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  • 13.03.2018

Teamarbeit

Der Feierabend naht, meine aktuelle OP ist beendet, der Patient wieder fit genug für den Aufwachraum. Da ich offiziell erst in gut einer Stunde nach Hause gehen kann, nutze ich die Gunst für eine kurze Kaffeepause und rufe unseren diensthabenden Arzt an. Es ist 19 Uhr, ich habe Spätdienst. Mit etwas Glück, hat er keine weitere Aufgabe. „Hallo Karla! Gut, dass du anrufst. Wir haben noch eine Patientin auf Station 6. Die soll heute noch eine Harnleiterschiene bekommen und braucht eine Aufklärung. Danach kannst du gehen!“, sagt der Oberarzt und ich begebe mich zum Fahrstuhl. 

Auf den urologischen Stationen herrscht eigentlich immer ein gutes Arbeitsklima. Die Schwestern sind hilfsbereit und die ärztlichen Kollegen immer sehr kooperativ, was man von den Chirurgen nicht immer behaupten kann. Als ich auf Station 6 eintreffe, werde ich vom urologischen Assistenzarzt bereits sehnsüchtig erwartet: „Gut, dass du da bist. Die Patientin braucht sicher einen zentralen Zugang. Ich komme an die Venen nicht dran. Sie ist geistig schwer behindert und schreit immerzu. Ihr Vater ist bei ihr.“, berichtet mein Kollege mit einem Hauch von Verzweiflung in der Stimme. 

„Also bevor wir einen zentralen Zugang anordnen, sollten wir es vielleicht nochmal gemeinsam mit der peripheren Variante versuchen. Ich habe gerade ein bisschen Zeit. Wir können ihn gemeinsam legen. Du hältst den Arm fest, ich lege den Zugang.“ schlage ich vor. Er ist sofort einverstanden und wir gehen zur Patientin. Der Vater klärt mich über die Anamnese auf und gibt sein Einverständnis zur geplanten Aktion. Eine Schwester hilft mit und bringt uns alle benötigten Utensilien. 

Der Urologe hält den Arm und ich versuche, die schreiende Frau zu beruhigen. Nach ein paar Minuten wird sie ruhiger und ich lege beim ersten Versuch einen kleinen peripher venösen Zugang in eine Vene am rechten Unterarm. Damit sich die Patientin den neuen Zugang nicht selbst entfernt, wickeln mein Kollege und die Schwester den Arm mit einem dicken Mullverband ein. Währenddessen mache ich mit dem Vater, der der Vormund seiner Tochter ist, die Narkoseaufklärung. Der Urologe ist überglücklich und bringt mir einen Kaffee. Das nenne ich echte Teamarbeit! Jetzt kann der Feierabend kommen. 

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