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  • Imke Schramm
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  • 10.09.2010

Weiterbildung: Spezialisierungen in der Inneren Medizin

Allein schon die schiere Masse der Krankheitsbilder in der Inneren Medizin lässt viele junge Mediziner vor Ehrfurcht erstarren. Da kein Mensch dieses gigantische Wissen bis in seine feinsten Verästelungen beherrschen kann, haben sich acht Subspezialisierungen herausgebildet. Hier ein Überblick, welche Chancen und Inhalte diese Teilbereiche bieten.

 

Ärztin überlegt welche Facharztrichtugn sie einschlagen soll - Foto: K. Oborny

Die „Königsdisziplin“ Innere Medizin hat viele Facetten – allen diesen Teilbereichen ist allerdings gemeinsam, dass man sich über mangelnde Arbeit nicht beschweren kann.

 

Im Mittelalter war alles ganz einfach. Egal, ob einen ein Steinleiden plagte, wegen einer Herzschwäche das Wasser in die Beine sackte, in der Brust die Schwindsucht fraß oder der Kropf schwoll: Man rief den örtlichen Medicus und betete zu Gott, dass dem Heilkünstler eine Maßnahme oder "Arzeney" einfallen möge, die Erleichterung verschafft. Kein Mensch wäre auf die Idee gekommen, einen Arzt aufzusuchen, der sich explizit nur um Darm-, Herz- oder Lungenprobleme kümmert*.

Als im 18. und 19. Jahrhundert Medizinpioniere die Funktionsweise der Organe erforschten, änderte sich das schlagartig. Einer der letzten großen Generalisten, die den Menschen als Ganzes behandelten, war der Bamberger Internist Johann Lukas Schönlein. Als der junge Johann 1816 sein Studium abschloss, lag es ihm fern, sich jetzt für ein einzelnes Organsystem zu entscheiden. So erforschte er nicht nur die abdominalen Symptome des Typhus. Er beschäftigte sich auch mit Blut- und Lungenerkrankungen und prägte die Begriffe Hämophilie und Tuberkulose.

Ausführlich widmete er sich der Diagnostik von Herzerkrankungen mit dem damals gerade erfundenen Stethoskop und beschrieb als erster die rheumatische Erkrankung, die heute jeder Mediziner als Purpura Schönlein-Henoch kennt. Nur wenige Jahre nach seinem Tod begann sich die Innere Medizin dann in Teilbereiche aufzuspalten - getriggert von Entdeckungen, die völlig neue Einsichten in den menschlichen Körper erlaubten. So führte Adolf Kußmaul 1868 ein starres, mit einer Kerze beleuchtetes Rohr in den Magen eines Schwertschluckers ein und schuf so die Grundlagen der Gastroskopie.

Artur Pappenheim hob mit der nach ihm benannten Färbemethode die Blutzellforschung aus der Taufe. Röntgen entdeckte 1895 seine X-Strahlen. Und Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte Einthoven die moderne Elektrokardiografie. All diese Erkenntnisse ließen das medizinische Know-how explodieren. Für Internisten wurde es daher immer schwieriger, in allen Nischen ihres Faches top zu sein. So entwickelten sich die acht Subspezialisierungen der Inneren Medizin: Kardiologie, Gastroenterologie, Pneumologie, Hämatologie/Onkologie, Nephrologie, Endokrinologie, Rheumatologie und Angiologie.

Kardiologie: immer erfolgreicher

Junge Mediziner, die heute mit der Inneren liebäugeln, können natürlich nach wie vor auch "Allgemeininternist" werden. Ein solcher Weg hat aber einen entscheidenden Nachteil: Zwar kann man sehr wohl den Überblick über die Möglichkeiten der modernen Medizin haben. Tatsächlich anwenden kann man sie aber nur begrenzt. Viele schwere Fälle muss man an Spezialisten überweisen, die Methoden beherrschen, mit denen man diesen Krankheiten an die Wurzel gehen kann. Paradebeispiel für ein solches Verfahren ist die interventionelle Behandlung von Koronarstenosen in der Kardiologie.

Ihren "Urknall" erlebte diese Technik, als sich der Berliner Arzt Werner Forßmann 1929 an der Auguste-Victoria-Klinik in Eberswalde einen Gummischlauch in eine Armvene steckte und von dort bis in die Herzkammer vorschob. Für diese Pioniertat erhielt Forßmann 1956 den Nobelpreis. Heute ist der Herzkatheter die wichtigste diagnostische und therapeutische "Waffe" der Kardiologie. Damit sind die Möglichkeiten des Fachs aber bei weitem noch nicht ausgereizt.

