• Steckbrief
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  • Lucia Hagmann
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  • 04.01.2012

Weiterbildung Radiologie - Röntgen und die Detektive

Für viele Medizinier stellt sich früher oder später die Frage: Welchen Facharzt soll ich machen? Wir stellen dir hier die Radiologie vor: Sie ist abwechslungsreich, zukunftsorientiert und hat hervorragende Berufsaussichten. Wer gerne einen anspruchsvollen Beruf mit planbaren Arbeitszeiten ergreifen möchte, ist bei der Radiologie genau richtig!

Arzt mit Röntgenbild - Foto: Jupiterimages

Die Grundlagen

Kernstück der Radiologie ist die Erkennung von Krankheiten mit Hilfe bildgebender Verfahren. Röntgenärzte nutzen dazu je nach Untersuchungsmethode die Eigenschaften ionisierender Strahlung (Röntgen, Computertomografie), elektromagnetischer (Magnetresonanztomografie) oder mechanischer Wellen (Ultraschall).

Zu den elementaren Diagnostikverfahren gehört die konventionelle Röntgendiagnostik. An erster Stelle stehen dabei Aufnahmen der Lunge und des Skeletts, der Brust (Mammografie) oder etwas seltener des Magendarmtraktes.

Einen wichtigen Pfeiler der radiologischen Diagnostik bilden auch schnittbildgebende Verfahren wie die Computer- oder Magnetresonanztomografie, die es ermöglichen, den menschlichen Körper Schicht für Schicht und in verschiedenen Ebenen darzustellen.

Seit den 60er Jahren ist die Ultraschalldiagnostik immer mehr in den Vordergrund gerückt. Mit ihr gelingt es zum Beispiel Bauchorgane, Schilddrüse, Brust oder Lymphknoten mit geringem Kosten- und Zeitaufwand und ganz ohne Strahlenbelastung zu untersuchen.

Sogar Bewegungsabläufe können radiologisch dargestellt werden. Dazu werden bestimmte Körperareale kontinuierlich oder in kurzer Zeitabfolge mit Röntgenstrahlen durchleuchtet.

 

Grafik vom Rücken einer Frau - Foto: Thieme Verlagsgruppe

 

So können Mediziner Schluckakt, Atmung oder Darmpassage genau verfolgen. Zur besseren Abgrenzung von Strukturen kommen häufig sogenannte röntgendichte Kontrastmittel zum Einsatz.

Je nach Einsatzort werden sie in Körpergefäße injiziert oder oral verabreicht. Auf diese Weise können Ärzte Gefäßveränderungen oder auch Erkrankungen des Magendarmtraktes detektieren.

 

Neue Wege in der Therapie

Neben der diagnostischen Radiologie entwickelt sich auch die interventionelle Radiologie rasant. Dabei führen Röntgenärzte mit Hilfe bildgebender Verfahren heute auch immer mehr therapeutische Eingriffe durch.

Über minimalinvasive Zugangswege eröffnen sie zum Beispiel verengte Gefäße (Angioplastie), zerstören Tumoren vor Ort durch Hitze, Kälte oder Laser (Tumorablation) oder legen Drainagen an, um Körperflüssigkeiten abzuleiten.

Fachärzte für Radiologie können eine Schwerpunktbezeichnung in den Fächern Kinderradiologie oder Neuroradiologie erwerben. Letztere umfasst insbesondere Untersuchungsverfahren zur Darstellung von Gehirn, Rückenmark und peripheren Nerven.

Kinderradiologen beschäftigen sich mit den speziellen Anforderungen sehr junger Patienten bei Röntgenuntersuchungen - besonders in Sachen Strahlenschutz. Die Fachrichtungen Strahlentherapie und Nuklearmedizin sind eng mit der Radiologie verbunden, sie stellen heute jedoch eigene Fachrichtungen dar.

Die Strahlentherapie befasst sich mit der Strahlenbehandlung insbesondere von Tumorerkrankungen. Nuklearmediziner setzen radioaktive Substanzen ein, um die genaue Lage oder Funktion von Organen zu bestimmen.

Radionuklide werden außerdem zu therapeutischen Zwecken angewendet, etwa bei Erkrankungen der Schilddrüse. Jeweils 12 Monate der fünfjährigen Weiterbildung zum Strahlentherapeuten bzw. Nuklearmediziner können in der Radiologie absolviert werden.

