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  • Gönna-Frauke Rehkamp
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  • 19.04.2010

Fachkunde Strahlenschutz nach Röntgenverordnung

Im normalen Stationsalltag ist es die Regel, dass die jungen Stationsärzte und -ärztinnen diverse Röntgenanforderungen für Thorax, Wirbelsäule, Kniegelenk, Nasennebenhöhlen anfordern. Doch die Frage, die meist erst auftaucht wenn man schon mittendrin ist, lautet: Wer darf überhaupt eine Röntgenaufnahme anordnen?

Ärzte beurteilen Röntgenbild - Foto: Thieme Verlag

Die Anforderung eines "Rö-Tho" ist Routine.
Aber darf ich die Untersuchung überhaupt anordnen?

Wer darf einen Röntgenschein ausfüllen und unterschreiben?

Die Antwort auf die Frage, wer einen Röntgenschein ausfüllen und unterschreiben darf, ist einfach:

Eine Röntgenuntersuchung darf von solchen Ärzten angefordert werden, die die Fachkunde Strahlenschutz nach der staatlichen Röntgenverordnung vorweisen können.

Wie jedoch kann man diese Fachkunde erwerben?

 

Die Hintergründe

Die Grundlagen des Strahlenschutzes gehen von dem sogenannten "Atomgesetz" (Gesetz über die friedliche Verwendung von Atomenergie und den Schutz gegen ihre Gefahren) von 1985 aus. Die Bundesregierung hat die entsprechenden Schutzvorschriften erlassen, so geschehen in der Neufassung der Röntgenverordnung vom 30. April 2003.

Die Verordnung über den Schutz vor Schäden durch Röntgenstrahlen (Röntgenverordnung – RöV) regelt, wie, wann und von wem Röntgeneinrichtungen und Störstrahler zu betreiben sind. Sie besagt auch, welche Bedingungen Ärzte erfüllen müssen, um Röntgengeräte und Strahlenquellen betreiben zu dürfen.

Neben der Röntgenverordnung gibt es die Strahlenschutzverordnung. Diese regelt die "Grundsätze und Anforderungen für Vorsorge- und Schutzmaßnahmen bei der Anwendung und Nutzung radioaktiver Stoffe, die Strahlenbelastung zivilisatorischen und natürlichen Ursprungs und den Betrieb von Beschleunigern." Für Ärzte ist aber vor allem relevant, dass darunter auch die medizinische Anwendung radioaktiver Stoffe (Nuklearmedizin, Brachytherapie) sowie die Strahlentherapie fällt.

Im Prinzip sind die Ministerien der Länder für den Strahlenschutz und den Erwerb der Fachkunde in diesem Bereich verantwortlich. Doch in den meisten Bundesländern wurde diese Aufgabe an die Landesärztekammern delegiert.

 

Die Fachkunde im Strahlenschutz

Am 1. März 2006 ist die neue Richtlinie "Fachkunde und Kenntnisse im Strahlenschutz bei dem Betrieb von Röntgeneinrichtungen in der Medizin oder Zahnmedizin" vom 22.12.2005 in Kraft getreten.

Es bestehen drei Voraussetzungen dafür, dass ein Mediziner von der zuständigen Landesärztekammer die Fachkunde Strahlenschutz erhält:

  • eine entsprechende Ausbildung (Nachweis mittels Zeugnis)
  • praktische Erfahrung an geeigneten Institutionen (Erwerb der Sachkunde (exakt definiert); schriftliche Nachweise erforderlich)
  • Kurse (Präsenz- oder Fernkurse; ein Kurs oder Kurskombination mit aufeinander aufbauener Reihenfolge; Nachweis mittels Bescheinigungen nach Erfolgskontrolle)

Die Kurse, die für die Bescheinigung der Fachkunde "Röntgendiagnostik" zum Strahlenschutz notwendig sind, werden von diversen anerkannten Stellen angeboten. Zu diesen Stellen zählen diverse private oder öffentliche Organisationen und Gesellschaften wie die Kliniken Bamberg, Mannheim oder Nürnberg, der TÜV Nord Magdeburg, das Strahlenschutzseminar in Thüringen e.V. c/o, die Technische Universität Ilmenau, die Nordrheinische Akademie für ärztliche Fortbildung in Düsseldorf und die Landesanstalt für Personendosimetrie und Strahlenschutzausbildung in Berlin, um nur einige Beispiele zu nennen.