Prof. Georg Ertl, der künftige Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, nennt als Beispiel die Stammzellforschung: "Sie hat unsere Kenntnisse über die Zellbiologie des Herzens schon deutlich erweitert. In den nächsten Jahren wird sich zeigen, ob sie zu neuen Therapiemethoden führt, die den Heilungsprozess und die Prognose von Herzinfarktpatienten günstig beeinflussen. Auch in der molekularen und zellulären Bildgebung erwarte ich Fortschritte."

Im klinischen Alltag behandeln die Herzspezialisten neben den Patienten mit Koronarer Herzkrankheit (KHK) auch oft Patienten mit Herzinsuffizienz. "Diese Patienten sind oft multimorbide - entsprechend muss sich jeder Kardiologe auch gut mit anderen internistischen Leiden auskennen", erklärt Prof. Ertl. Trotzdem ist die Mitarbeit am Kathetertisch natürlich ein zentraler Aspekt in der Weiterbildung: Kardiologen in spe müssen nach der Muster-Weiterbildungsordnung (WBO) 300 Linksherzkatheteruntersuchungen durchführen.

Eine weitere häufige Untersuchung ist die Echokardiografie, die in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts ihren großen Siegeszug begonnen hat. Sie muss jeder Facharztanwärter 500 Mal durchgeführt haben (Interview). Weil die KHK heute eine der wichtigsten lebenslimitierenden Erkrankungen in unserer Wohlstandsgesellschaft ist, ist die Kardio heute der größte Teilbereich in der Inneren Medizin.

Für keine andere Subspezialisierung entscheiden sich so viele junge Ärzte. Derzeit gibt es hierzulande etwa 3.800 Kardiologen. Davon arbeiten etwa 2.200 im stationären Bereich. Wer dazugehören möchte, hat gute Chancen: "Die Stellensituation ist insgesamt nicht schlecht", sagt Prof. Ertl. "Allerdings ist von Vorteil, wenn Sie schon im Studium darauf achten, Doktorarbeit und PJ-Tertial entsprechend zu wählen und hier erste Verbindungen zu knüpfen."

Gastroenterologie: immer interventioneller

Auch in der Gastro kam der große Durchbruch mit der Einführung eines Schlauchs. Lange Zeit erfolgte die Gastroskopie ausschließlich mit der von Kußmaul erprobten "Schwertschluckertechnik" - also mit einem Rohr, das durch den Ösophagus geschoben wurde. Grundlegend geändert hat sich das erst in den 1960er Jahren, als flexible Endoskope auf den Markt kamen. Heute sieht die WBO unter anderem die Durchführung von 300 Ösophago-Gastro-Duodenoskopien und 300 Koloskopien vor.

Bei diesen Prozeduren fahnden die angehenden Gastroenterologen zum Beispiel nach Entzündungen und Ulzera im Magen, Stenosen im Kolon, Divertikel im Sigma oder tumorverdächtigen Befunden im Rektum. Verdächtige Polypen werden per Schlinge beseitigt, Choledochussteinchen entfernt und Blutungen gestillt (Interview). Ein wichtiges Aufgabenfeld sind Tumoren im Magen-Darm-Trakt. Außerdem kümmert sich das Fach um die Erkrankungen des Pankreas, der Gallenwege und der Leber. Stolz sind die Gastroenterologen darauf, dass sie immer mehr bislang unheilbare Krankheiten besiegen können.

So ist die Virushepatitis heute in etwa 50% der Fälle heilbar. Auch bei den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen gibt es Fortschritte. Mit sogenannten Biologicals wie Infliximab, Antikörper, die gegen Botenstoffe wie zum Beispiel den Tumornekrosefaktor alpha gerichtet sind, kann man den Verlauf des M. Crohn deutlich verlangsamen oder sogar stoppen.

Derjenige, dem dieses Aufgabenspektrum zusagt, hat Glück: Prof. Dr. Markus Lerch, Sekretär der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten, erklärt: "Es gibt im Moment kein Fach, in dem Fachärzte so händeringend gesucht werden wie in der Gastroenterologie. Im Jahresdurchschnitt bilden wir 222 Gastroenterologen hierzulande aus, das sind aber immer noch zu wenige, um den Bedarf zu decken. Folgeeffekt ist, dass in keinem anderen internistischen Fach die Chancen größer sind, Chefarzt oder leitender Arzt zu werden."

