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  • Karla
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  • 30.01.2018

„Es ist ein Junge!“

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Ich habe Spätdienst und löse am Nachmittag einen Kollegen im HNO-OP ab. Die Patientin wird schon seit Mittag operiert und bekommt als fortschrittliche Hörprothese ein Cochlear Implantat auf der linken Seite. Als ich in den Saal komme, ist die Chirurgin schon auf dem „Rückzug“. Die Narkose läuft komplikationslos und ich habe die Zeit, um bei dieser spannenden OP zuzusehen. Zwei Stunden später sind wir fertig. Die schon etwas betagte Dame wacht recht schnell auf und zusammen mit meiner Pflegekraft fahre ich sie rüber in den einzigen noch besetzen Aufwachraum drüben im Transplantationszentrum. 

Danach bin ich erstmal arbeitslos und nutze die räumliche Nähe des Aufwachraumes zum Kreissaal. Mal schauen, ab zufällig gerade ein Baby geboren wird. Ich habe Glück: Der heutige Sectio-Dienst bereitet eine Schwangere auf die Spinalanästhesie für einen geplanten Kaiserschnitt vor. Die Schwangere sitzt in Katzenbuckel-Haltung auf dem OP-Tisch, die Ärztin injiziert das Lokalanästhetikum in den Spinalraum. Dann wird die Patientin in leichter Linksseitenlage gebettet und bekommt eine engmaschige Blutdrucktherapie. 

Schwangere neigen nämlich dazu, mit Blutdruckabfall auf die Spinalanästhesie zu reagieren. Die heutige Patientin hält sich aber tapfer und so fangen die Frauenärzte an mit dem Kaiserschnitt. Das ist wohl schon der dritte bei der Patientin, der Bauch ist ziemlich dick. Aufgrund der Voreingriffe treffen die Ärzte auf Verwachsungen. Das Präparieren bis zur Gebärmutter dauert dementsprechend etwas länger. Als sie die Fruchtblase zum Platzen bringen, ergießen sich mehrere Liter Fruchtwasser über den Fußboden. 

Die Patienten hatte ein sogenanntes „Polihydramnion“, also sehr viel Fruchtwasser im Bauch. Der Grund war wohl ein vorbekannter Schwangerschaftsdiabetes der Mutter. Mit dem Baby, das wenige Sekunden später geboren wird, ist aber alles in Ordnung. Es schreit kräftig und nimmt schnell eine rosige Hautfarbe an. „Es ist ein Junge. Ich gratuliere!“sagt der Frauenarzt und legt der Mutter das Neugeborene in die Arme. Danach wird noch die Plazenta geboren, das Baby kommt zur Erstuntersuchung in den Nebenraum. Ich liebe Geburten. Was für ein schöner Spätdienst! 

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