Voraussetzung der Teilnahme an den Kursen ist die Approbation als Arzt.

Zum Erwerb der Fachkunde „Röntgendiagnostik“ sind folgende Kurse in der angegebenen Reihefolge zu belegen:

  • Kurs zum Erwerb der Kenntnisse im Strahlenschutz (nicht in allen Bundesländern zwingend erforderlich.
  • Grundkurs im Strahlenschutz im medizinischen Bereich nach Röntgenverordnung
  • Spezialkurs Röntgendiagnostik
  • Spezialkurs Computertomographie (zusätzlich zum Spezialkurs Röntgendiagnostik)
  • Spezialkurs Interventionsradiologie (zusätzlich zum Spezialkurs Röntgendiagnostik)

Die Preise für diese Kurse variieren und können je nach Veranstaltung und Anbieter zwischen 30 und 400 Euro liegen. In einigen Fällen müssen die Ärzte selbst für die Gebühren aufkommen.

Die Fachkunde im Strahlenschutz muss alle fünf Jahre aktualisiert werden.

 

Wer sollte die Fachkunde im Strahlenschutz besitzen?

Die Röntgenverordnung besagt Folgendes:

Nach der Röntgenverordnung und der Fachkunde-Richtlinie RöV müssen unter anderem folgende Personen die Fachkunde im Strahlenschutz besitzen:

  • 1. Niedergelassene und angestellte Ärztinnen und Ärzte, die eine Röntgeneinrichtung selbst leiten oder beaufsichtigen (Strahlenschutzverantwortliche),
  • 2. Angestellte Ärztinnen und Ärzte, die innerbetrieblich neben dem Strahlenschutzverantwortlichen für die sichere Leitung oder Beaufsichtigung des Betriebs einer Röntgeneinrichtung bestellt werden (Strahlenschutzbeauftragte),
  • 3. Ärztinnen und Ärzte, die ohne Strahlenschutzbeauftragte zu sein, eigenverantwortlich die rechtfertigende Indikation für das Röntgen stellen und/oder Röntgenstrahlen auf den lebenden Menschen anwenden oder die Anwendung festlegen.
  • 4. Ärztinnen und Ärzte, die in der Teleradiologie die Verantwortung für die Anwendung der Röntgenstrahlung haben.

Kurzgefasst schließt dies Ärzte mit ein, die eigenverantwortlich röntgen (Untersuchung sowie Behandlung), Ärzte die die Indikation stellen, Strahlenschutzbeauftragte, Ärzte die in der Teleradiologie, die Verantwortung für die Anwendung der Röntgenstrahlung haben, und Ärzte, die die Anwendung von Röntgenstrahlung am Menschen in der medizinischen Forschung leiten.

 

Wie sieht es in der Praxis aus?

Das Zitat eines jungen Assistenzarztes: "Es findet sich schon immer ein Kollege auf der Station der so einen Schein besitzt. Zu dem geht man wenn man eine Unterschrift braucht." Dass tagein, tagaus dennoch Ärzte die Röntgenscheine ohne entsprechende Fachkunde ausfüllen, trägt dazu bei, dass der Krankenhausbetrieb nicht zusammenbricht, vor allem nachts nicht. Dass sie sich mit diesem Verfahren am Rande der Legalität bewegen, scheinen viele Ärzte zu ignorieren.

Das Dilemma ergibt sich nun im Stationsalltag. Hält man sich strikt an die Vorschriften und riskiert man Ärger mit seinen Kollegen, indem man sich weigert Röntgenscheine auszufüllen? Vor allem der Hintergrundradiologe wird sich bedanken, wenn man um 4 Uhr nachts anruft, um sich einen Röntgenschein für eine Thoraxaufnahme ausfüllen zu lassen, weil sonst im Haus auch kein Diensthabender mit der Fachkunde ist. Es handelt sich um eine Verordnung, deren Konsequenzen scheinbar nicht bedacht wurden.

In Koblenz wurde vor einiger Zeit ein Krankenhaus überprüft. Das Krankenhaus, wie auch der in diesem Fall überprüfte Arzt ohne Fachkunde, mussten eine Geldstrafe zahlen.