Auch die Möglichkeiten sich niederzulassen sind ausgezeichnet. Aktuell gibt es etwa 2.000 Gastroenterologen in Deutschland. Davon arbeiten 30% als Niedergelassene. Weil das Fach so viele technisch-interventionelle Facetten hat, rät Prof. Lerch jungen Kollegen für die Weiterbildung unbedingt an ein technisch versiertes Haus zu gehen.

Auch dass die gastroenterologische Tumortherapie dort durchgeführt wird, sei ein Auswahlkriterium. "Künftig könnte es immer wichtiger werden, einen Teil der Weiterbildung an einer Uniklinik oder einem Krankenhaus der Maximalversorgung zu absolvieren", erklärt der Gastroenterologe. "In Ländern wie Italien oder der Schweiz ist dies bereits Pflicht!"

Pneumologie: immer intensiver

Was für die Kardiologen der Herzkatheter und für die Gastroenterologen das Koloskop, ist für die Pneumologen das Bronchoskop. Was sie dort sehen, ist oft nicht erfreulich. Pneumologen behandeln häufig Bronchialkarzinome. Weitere Krankheitsbilder sind zum Beispiel das Asthma bronchiale, die COPD, Pneumonien und die Mukoviszidose. Wichtige Untersuchungstechniken sind neben der Bronchoskopie die Spirometrie, Lungenfunktionstests, transösophageale Sonos und Allergietests der Atemwege (Interview).

Die Punktion der Pleura gehört ebenfalls zu den Aufgaben eines Lungenfacharztes. Für ihren Titel müssen Facharztanwärter neben 100 Bronchoskopien zum Beispiel auch 50 Pleuradrainagen bzw. Punktionen der Lunge und pulmonaler Raumforderungen sowie 500 Ganzkörperplethysmografien durchführen.

Ist dieses Pensum absolviert, können auch die jungen Lungenfachärzte auf weit ausgebreitete Arme hoffen: "Die Stellensituation ist sehr gut", betont Prof. Dieter Köhler, Ex-Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin. "Als Pneumologe hat man zudem den Vorteil, dass man brillante Möglichkeiten in der Niederlassung hat."

In Deutschland arbeiten etwa 1.000 Pneumologen, etwa die Hälfte davon in eigener Praxis. Ein wichtiges Thema in der Pneumologie ist der Ausbau der intensivmedizinischen Betreuung. "Viele pneumologische Kliniken haben jetzt auch große Intensivstationen und die volle Weiterbildung für Intensivmedizin", erklärt Prof. Köhler. "Das macht das Fach auch für intensivmedizinisch interessierte Ärzte attraktiv."

Hämatologie und Onkologie: immer ambulanter

Anders als die Kardiologen, Gastroenterologen und Pneumologen, die jeweils für bestimmte Organe zuständig sind, behandeln Ärzte für Hämatologie und Onkologie Krebserkrankungen des ganzen Körpers. Dazu gehören Erkrankungen des Blutes, der blutbildenden Organe, des lymphatischen Systems und sogenannte solide Tumoren (Interview). Auf dem Weg zum Facharzt sind unter anderem jeweils 500 periphere Blut- und Knochenmarksausstriche zu befunden. Zudem müssen 1.500 solide Tumorerkrankungen und 500 hämatologische Neoplasien behandelt werden.

Die Geburtsstunde der Hämatologie als eigenständiges Fach schlug 1908, als einige Berliner Internisten - unter anderem der Blutausstrichfärber Pappenheim - in der Hauptstadt die Berliner Hämatologische Gesellschaft gründeten. Die Onkologie, die Lehre von der Diagnostik und Behandlung von Krebs, wurde erst später an das Fach angedockt. "Die Anfänge der Onkologie liegen in der Etablierung der Chemotherapie des Lymphdrüsenkrebses in den 70er Jahren", erklärt Dr. Friedrich Overkamp, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie.

