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  • Dr. Jesper Dieckmann
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  • 28.06.2018

Facharztcheck Sportmedizin – Athleten mit Approbation

Sportmediziner haben eine bunte Klientel: Sie versorgen sowohl den Profi als auch den übergewichtigen Bürotiger. Drei Ärzte erzählen von ihrer Leidenschaft – für die Medizin und den Sport.

 

Die Spiroergometrie ist ein Eckpfeiler der sportmedizinischen Leistungsdiagnostik: Wie verändern sich die Atemzugvolumina unter Belastung? Kann gefahrlos ein Marathonlauf absolviert werden? Foto: Kirsten Oborny

 

Für zwei Spiele die Nummer 1 im deutschen Tor. Für René Adler ist das der Höhepunkt der Saison. Auf der USA-Reise der Fußballnationalmannschaft zeigt er, dass er zu Recht als einer der besten deutschen Torwarte gilt. Doch obwohl er Jogi Löw mit seiner Leistung überzeugt, wird der USA-Trip für Adler immer negativ besetzt sein: Im Spiel gegen Ecuador, das die Nationalmannschaft mit 4:2 gewinnt, verletzt er sich am Knie. Zunächst sind die Schmerzen nicht stark. Erst als er nach dem Urlaub sein Kniegelenk wieder voll belastet, muss er bei seinem Verein, dem HSV, den Arzt aufsuchen. Diagnose: Kapseleinriss am linken Knie.

Der Arzt, der für Adlers Heilungsverlauf verantwortlich ist, heißt Dr. Philip Catalá-Lehnen und ist Ärztlicher Leiter der sportmedizinischen Abteilung am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). „René hatte Schmerzen bei Bewegung, und in der Untersuchung zeigte sich ein typischer Druckschmerz an der Kapsel“, erklärt der Sportmediziner. „Das MRT bestätigte unsere Diagnose. Im Team erarbeiteten wir einen individuellen Therapie- und Trainingsplan.“ Einige Wochen später stand Adler wieder zwischen den Pfosten.

 

Klientel: vom Einsteiger bis zum Profi

Dr. Catalá-Lehnen ist seit jeher sportbegeistert. Trotzdem war es zunächst gar nicht sein Wunsch, als Sportmediziner zu arbeiten: „Ursprünglich wollte ich Unfallchirurg werden. Darum machte ich nach dem Studium am UKE meinen Facharzt für Spezielle Unfallchirurgie und Orthopädie. Da ich leidenschaftlicher Sportler bin, hatte ich bereits damals die Sportunfälle im Fokus – so rutschte ich in die Sportmedizin.“

Vor zwei Jahren übernahm er die Sportmedizin am UKE und eröffnete dort ein Jahr später das „Athleticum“. Dahinter verbirgt sich das Zentrum für Sport- und Be­wegungsmedizin des UKE. Dr. Catalá-Lehnen sitzt hier Tür an Tür mit Sportwissenschaftlern, Physiotherapeuten und Osteopathen. Das Be­sondere: Ein Patient sieht hintereinander immer alle beteiligten Berufsgruppen. „Erst wenn jeder von uns den Patienten untersucht hat, planen wir gemeinsam die Behandlung“, erklärt der Ärztliche Leiter. Neben der körperlichen Untersuchung nutzt er häufig die Sonografie und das MRT.

Schwören tut Catalá-Lehnen aber auf eine Art „Ganzkörperscan“. Hierbei vermisst er per Infrarotvermessung und Videotechnik den gesamten muskuloskeletalen Bewegungsappart unter dynamischen Bedingungen und erkennt so Veränderungen an Wirbelsäule, Becken, Bein oder Fuß. Nach der Diagnostik setzt er die Therapiepläne im hauseigenen Praxis- und Rehabereich um. Denn nur wenige Patienten müssen in den OP, konservative Verfahren wie Tapen, Infiltration, Manual- oder Neuraltherapie stehen öfter auf dem Plan.

Dabei betreuen Catalá-Lehnen und sein Team nicht nur die Profis vom HSV, sondern auch Freizeitsportler oder Menschen, die es mal werden wollen. Für ihn als Orthopäden und Unfallchirurgen stehen trauma­tologische Probleme im Vordergrund. Um den internistischen Bereich kümmert sich ein Kollege. „Meine Patienten sind entweder frisch verletzt, haben eine alte Verletzung oder Überlastungsschäden wie eine Achillessehnenreizung“, erklärt er.

Während Fußballer sich eher mit einem Kreuzbandriss vorstellen, kommen Tennisspieler oft mit Schulterschmerzen. „Etwas, das über alle Sportarten hinweg sehr häufig auftritt, sind Muskelverletzungen“, sagt Catalá-Lehnen.

Der Klassiker ist der Muskelfaserriss, der immer wieder auch Spieler des HSV trifft. Der Arzt handelt dann sofort: „Die ersten Minuten sind entscheidend für den Verlauf. Wichtig ist es, den Muskel sofort zu komprimieren und zu kühlen.“ Um das Hämatom zu begrenzen, gibt er Arnika-Tropfen. Zudem beginnt sein Team zeitnah, den Muskel mit Strom zu reizen und die Lymphe zu drainieren.

Doch damit nicht genug. „Zusätzlich infiltrieren wir den Muskel mit einem Lokalanästhetikum und dem homöopathischen Mittel Traumeel, damit dieser sich entspannt, besser durchblutet wird und am Ende schneller heilt“, verrät Catalá-Lehnen. Es folgen Physiotherapie und Aufbautraining. Nach vier bis sechs Wochen kann der Spieler meistens wieder gegen den Ball treten.

 

 

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