 

Was tun, wenn man die Fachkunde nicht hat?

Wie man das Dilemma umgehen kann, zeigt folgende Grauzonen-Möglichkeit: Man formuliert die Anforderung derart, dass ersichtlich ist, dass man keine Fachkunde hat. Das heißt, die annehmende Stelle, sprich die Radiologie, muss einen Radiologen rufen, der die Aufnahme absegnet - oder auch nicht.

Eine Formulierungsmöglichkeit wäre:

"Erbitte Thorax in zwei Ebenen bei ... - bitte um Prüfung der Indikation durch Facharzt der Radiologie (habe selber keine Fachkunde)"

Die Fachkunde zu besitzen ist jedoch in allen Fällen von Vorteil, nicht nur um juristischen Problemen aus dem Weg zu gehen, sondern natürlich ist es auch im Sinne der Patienten.

Wer weitere Informationen haben möchte kann sich an seine Landesärztekammer wenden.

 

Einrichtungen, die Kurse im Strahlenschutz anbieten

Kenntniskurse

WiT: Wissens-Transfer der Uni Tübingen
Wilhelmstraße 5
72074 Tübingen
Tel.: 07071/297643

Diakonissenkrankenhaus Stuttgart
Abteilung Röntgendiagnostik
Rosenbergstraße 40
70176 Stuttgart
Tel.: 0711/9910

Klinikum der Stadt Mannheim
Institut für Klinische Radiologie
Theodor-Kutzer-Ufer
68167 Mannheim
Tel.: 0621/3830

Städtisches Krankenhaus Heilbronn
Am Gesundbrunnen 20-24
74978 Heilbronn
Tel.: 07131/490

Technischer Überwachungsverein
Südwestdeutschland e.V.
Postfach 10 32 62
68032 Mannhei

Forschungszentrum Karlsruhe GmbH
FTU
Postfach 3640
76021 Karlsruhe
Tel.: 07247/82-3251 (Fr. Wallburg)

Saarländische Krankenhausgesellschaft
Talstraße 30
66119 Saarbrücken
Tel.: 0681/92611-14 (Fr. Schröder)

Akademie für Arbeitsmedizin und Gesundheitsschutz, Ärztekammer Berlin
Friedrichstr. 16
10969 Berlin
Tel.: 030/40806-1301
Fax: 030/40806-1399

Grund- und Spezialkurse und Aktualisierungskurse für Ärzte

WiT: Wissenstransfer der Uni Tübingen
Wilhelmstraße 5
72074 Tübingen
Tel.: 07071/2976439

wit@uni-tuebingen.de  

http://www.wit-strahlenschutz.de/

 

mibeg-Institut Medizin
Sachsenring 37-39
50677 Köln
Tel.: 0221-33604-610
Fax: 0221-33604-666

medizin@mibeg.de  

http://www.mibeg.de/

 

GSF: Forschungszentrum für
Umwelt und Gesundheit, Neuherberg
Postfach 1129
85758 Oberschleißheim
Tel.: 089/31874040

http://www.gsf.de

 

Forschungszentrum Karlsruhe GmbH
FTU
Postfach 3640
76021 Karlsruhe
Tel.: 07247/82-3251

info@fzk.de

http://www.fzk.de/

 

Haus der Technik e.V.
Hollestraße 1
45127 Essen
Tel.: 0201/1803-344

hdt@hdt-essen.de

http://www.hdt-essen.de/

 

Akademie für Arbeitsmedizin und Gesundheitsschutz
Ärztekammer Berlin, Friedrichstr. 16
10969 Berlin
Telefon: 030/40806-1301, Fax: 030/40806-399

aag@aekb.de

http://www.aekb.de

 

Technische Akademie Esslingen
In den Anlagen 5
73760 Ostfildern
Tel.: 0711/340080

info@tae.de

http://www.tae.de/

 

Klinikum der Uni Würzburg
Institut für Röntgendiagnostik
Josef-Schneider-Straße 2
97080 Würzburg
Tel.: 0931/2011

Klinikum Fürth
Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Erlangen-Nürnberg
Radiologisches Zentrum
Jakob-Henle-Straße 1
90766 Fürth
Tel.: 0911/7580-360-1

info@klinikum-fuerth.de

 