Spät gestartet, hat sich gerade dieser Teilbereich des Faches besonders rasant entwickelt. "Die Krebsmedizin hat unglaubliche Fortschritte gemacht", erklärt Dr. Overkamp. "Es gibt in der ganzen Medizin kein Fach, das in den letzten Jahren so viele Innovationen hervorgebracht hat wie die medikamentöse Tumortherapie. Die Therapien sind verträglicher und wirken besser, die Infusionszeiten sind kürzer." Viel verspricht sich Dr. Overkamp von der Einführung der individualisierten Tumortherapie. Dabei handelt es sich um Medikamente, die auf einen speziellen Tumor und den Patienten "maßgeschneidert" sind.

Ein weiterer Trend ist, dass Krebspatienten heute oft nicht mehr stationär behandelt werden müssen. "Die Onkologie hat sich sehr in den ambulanten Bereich verlagert", sagt Dr. Overkamp. "90% der Patienten können über weite Strecken in Praxen behandelt werden." So haben die über 500 niedergelassenen Fachärzte für Hämatologie und Onkologie viel zu tun.

Und da Deutschland nach wie vor nicht flächendeckend versorgt ist, ergeben sich für Nachwuchskräfte Niederlassungschancen im ländlichen Bereich. Auf der anderen Seite ist Dr. Overkamp wichtig, dass die klinische Versorgung nicht vernachlässigt wird: "Auch die Unikliniken und die spezialisierten akademischen Lehrkrankenhäuser brauchen gute Nachwuchskräfte", betont er. "Denn einige Spezialtherapien können nur in diesen Häusern durchgeführt werden."

Quo vadis Innere?

Damit ist die Liste der Subspezialisierungen noch lange nicht vollständig. Weitere, die gewählt werden können, sind die Nephrologie, die Endokrinologie, die Rheumatologie und die Angiologie (Kasten). Allen Fächern gemeinsam ist, dass es prinzipiell zwei Weiterbildungswege gibt. Der direkte Weg geht über zwei Stufen und dauert 72 Monate. Darin sind zunächst 36 Monate stationäre "Basis-Innere" im Gebiet Innere Medizin und Allgemeinmedizin zu absolvieren.

Danach arbeitet man noch weitere 36 Monate in einem der acht Schwerpunktfächer. Oberflächlich betrachtet ist dieser rasche Weg zum Spezialist eine runde Sache. Doch es gibt auch Kritik: "Meiner Meinung nach droht hier die Überspezialisierung", moniert zum Beispiel Kardiologe Prof. Ertl. Er erinnert an die Möglichkeit, erst fünf Jahre den Allgemeininternist zu machen und dann noch drei Jahre Spezialisierung anzuhängen. Ohnehin ist die Gefahr groß, dass der Spezialisierungstrend sich noch weiter verschärft.

Kein Mensch kann heute absehen, ob sich das eine oder andere Fach in Zukunft nicht noch weiter aufspalten wird. Johann Schönlein hätte es sich wahrscheinlich auch nicht träumen lassen, dass seine geliebte Innere Medizin nur wenige Jahre nach seinem Tod in acht Spezialfächer zerlegt sein würde. Vielleicht gibt es in 20 Jahren einen Facharzt für Elektrophysiologie? Oder einen Facharzt für Innere Medizin und transluminale endoskopische Chirurgie? Oder einen Onkologen, der sich ausschließlich um individualisierte Therapieverfahren bei Krebspatienten kümmert?

Eines steht fest - unabhängig davon, ob sich die Facharztbezeichnungen noch weiter "atomisieren": Egal, wie speziell das Wissen eines Spezialisten auch immer sein mag, jeder Kardiologe, Gastroenterologe und Nephrologe wird immer auch das Basiswissen aus den anderen Teilbereichen benötigen. Denn so faszinierend all die technologischen und pharmakologischen Innovationen in den verschiedenen Bereichen auch sein mögen - jeder innere Mediziner muss die Bereitschaft haben, hin und wieder einen Schritt zurückzutreten und den ganzen Patienten zu betrachten. Sonst ist er kein Arzt, sondern ein Techniker.

Weiterbildungsassistenten im Interview

Kardiologie

PD Dr. med. Constantin von zur Mühlen ist Facharzt für Innere Medizin und arbeitet in der Abteilung für Kardiologie an der Uniklinik Freiburg.

Wie sind Sie zur Kardiologie gekommen?
Dr. von zur Mühlen:
Ich habe mich in meiner Doktorarbeit mit dem Postinfarkt-Remodeling bei der Ratte beschäftigt. Die Krankheitsbilder, die ich da kennengelernt habe, haben mich fasziniert. Häufig sind das akute Erkrankungen, bei denen man auch akut etwas tun kann und sofort den Erfolg einer Therapie sieht.

