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  • 02.11.2017

Aderlass

© kasto - Fotolia.com

Nach sechs Monaten Probezeit ist es endlich soweit: Ich habe zum allerersten Mal richtig Urlaub. Der Wecker bleibt also vorerst aus und ich habe Zeit für all die Dinge, die meistens nicht in den knappen Feierabend passen. Wie zum Beispiel das Blutspenden. Als Assistenzärztin im Fach Anästhesie und Intensivmedizin befasse ich mich im OP fast täglich mit den Fragen, ob ein Patient stark blutet und ob ich vielleicht Erythrozytenkonzentrate – also rote Blutkörperchen – aus der Blutbank für diesen Patienten bestellen soll. 

Da ich derzeit in der Unfallchirurgie eingesetzt werde, kommt das häufiger vor als man denkt. Leider übersteigt deutschlandweit derzeit der Bedarf an Blutprodukten deutlich das Angebot. Zwar sieht man immer noch Schlangen vor den Blutspendemobilen auf Märkten oder in der Fußgängerzone. Folglich gibt es also schon freiwillige Spender. Allerdings haben viele positive Entwicklungen der modernen Medizin auch dazu geführt, dass schwerstkranke Menschen länger leben, und dann auch länger eine adäquate Therapie oder Operationen, für die man auch Blutprodukte benötigt, brauchen. 

Um einen kleinen Beitrag zu leisten, spende ich regelmäßig in meinem Uniklinikum Blut. ich würde nicht behaupten, dass ich den „Piekser“ in die Fingerbeere zur Eisenwert-Kontrolle und die Venenpunktion zum Aderlass genießen kann. Auch wenn ich jeden Tag mehrmals Venen und Arterien punktiere, fühlt es sich doch anders an, auf der Patientenseite zu liegen. Jedes Mal vor der Spende bin ich total aufgeregt und kann nicht hingucken, wenn die Arzthelferin versucht, eine Vene zu treffen. 

Als junger Mensch sind meine Blutgefäße zwar noch in passabler Verfassung, weh tut es aber trotzdem, wenn auch nur für einen kurzen Moment. Liegt die Nadel dann sicher in der Ellenbeuge, versuche ich durch Pumpen der Hand mit Hilfe eines Schaumstoff-Balles den Blutfluss deutlich zu beschleunigen, damit es schnell vorbei geht. Diesmal habe ich sogar nur fünf Minuten gebraucht, bis der Beutel voll war. 

Da mein Kreislauf die Spende immer gut wegsteckt, konnte ich gleich im Anschluss ein leckeres Spendermahl in der Cafeteria der Blutbank genießen. Und zusätzlich zu diesem Service wird auch noch mein Blut gründlich untersucht. Was will man also mehr? Eine gute Tat mit positiven Begleiteffekten. Wenn das kein Grund ist, selbst mal einen Aderlass zu wagen? Nur Mut – Spende Blut!

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