• Steckbrief
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  • Martin Wolff
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  • 04.01.2012

Steckbrief Neurologie - Den Nerven auf den Nerv gefühlt

Kaum eine andere Disziplin in der Medizin hat in den letzten Jahren einen derartigen Wandel in Diagnostik und Therapie vollzogen wie die Neurologie. Da Erkrankungen des Nervensystems im Alter häufiger auftreten, kommt dem Fach vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung eine wichtige Bedeutung zu.

Die Neurologie ist die Lehre der Krankheiten des Nervensystems. Neben Störungen des Gehirns und des Rückenmarks stehen hier auch Auffälligkeiten der peripheren Nerven und der Muskeln im Mittelpunkt. Neurologen sind dabei weniger für die "seelischen", sondern eher für die "körperlichen" Beschwerden zuständig. Die Grenzen zum Nachbarfach der Psychiatrie sind dennoch fließend, da viele neurologische Erkrankungen ebenfalls psychiatrische Symptome hervorrufen können. Früher gab es daher den "Facharzt für Nervenheilkunde", der beide Fachgebiete beinhaltete. Im Laufe der Zeit hat sich die Neurologie durch die rasante Weiterentwicklung diagnostischer und therapeutischer Möglichkeiten zu einem eigenständigen Fachgebiet entwickelt. Weiterbildungsassistenten durchlaufen in ihrer neurologischen Facharztausbildung jedoch weiterhin ein Pflichtjahr in der psychiatrischen Versorgung.

 

Großes Erkrankungsspektrum

Häufige neurologische "Volkskrankheiten" sind Kopfschmerzen, chronische Rückenschmerzen oder Schwindel. Darüber hinaus sehen in der Neurologie tätige Ärzte Krankheiten wie Multiple Sklerose, Parkinson-Syndrome, Demenzen, epileptische Anfälle und Hirntumoren. Notfallsituationen stellen vor allem der ischämische Schlaganfall, aber auch die Subarachnoidalblutung oder Schädelhirntraumata dar. Bei sehr vielen Erkrankungen arbeiten Neurologen eng mit Kollegen aus der Neurochirurgie (Hirntumore, Blutungen) und Neuroradiologie (Gefäßstenosen, Aneurysmata) zusammen. Die oft sehr komplexen Krankheitsbilder erfordern neben sehr guten neuroanatomischen Kenntnissen auch analytisches Denken und ein gewisses "detektivisches" Gespür.

 

Anamnese und klinische Untersuchung im Vordergrund

Nach wie vor steht in der Neurologie die Anamnese und körperliche Untersuchung an erster Stelle. Denn in den meisten Fällen lässt sich anhand des Beschwerdebildes sowie der typischen Ausfälle bereits die Diagnose stellen oder zumindest eine Hypothese erarbeiten. Dennoch spielen bildgebende Verfahren wie CT und MRT eine zentrale Rolle und sind aus der modernen Neurologie nicht mehr wegzudenken. Im Laufe der Facharztausbildung lernen die Weiterbildungsassistenten zudem, mithilfe doppler- und duplexsonografischer Untersuchungen die hirnversorgenden Gefäße darzustellen, um eventuelle Stenosen oder Verschlüsse festzustellen. Darüber hinaus eignen sich die zukünftigen Neurologen Kenntnisse in elektrophysiologischen Untersuchungen wie der Neurographie (Nervenleitgeschwindigkeit), der Elektroenzephalographie (EEG) oder der Elektromyographie (EMG) an. Die Untersuchungen sollen ihnen helfen, Störungen der Nervenleitung, pathologische Hirnströme oder veränderte Muskelpotentiale aufzudecken. Die Lumbalpunktion ist für Neurologen zudem ein wichtiges Verfahren, um entzündliche Prozesse oder Blutungen des Nervensystems nachzuweisen beziehungsweise auszuschließen.

 

Immer mehr Therapieoptionen

Gab es vor einigen Jahrzehnten bei vielen neurologischen Erkrankungen nur wenige Therapiemöglichkeiten, tun sich aufgrund der enormen Forschung im Gebiet der Neurowissenschaften immer mehr Behandlungsoptionen auf. Mithilfe gezielt wirkender Medikamente lässt sich heute der Verlauf vieler Erkrankungen wie zum Beispiel der Multiplen Sklerose oder des M. Parkinson positiv beeinflussen. Auch die Behandlung des Schlaganfalls hat durch die bildgebende Diagnostik und die bundesweite Einrichtung von Stroke Units enorme Fortschritte gemacht. Der Forschungsbedarf in der Neurologie ist jedoch weiterhin sehr groß, insbesondere Therapieoptionen degenerativer Erkrankungen wie zum Beispiel der Alzheimer-Demenz stehen ganz oben auf der Liste. Für Forschungsinteressierte bietet das Fach somit ein reiches Betätigungsfeld.

 

Neurologen gesucht!

Wer sich für eine Weiterbildungsstelle in der Neurologie interessiert, hat für die Zukunft gute Karten. Der Bedarf an Fachkräften in diesem Bereich ist schon jetzt groß und wird weiter ansteigen. Dies lässt sich vor allem durch die demographische Alterung der Bevölkerung, die mit einer erhöhten Anzahl von neurologischen Erkrankungen einhergeht, aber auch durch die Vergrößerung des Spektrums der diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen in diesem Fach erklären. Die Arbeit in der Neurologie ist also ein Job mit Zukunft - in jeder Hinsicht.

 

Weiterbildungszeit (Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer):

  • 24 Monate in der stationären neurologischen Patientenversorgung
  • 12 Monate in Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, Psychiatrie und Psychotherapie und/oder Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
  • 6 Monate in der intensivmedizinischen Versorgung neurologischer Patienten
  • Es können bis zu 12 Monate im Gebiet Innere Medizin und/oder Allgemeinmedizin, Anatomie, Neurochirurgie, Neuropathologie, Neuroradiologie und/oder Physiologie angerechnet werden
  • Es können bis zu 24 Monate im ambulanten Bereich abgeleistet/angerechnet werden.

 

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