Behandelt man als Kardiologe auch noch andere Krankheiten außer Infarkten?
Dr. von zur Mühlen:
Natürlich sind akute Infarkte und die KHK in der Kardiologie wichtig. Daneben behandeln wir aber zum Beispiel auch Klappenvitien. Aortenstenosen werden immer häufiger. Viele Patienten kommen mit Rhythmusstörungen, wie Vorhofflimmern ...

Gibt es Untersuchungen, die Ihnen besonders Spaß machen?
Dr. von zur Mühlen:
Ja, zum Beispiel die Herzkatheteruntersuchung, hier kann man therapeutisch besonders viel bewirken. Auch die Echokardiografie macht sehr viel Spaß. Diese Untersuchung erlaubt einem optisch schöne Einblicke in die Funktion des Herzens. Zudem liefert sie sehr konkrete Informationen über die Klappenfunktion oder die Beweglichkeit
der Herzwände.

Wie gut sind heute die Ergebnisse bei interventionellen Eingriffen bei der KHK?
Dr. von zur Mühlen:
Sehr gut. Man kann interventionell immer mehr machen - unter anderem dank medikamentenbeschichteter Stents. Wir trauen uns heute Patienten zu behandeln, die man vor zehn Jahren noch zum Chirurgen geschickt hätte. Zum Beispiel setzen wir heute auch Stents in den Hauptstamm.

Was sind die neuesten Trends in der Kardio?
Dr. von zur Mühlen:
Relativ neu ist, dass man jetzt die Mitralinsuffizienzen per "Mitralclipping" versorgen kann. Eine Art Clip hält hier die Mitralsegel zusammen, was die Insuffizienz reduziert. Auch die Pulmonalvenenisolation ist ein großer Fortschritt, da man damit Patienten mit Vorhofflimmern eine orale Antikoagulation ersparen kann. Dabei verödet man mittels Katheterablation Areale um die Lungenvenen, so dass das Vorhofflimmern sich nicht weiter ausbreiten kann.

Gastroenterologie

Dr. med. Konrad Iffland ist Internist und angehender Gastroenterologe. Die ersten Jahre seiner Weiterbildung hat er am Klinikum Nürnberg verbracht.

Wie sind Sie zur Gastro gekommen?
Dr. Iffland:
Meinen ersten Kontakt mit dem Fach hatte ich bei meiner Doktorarbeit im Gastro-Labor. Danach habe ich mein Innere-PJ in einer gastroenterologischen Abteilung gemacht. Dabei fiel mir rasch auf, wie spannend das interventionelle Arbeiten ist. Als Gastroenterologe kann man vielen Patienten durch minimalinvasive Eingriffe relativ schnell helfen - zum Beispiel bei Blutungen. Magen- und Darmspiegelungen machen mir ebenfalls Spaß. Wenn man sich einmal niederlassen möchte, ist das das A und O!

Was sind die häufigsten Krankheitsbilder, die Sie behandeln?
Dr. Iffland:
Sehr häufig behandeln wir Ulzera oder Blutungen im oberen Verdauungstrakt. Hinzu kommen Patienten mit chronischen Durchfallerkrankungen, bei denen wir herausfinden müssen, ob sie zum Beispiel an Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa leiden. Zum Alltag gehören auch Patienten mit Tumoren oder Leberzirrhose.

Was sind häufige Untersuchungen?
Dr. Iffland:
Nummer eins ist die Gastroskopie. Sie wird bei Patienten durchgeführt, die Oberbauchbeschwerden haben, Blut erbrechen oder Teerstuhl absetzen. An zweiter Stelle steht die Koloskopie. Platz drei belegt die ERCP. Sie ist bei einer Choledocholithiasis indiziert. Das tolle daran ist, dass wir mit Instrumenten, die wir über das Endoskop vorschieben, direkt den Abfluss der Galle wiederherstellen können. Ist die Papille zu eng, können wir sie mit einem Papillotom auf-weiten. Immer wichtiger wird die Endosonografie. Im Rahmen der ERCP kann man sogar einen intraduktalen Ultraschall durchführen.

Kam es Ihnen nie komisch vor, sich mit einem Endoskop durch den Darm eines anderen Menschen zu bewegen?
Dr. Iffland:
Nein. Sicher braucht man eine gewisse "Abhärtung". Es sollte einen auch nicht erschrecken, mal in Erbrochenes reinzulangen. Aber das Schöne überwiegt in diesem Fach ganz eindeutig.