Landesanstalt für Personendosimetrie und Strahlenschutzausbildung (LPS)
im Innovationspark Wuhlheide, Köpenicker Str. 325 Haus 41
12555 Berlin
Tel. 030/6576-3101, Fax: 030/6576-3100

nagel@lps-berlin.de

kasten@lps-berlin.de

http://www.lps-berlin.de

 

Prüfgesellschaft für Strahlenschutz
und Dosimetrie mbH
Am Kirschenwäldchen 11
66333 Völklingen

info@psd-net.de

http://www.psd-net.de/

 

MioS: Institut und Ingineursbüro
für Strahlenschutz
Fliederweg 17
06130 Halle (Saale)
Tel.: 0345/2002410

dr.eichhorn@mios-strahlenschutz.de 

http://www.mios-strahlenschutz.de/

 

Röntgen-Consult
Schulhausstraße 37
79199 Kirchzarten
Tel.: 07661/9831058

info@roentgen-consult.de 

http://www.roentgen-consult.de/

 

Saarländische Krankenhausgesellschaft
Talstraße 30
66119 Saarbrücken
Tel.: 0681/92611-14 (Fr. Schröder)

mail@skgev.de 

http://www.skgev.de/

 

karepamed
Sonnenbergstraße 21
70184 Stuttgart
Tel.: 0711/24837270

info@karepamed.de

http://www.karepamed.de/

 

Akademie für medizinische Berufe
Uniklinik Ulm
Schlossstraße 38
89079 Ulm-Wiblingen
Tel.: 0731/500-68001

akad-wb@uni-ulm.de 

http://www.uni-ulm.de/klinik/akademie

 

Fortbildungsakademie der
Ärztekammer Hamburg
Lerchenfeld 14
22081 Hamburg
Tel.: 040/22802-510, -511, -51

akademie@aekhh.de 

http://www.aekhh.de/

 

Akademie für ärztl. Fort- und Weiterbildung der Ärztekammer Schleswig-Holstein
Esmarchstraße 4 - 6
23795 Bad Segeberg
Tel. 04551/803-144

akademie@aeksh.org 

http://www.aeksh.de/akademie

 

Akademie für ärztliche Fort- und
Weiterbildung der ÄK Niedersachsen
Berliner Allee 20
30175 Hannover
Tel.: 0511/380-2493

wolfgang.heine-brueggerhoff@aekn.de 

http://www.aekn.de/

 

Akademie für ärztliche Fortbildung
in Rheinland-Pfalz
Deutschhausplatz 3
55116 Mainz
Tel.: 06131/284380

seltmann@arztkolleg.de

http://www.akademie-aerztliche-fortbildung.de/

 

Akademie für ärztliche Fortbildung
der LÄK Hessen
Postfach 1740
61217 Bad Nauheim
Tel.: 06032/7820

akademie@laekh.de

http://www.fortbildungszentrum-aerzte.de/

 

medFA: Medizinische Fortbildungs-
akademie Herdtle & Jäckle GbR
Freundenberg 9
87435 Kempten
Tel.: 0831/5738671

http://www.medfa.net/

 

Förderverein der Radiologie e.V.
am Klinikum Nürnberg
Prof.-Ernst-Nathan-Straße 1
90419 Nürnberg
Tel.: 0911/6603374

info@strahlenschutz-nbg.de

http://www.strahlenschutz-nbg.de/

 

GQmed mbHGesellschaft für Qualitätssicherung in der Medizin
Blumenstraße 8
73779 Deizisau
Tel.: 07153/74509

kon­tak­t@g­q­med.com

http://www.gqmed.com/?p=56

NUR Aktualisierungskurs

LÄK Baden-Württemberg
Jahnstraße 40
70597 Stuttgart
Tel.: 0711/76989-68

info@laek-bw.de 

http://www.laek-bw.de/

NUR Osteoporose-Kurs

Städtische Kliniken Kassel
Zentrum für Radiologie
Mönchebergstraße 41
34125 Kassel
Tel.: 0561/980346

Wichtige Links

http://bundesrecht.juris.de/r_v_1987/index.html http://bundesrecht.juris.de/strlschv_2001/index.html

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