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  • Aufgezeichnet von Ines Elsenhans
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  • 28.06.2018

10 Tipps: So überlebst Du als Neuling auf der Inneren

Der Sprung von der Uni ins eiskalte Wasser der Klinik kann einen ganz schön schock-gefrieren. Wir haben die besten Tipps, damit die Anfangszeit nicht zum Desaster wird.

 

 

Assistenzärztin - Foto: Kirsten Oborny

Alles Anfang ist schwer – besonders der Anfang als Arzt in einer Klinik. Foto: Kirsten Oborny

 

Punkt 1

Gedanken wie „ich bin der dümmste Arzt auf Gottes Erdboden“ werden dich ab heute für das erste Jahr begleiten. Nicht verzweifeln! Schau dich doch einmal um: Deine Kollegen auf Station haben auch nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen und trotzdem ihren Facharzt geschafft.

Punkt 2

Am Anfang bist du über alles geschockt. Berichtet dir die Nachtschwester, dass dein Patient in der Nacht verstorben ist, brichst du in Tränen aus und machst dir schlimme Vorwürfe, obwohl du nichts falsch gemacht hast. Und wenn doch? Was kannst du dann dagegen tun?

1. Du kannst dich jetzt wahnsinnig machen und landest irgendwann in der Klapse

2. Du arbeitest weiter und machst es besser. Dabei wirst du feststellen, dass immer wieder Patienten sterben, obwohl du alles richtig gemacht hast. Gehe die Sache rational und mit der richtigen Prise Empathie an, denn nur so wirst du einen klaren Kopf beim Arbeiten haben. Die Behandlung von dir wird ja deswegen nicht schlechter, im Gegenteil, sie wird besser.

Punkt 3

Du wirst deinen Anspruch an deine Arbeit nicht durchhalten können. Nicht jeder deiner Patienten wird die Klinik freudestrahlend verlassen können. Bleib also realistisch. Überlege, was für eine Chance du hast, dem Patienten Besserung zu verschaffen. Ziel kann es zum Beispiel sein, dass ein Patient schmerzfrei sterben kann.

Punkt 4

Welche Medikamente bekommt mein Mann im Krankenhaus? Können Sie mir das Röntgenbild nochmal erklären? Warum ist die Erde rund? Fragen über Fragen, die auf dich niederprasseln wie die Splittersteine eines Meteoriteneinschlags. Wenn du unnötige Gespräche nicht abblockst, wirst du zermatscht werden. Investiere Zeit in die Angehörigengespräche, die wirklich wichtig sind. Schließlich bist du nicht zum Tratschen in der Klinik, sondern zum Arbeiten.

Punkt 5

Stelle dich auf Klagen ein. Es wird nicht jeder Patient oder Angehöriger mit deiner Behandlung zufrieden sein. Gibt es einen Einlauf vom Geschäftsführer, weil sich bei ihm ein Patient über dich beschwert hat, bleib ruhig und stellte deine Sicht sachlich dar. Keine Angst, denn zum Glück sind viele Klagen unberechtigt, werden oft nur angedroht und in den seltensten Fällen auch durchgeführt.

Punkt 6

„Sind Sie Analphabet?“ Sätze wie diesen könnten dir zu Ohren kommen, egal wie stark du dich ins Arztbriefe schreiben reinhängst. Dein Oberarzt wird dich korrigieren und der Chefarzt wahrscheinlich auch. Du wirst viele Abende bis zehn in deinem Kämmerlein hocken und das Briefe schreiben optimieren. Bleib stark, denn es wird sich auszahlen und du wirst immer schneller und besser werden.

Punkt 7

Wenn du nach Dienst noch Briefe schreiben musst, ziehe dich trotzdem sofort um. Denn sehen dich Angehörige und Schwestern in Ärztekluft auf Station, werden sie dich mit Fragen zuschütten und dein Feierabend liegt in ferner Zukunft (siehe auch Punkt Punkt 4).

Punkt 8

Mache dir eine Tagesstruktur. Sonst wirst du dich heillos verzetteln. Nicht alles muss sofort gemacht werden, manche Dinge können auch noch bis morgen warten.

Punkt 9

Gewöhne dich an das wohlige Gefühl, ins Fettnäpfchen getreten zu sein. Denn diese lauern an allen Ecken: Jedes Stationsteam hat seine Gruppendynamik und nicht jeder kann jeden leiden. Du bist am Anfang das schwächste Glied in der Hierarchie und wirst das zu spüren bekommen. Überlege also gut, an wen du dich mit Fragen wendest. Bei Fragen zu Routineabläufen, Patientenversorgung, bewährte Methoden etc. sind Altassistenten Gold wert, bevor du dich auf den Oberarzt stürzt, der für deine Station zuständig ist.

Punkt 10

Spaß ist was anderes. Erst nach etwa einem Jahr wirst du dich sicherer fühlen. Dann wird langsam das Gefühl kommen „Yeah, ich bin der Hero der Weißkittel und rocke hier die Station“. Keine Angst also, du wirst tatsächlich irgendwann Spaß haben.

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