Gibt es etwas, was Ihnen an der Gastroenterologie nicht gefällt?
Dr. Iffland:
Abgesehen von den in allen Fächern üblichen Ärgernissen wie Zeitmangel, Bürokratie und Dokumentationspflichten? Nein.

Pneumologie

Dr. med. Ralf Freund ist Facharzt für Innere Medizin und in der Thoraxklinik Heidelberg in der Weiterbildung zum Pneumologen.

Womit beschäftigen Sie sich hauptsächlich?
Dr. Freund:
Wir behandeln vor allem Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) und Bronchialkarzinomen. Häufig sind auch die Lungen-Tbc, Lungenfibrosen und die Mukoviszidose. Die wichtigste Untersuchung ist die Bronchoskopie. Damit lassen sich Eng-stellen der Atemwege darstellen, gleichzeitig können wir endo- oder transbronchiale Biopsien durchführen. Zusammen mit Kollegen der Chirurgie planen wir auch videoassistierte Thorakoskopien oder Mediastinoskopien. Auch die kardiopulmonale Funktionsdiagnostik wie die Lungenfunktionsprüfung und die Spiroergometrie führen wir häufig durch.

Stört es Sie, dass Sie sich in Ihrem Job nur mit einem einzigen Organ beschäftigen?
Dr. Freund:
Nein. Es macht Spaß, ein Gebiet zu haben, in dem ich mich be-sonders gut auskenne. Außerdem gibt es ja auch pulmonale Krankheitsbilder, die auch andere Organe betreffen, wie zum Beispiel die pulmonale Hypertonie oder die Vaskulitis bei der Wegenerschen Granulomatose.

Gibt es neue Trends in der Pneumologie?
Dr. Freund:
Neu ist zum Beispiel die endo-skopische Lungenvolumenreduktion durch Ventilimplantation bei COPD-Patienten mit schwerem Emphysem. Hierbei platziert man ein Ventil in einen Lappenbronchus, um künstlich eine Atelekase herbeizuführen. Man verkleinert so das Lungenemphysem und die Luft kann in den verbleibenden Lungenbereichen besser genutzt werden. Beim Bronchialkarzinom überleben dank neuer Chemotherapiesubstanzen immer mehr Patienten immer länger. Weil dieser Krebs häufig leider erst spät entdeckt wird, ist er allerdings nach wie vor eine der am schwers-ten zu behandelnden Tumorerkrankungen.

Gibt es etwas, was Ihnen nicht gefällt?
Dr. Freund:
Viele der Patienten, die wir betreuen, müssten eigentlich gar nicht krank sein. Krankheiten wie COPD und Lungenkrebs würden sehr viel seltener auftreten, wenn die Menschen weniger rauchen würden. Dass trotzdem Tag für Tag Patienten mit diesen Leiden kommen, macht einen schon traurig.

Hämatologie und Onkologie

Dr. med. Grit Sprie ist Assistenzärztin in der Abteilung für Hämatologie und Onkologie der Uniklinik Köln.

Welche Krankheitsbilder sehen Sie am häufigsten?
Dr. Sprie:
Das sind akute Leukämien und Lymphome wie das Hodgkin-Lymphom. Auch die chronisch lymphatische Leukämie sehen wir oft. Solide Tumoren, wie Kolon- und Bronchialkarzinome, sind auf Station seltener, da man sie inzwischen gut ambulant behandeln kann.

Was macht Ihnen bei Ihrer Arbeit am meisten Spaß?
Dr. Sprie:
Angesichts der schweren Krankheiten unserer Patienten möchte ich eigentlich nicht von Spaß reden. Aber das Fach hat einige Aspekte, die es für mich interessant und spannend machen: Derzeit ist man zum Beispiel dabei, zu erforschen, inwieweit man aufgrund genetischer Merkmale bei einer Leukämie Aussagen über die Prognose machen kann.
Zudem gefallen mir die praktischen Tätigkeiten, wie beispielsweise Knochenmark- und Lumbalpunktionen.

