.

Das Ziel oder die Take home message

Hier hilft es ungemein, sich zu vergegenwärtigen, was der Zweck des Vortrages sein soll. Der bestimmt den Weg und den didaktischen Aufbau bis zur take home message. Wenn du mal auf Kongressen darauf achtest, halten sich aber viele ChefärztInnen da auch nicht unbedingt dran. Oft ist hier das Ziel eines Vortrags, den anderen zu zeigen, wie toll man ist (und viel toller als die anderen)! Im Gegensatz zu vielen angloamerikanischen Referenten. Hier ist oft deutlich erkennbar, dass das Publikum von einer bestimmten Behandlungsmethode überzeugt oder dazu angeleitet werden soll.

Wer sitzt da?

Handelt es sich bei den Zuhörern um „Laien“ (meist Patienten) oder Assistenzpersonal (z.B. wenn man als Assistenzarzt dazu verdonnert wurde, in der Krankenpflegschule als Dozent aufzutreten), hat der Vortragende per se einen großen Vorteil: Er weiß über das Thema mehr als die Zuhörer! Wenn du einen Vortrag vor Patienten hältst, tust du im Grunde nichts anderes als bei jeder Visite oder Sprechstunde. Du erklärst etwas so, dass dein Gegenüber dich versteht. Der Nervositätsgrad kann also gedrosselt werden.

Was aber, wenn der Chef dich verdonnert hat, auf einem Fachkongress seinen Vortag zu halten, weil er keine Zeit dazu hat? Vor lauter ProfessorInnen und OberärztInnen, die nichts lieber tun, als kleine AssistentInnen zum Frühstück zu verspeisen? Dann hilft nur eine sehr gute Vorbereitung – und Ehrlichkeit. Du kannst ruhig sagen, dass du deinen Chef vertrittst und zu dieser speziellen Frage nicht den aktuellen Studienüberblick besitzt. Aber vielleicht könnte dir jemand aus dem Publikum weiterhelfen?

Üben, üben, üben!

Halte deinen Vortrag ein, zwei, dreimal. Vor dir selbst oder anderen. Rede dabei wirklich laut. Oft zeigt sich erst dann, wo es didaktisch noch hakt. Übe vor allem auch die Übergänge von einer Folie zur nächsten. So kommst du auch nicht so leicht ins Stocken. Auch die Körperhaltung ist wichtig, das kannst du vor dem Spiegel üben. Verschränkte Arme wirken beispielsweise abweisend, eine aufrechte Haltung kompetent und selbstbewusst.

Sei möglichst rechtzeitig mit der Vorbereitung fertig. Es bringt wenig, die Folien in der Nacht vor dem Ereignis zu verfassen. Prüfe auch, ob dein USB Stick einwandfrei funktioniert und alles kompatibel ist. Und achte auf eine dem Anlass angemessene, aber bequeme Kleidung.

Lampenfieber adé

Meist fühlt man sich schon sehr sicher, wenn man weiß, man beherrscht den Vortrag. Trotzdem bekommen viele Menschen alleine beim Gedanken, vor Publikum zu sprechen, Lampenfieber. Diese Angst kann lähmend sein, also gib ihr erst gar nicht die Chance, dich zu beeinflussen. Am besten hilft es, sich vor dem Vortrag zu bewegen. Bewegung hilft beim Abbau des Adrenalins und du kannst dann wieder besser denken.

Spannungsableiter für die Hände

Wohin mit den Händen? Auf keinen Fall in die Hosentaschen! Praktisch ist es, wenn man den Pointer in der Hand halten kann. Gibt es keinen Pointer, dann nehme deine Karten mit. Auch wenn du natürlich vermeiden solltest zu spickeln, geben dir die Karten ein sicheres Gefühl und deinen Händen einen sicheren Platz zum festhalten.  

Vermeide ähs und Füllwörter

Es ist normal, dass ein Satz ins Stocken gerät oder sich in ihm plötzlich mehrere Verben finden. Versuche aber, flüssig zu sprechen. Verwende dafür kurze Sätze. Suche dir im Publikum einen oder mehrere Leute, die du ansprichst. Du wirst immer jemanden finden, der dir nett zulächelt. Halte dich an diese Personen und blende die anderen aus.

Für den Zuhörer ist es nervig, sich zwischen lauter ähs, eigentlichs, genaus, jas, alsos und ähms den Sinn eines Satzes zusammenzuklauben. Manche im Publikum machen sich auch einen Spaß daraus, bei einem schlechten Vortrag vor lauter Langeweile die Ähs zu zählen...

Der erste Satz

Am besten ist es, wenn du den Vortrag frei sprechen kannst. Zu Beginn ist jedoch die Nervosität meist so hoch, dass es sich lohnt, die ersten Sätze auswendig zu können. So kommst du gut in den Vortrag rein und kannst dann auch freier weitersprechen. Versuche während des Vortrags auch immer kleine Pausen zu machen. So hat das Publikum Zeit, sich deine Folien anzusehen und du vermeidest, dass du ohne Punkt und Komma sprichst und durch den Vortrag hetzt.

Absolute no gos!

- Ein Vortrag wird niemals abgelesen! Du kannst dir in Power Point Notizen einfügen, aber du sprichst immer frei zum Publikum! Kurz Spicken ist im Notfall natürlich erlaubt. Und wenn du einmal total hängen solltest – halte inne und gib es zu. Und dann mach weiter.
- Du guckst das Auditorium an! Lasse dich nicht dazu verleiten, beim Zeigen mit dem Pointer dem Publikum ständig den Rücken zuzudrehen. Du kannst etwas seitlich stehen oder erst sprechen, dann zeigen. Dadurch ergeben sich auch Pausen, in denen du atmen kannst. Atmen ist überhaupt ganz wichtig, damit deine Stimme konstant und ruhig bleiben kann.
- Erweise deinen Kollegen Respekt! Wenn zusammen mit dir noch andere auf einer Veranstaltung einen Vortrag halten, dann höre deinen Kollegen zu (oder geh vor Beginn des Vortrages ganz aus dem Saal). Es ist für einen Vortragenden sehr irritierend, wenn die eigenen Kollegen laut miteinander tuscheln oder der Kollege in der ersten Reihe sein Smartphone interessanter findet als dich.

Sieh es positiv!

Egal, warum du diesem Vortrag halten musst – zieh deinen Nutzen daraus. Ob du dir selbst damit zusätzliches Wissen verschaffst, deinen Chef/in beeindrucken kannst, dein Selbstbewusstsein stärkst oder einfach nur eine Herausforderung überwindest. Sei stolz auf dich, wenn es geschafft ist und prüfe dich, was du beim nächsten Mal besser machen könntest.

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