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  • 18.12.2017

Weihnachtsfeier

© Thieme Verlagsgruppe/Renate Stockinger


Heute ist unsere große Weihnachtsfeier, und das Wetter sieht alles andere als einladend aus. Eine Mischung aus Schnee und Regen klatscht gegen mein Dachfenster in der Küche, die letzte Arbeitswoche sitzt tief in meinen Knochen. Eigentlich wäre dieser Samstag optimal, um den ganzen Tag im Schlafanzug in der Bude zu bleiben und ein paar Filme zu gucken. 

Aber wenn die Party dann doch gut werden sollte und später Kollegen davon berichten, würde ich mich sicher ärgern. Außerdem ist die Weihnachtsfeier ja nur einmal im Jahr. Für ein oder zwei Stunden Präsenz zu zeigen, sollte da nicht schaden. Wer weiß? Vielleicht wird es ja sogar nett. Nachdem ich mich jetzt doch für die Teilnahme entschieden habe, stehe ich vor zwei Problemen: Zum einen weiß ich nicht, was ich anziehen soll. Und dann kenne ich bislang nur eine Hand voll Kollegen unserer riesigen Abteilung. 

Um Problem Nummer 1 zu lösen, hole ich mir Tipps von einer Ärztin, die ich aus meiner Einarbeitungsphase kenne und die schon einmal auf der Weihnachtsfeier gewesen ist. Demnach wäre der Dress Code eher „festlich“ und einige Kolleginnen wären auch schon mal im Cocktail Kleid erschienen. Meine Wahl fällt auf eine schlichte Rock-Shirt-Lederjacken-Kombi in Schwarz. Festlicher als die OP-Kleidung und dazu auch nicht zu auffällig. Schließlich möchte ich ja keinen Oberarzt abschleppen. 

Das zweite Problem löst sich auf der Party selbst: Mit steigendem Alkohol-Pegel komme ich mit einigen Kolleginnen und Kollegen ins Gespräch, nach drei Stunden bin ich Mitglied einer kleinen Gruppe und wir gehen tanzen. Nach alter Tradition haben alle Anfänger einen kleinen Auftritt vorbereitet, bei dem natürlich auch der Chefarzt mitspielen soll. Ein Kollege moderiert das Spiel „Activity“ und steckt den Chef ins „rosa Team“. Ich merke jetzt langsam den köstlichen Rotwein und schnappe mir einen machbaren Job während des Gruppenspiels: Ich bin die Stoppuhr, schaue gebannt auf mein Handy und rufe alle 90 Sekunden einmal laut „Stopp“ in den Saal. Das klappt an sich ganz gut, und nach einer knappen halben Stunde haben alle Neuen die Feuertaufe überstanden. 

Es wird wieder lauter, die älteren Kollegen und Oberärzte verabschieden sich, und die Tanzfläche wird voller. Aus den ein bis zwei Stunden ist dann doch der ganze Abend geworden. Und auch wenn ich mit der Abteilung noch nicht 100 prozentig warm geworden bin – ich kenne einfach viele Kollegen noch gar nicht – war es ein guter Anfang. 

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