Würden Sie die Weiterbildung an einer Uniklinik empfehlen?
Dr. Sprie:
Einen Teil der Weiterbildung sollte man auf jeden Fall an der Uniklinik machen. Hier bekommt man zum Beispiel mit, wie eine allogene Stammzelltransplantation abläuft. Sie wird bereits bei immer mehr Menschen durchgeführt. Derzeit hat diese Therapieform eine Mortalität von 20 bis 25 Prozent. Dank supportiver Maßnahmen, wie dem Einsatz von Antibiotika, Virostatika und Antimykotika, wird man künftig aber immer mehr Menschen erfolgreich behandeln können.

Wie aufwendig ist die Therapie von Leukämie-Patienten?
Dr. Sprie:
Die Behandlung einer akuten Leukämie dauert mehrere Monate, manchmal auch mehrere Jahre. Die Chemotherapie bewirkt eine Aplasie. Da die Zellproduktion sinkt, werden viele Patienten transfusionspflichtig. Manchmal treten auch schwere Infektionen auf. In dieser Phase müssen die Patienten in der Klinik engmaschig überwacht und betreut werden.

Beschäftigen Sie manchmal Schicksale Ihrer Patienten auch noch zu Hause ?
Dr. Sprie:
Ja. Ab und zu. Wenn Patienten deutlich jünger sind als man selbst oder wenn sie kleine Kinder haben, nimmt einen das schon mit.

Weitere Teilgebiete der Inneren Medizin

Nephrologie: Auch die Nephro ist ein wichtiges Teilgebiet. Nephrologen behandeln akute und chronische Nierenerkrankungen. Dazu gehören
u. a. die Nephrolithiasis, Glomerulonephritiden, die diabetische Niereninsuffizienz und das Nierenzellkarzinom. Ein wichtiges Thema sind die Nierenersatzverfahren: Facharztanwärter müssen z. B. 2.000 Hämodialysen oder analoge Verfahren und 25 Nierenbiopsien durchführen. Zudem müssen sie Patienten vor und nach einer Nierentransplantation fachkundig betreuen können.

Rheumatologie: Die Rheumatologie befasst sich mit entzündlichen sowie degenerativen Wirbelsäulen- und Gelenkerkrankungen. Ein weiterer Bereich sind rheumatologisch-immunologische Erkrankungen wie der systemische Lupus erythematodes und die Riesenzellarteriitis. Auch Osteopathien wie der Morbus Paget und entzündliche Muskelerkrankungen wie die Polymyositis oder die verschiedenen Formen der Vasculitis allergica (z. B. Purpura Schönlein-Henoch)
fallen in dieses Fachgebiet.

Endokrinologie: Endokrinologen behandeln Erkrankungen des Hormonsystems. Beispiele sind der Diabetes mellitus, Schilddrüsenerkrankungen, das Cushing-Syndrom oder der Morbus Addison. Der Richtlinienkatalog fordert viele Stimulations- und Suppressionstests bei endokrinologischen Erkrankungen. Auch die Ernährungsberatung beim "metabolischen Syndrom" und anderen Stoffwechselschieflagen gehört dazu.

Angiologie: Die Angiologie ist ein "junges" und kleines Fach in der Inneren Medizin. Die erste Klinik für Angiologie gründete Max Ratschow vor über 50 Jahren in Darmstadt. Heute behandeln Angiologen Erkrankungen der Arterien, der Venen und der Lymphgefäße. Typische Krankheitsbilder sind beispielsweise die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK), Aneurysmen, Venenthrombosen, die Varikosis und die Lymphangitis. Vor allem im Bereich der interventionellen Angiologie (PTA, Stents …) und der Gefäßdiagnostik (Angiografien, Doppler-Sono …) überschneidet sich das Fach mit der interventionellen Radiologie.

Links zu den Gesellschaften

Deutsche Gesellschaft für Kardiologie

Deutsche Ges. für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten

Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin

Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie

Deutsche Gesellschaft für Nephrologie

Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie

Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie

Deutsche Ges. für Angiologie / Gesellschaft für Gefäßmedizin

Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin

Bundesärztekammer

 

* Die Ägypter waren vor 3.000 Jahren übrigens schon mal weiter als die Kollegen im europäischen Mittelalter: Der griech. Historiker Herodot berichtete im 5. Jhd. v. Chr. über die Heilkunst ägyptischer Ärzte: „Ihre Heilkunst ist auf-geteilt. Jeder Arzt behandelt nur eine bestimmte Krank-heit. Da sind Ärzte für die Augen, für den Kopf, für die Zähne, für den Leib und für innere Organe ...“

 

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