• Blog
  • |
  • Karla
  • |
  • 02.01.2018

Bereitschaftsdienst, Teil 1

Bei 9°C Außentemperatur fehlt mir jegliches Weihnachtsfeeling, an Heiligabend muss ich zeitig ins Bett, die Bescherung wird auf einen Kurzbesuch von der Familie abgespeckt. Der Grund? Am ersten Weihnachtsfeiertag winkt ein kurzfristig zugeteilter Bereitschaftsdienst in unserer besinnlichen Uniklinik.

Während die meisten anderen Bürger noch mit vollen Bäuchen in den Federn liegen, schwinge ich mich um 7 Uhr morgens auf mein Rad und habe die menschenleere Großstadt fast für mich alleine. Nach einer kurzen Lagebesprechung im Gemeinschaftsraum werde ich zu einem alt bekannten Ort geschickt: dem unfallchirurgischen Notfallsaal. Meine erste Patientin ist eine junge Frau um die 20 mit dezentem Übergewicht und „Zustand nach Sturz unter Sekt-Einfluss“. 

Als ich diese „Diagnose“ im Aufklärungsprotokoll lese, werde ich neugierig und frage nach. Sie erzählt, dass sie als Gast mit leichtem Schwips auf einer Hochzeit den Brautstrauß fangen wollte. Leider habe sie aber das Gleichgewicht verloren und sich ganz unglücklich das obere Sprunggelenk gebrochen. Und so liegt sie inzwischen seit drei Tagen in der Klinik und erwartet nun ihr zweites Wund Débridement – also eine gründliche Reinigung der bereits operativ versorgten offenen Fraktur. Da die junge Frau keine wesentlichen Vorerkrankungen oder Allergien mitbringt, verlaufen Narkose und OP zügig und komplikationslos.

Auch mein nächster Patient ist streng genommen kein dringlicher Notfall. Bei einem Radunfall hat er sich einen Wirbelkörper gebrochen und wartet nun schon seit einigen Tagen auf die operative Stabilisierung dieses Bruches. Mein heutiger Chef scheint nichts gegen das Abarbeiten von „liegen gebliebenen“ OPs zu haben, und so schicke ich auch dieses Sturzopfer in das Land der Träume. Da die Chirurgen in Bauchlage operieren möchten, und der Mann an die 100 kg wiegt, ist diese Narkose-Einleitung schon um einiges anspruchsvoller als bei dem Mädel mit dem Sekt-Unfall. 

Meine Pflegekraft ist sehr kompetent und hilfsbereit, und selbst das Intubieren mit einem speziellen Spiraltubus klappt problemlos. Mittlerweile schlägt die Uhr Mittag und ich bin noch guter Dinge, auch die verbliebenen 20 Stunden bis zum nächsten Morgen durchzustehen. Die Wirbelsäulen-OP läuft über drei Stunden, und so komme ich auch zwischendurch dazu, einmal in mein Pausenbrot zu beißen. Eigentlich ganz entspannt, so ein Feiertags-Bereitschaftsdienst! Könnte so weitergehen. Ging es aber nicht. Aber dazu mehr im zweiten Teil … 

Mehr zum Thema

Blog: Die Freuden der Fortbildung

Blog: Teamarbeit

Blog: Influenza

Schlagworte