 

Arzt zeigt Patientin ein Röntgenbild - Foto: Thomas Möller

 

Jede Menge Abwechslung

Die Radiologie ist eine Schnittstelle im klinischen Alltag. Sämtliche Abteilungen in einem Krankenhaus sind auf die diagnostisch oft wegweisenden Befunde aus der Radiologie angewiesen.

So ist es nicht erstaunlich, dass Röntgenärzte täglich ein enormes Spektrum an Patienten und Krankheitsbildern sehen. Sie haben dabei engen Kontakt zu ärztlichen Kollegen aus allen Klinikbereichen.

Radiologen können sich so über eine sehr abwechslungsreiche, spannende und kommunikative Arbeit freuen. Anders als Abteilungen der unmittelbaren Patientenversorgung ist es in der Radiologie durch klare Schichtsysteme oft möglich, geregelte Arbeitszeiten einzuhalten.

Der Arbeitsalltag ist planbarer und bietet so auch Müttern ideale Berufsbedingungen. In machen Kliniken gibt es für Ärzte sogar die Möglichkeit, von zu Hause aus Bilder zu befunden.

Während der Weiterbildung rotiert ein Assistenzarzt zwischen den verschiedenen Bereichen einer Röntgenabteilung und wird so nach und nach mit den bildgebenden Verfahren und Strahlenschutzmaßnahmen vertraut.

Er lernt dabei, Röntgenaufnahmen systematisch zu beurteilen, verfasst eigene Befunde, klärt Patienten über Untersuchungen auf und führt sie durch. Wichtige Eigenschaften als Radiologe sind dabei handwerkliches Geschick, sehr gute Kenntnisse in Anatomie, räumliches Vorstellungsvermögen, Sorgfalt und Konzentrationsfähigkeit - auch nach vielen Stunden Arbeit am Bildmonitor.

 

Ärzte besprechen ein CT - Foto: Tjark Schwemer

 

Ein Manko sind die oft nur kurzen Patientenkontakte. Menschen werden von anderen Klinikabteilungen - in der Niederlassung meist vom Hausarzt - häufig nur für spezielle Untersuchungen in die Radiologie überwiesen. Danach gehen die Patienten samt Befund wieder in die Obhut ihrer behandelnden Ärzte zurück. Längerfristige Behandlungsverläufe entziehen sich so leider nicht selten der Kenntnis des Radiologen.

 

Blendende Aussichten

Die Radiologie ist ein innovatives und sich rasch weiterentwickelndes Fach. Die immer moderner werdende Technik offenbart optimale Möglichkeiten für Patienten und Untersucher: Aufnahmen werden hochauflösender und detailreicher, die Strahlenbelastung geringer und gewebeverletzende Verfahren schonender.

Oft bleiben Patienten größere Operationen erspart. Stattdessen können sie ambulant und minimalinvasiv behandelt werden. Wer heute als Radiologe arbeitet, ist weit mehr als "nur" Diagnostiker. Er kann seine Patienten mit Hilfe interventioneller Maßnahmen auch behandeln und oft sogar heilen.

Werdende Radiologen haben heute exzellente Berufsaussichten. Gefragt sind besonders Ärzte, die über erste klinische Erfahrung verfügen oder die eine Subspezialisierung anstreben.

 

Weiterbildung (Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer):

  • Die Weiterbildungszeit zum Radiologen umfasst insgesamt fünf Jahre. Ein Jahr davon kann einem angerechnet werden, wenn man entweder in den Gebieten der unmittelbaren Patientenversorgung oder in den Schwerpunktweiterbildungen des Fachs gearbeitet hat.
  • Wer über den Facharzt hinaus die Schwerpunktbezeichnung Kinder- oder Neuroradiologie erlangen möchte, muss sich zwei weitere Jahre fortbilden. 12 Monate davon können in der Kinderheilkunde bzw. in der Neurologie absolviert werden.
  • Ein spezielles Logbuch der Bundesärztekammer listet genau auf, welche Fähigkeiten werdende Radiologen sich im Laufe ihrer Weiterbildungszeit aneignen und welche Untersuchungen sie absolvieren müssen: z. B. 1000 Ultraschalluntersuchungen, 3000 Skelettaufnahmen oder 250 interventionelle Verfahren

 

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