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  • 29.08.2018

Auf einen Schlag ist alles anders

Es war ein ganz normaler Dienstag, und der zuständige Oberarzt hatte mich für die Anästhesieambulanz eingeteilt. Ich bekam also ein Zimmer und klärte von morgens bis abends verschiedene Patienten über den  Ablauf und die Risiken einer Narkose auf. Dadurch, dass ich nicht im OP saß, machte ich ausnahmsweise pünktlich Feierabend und fuhr noch eine Runde zum Sport. In der Umkleide bemerkte ich auf meinem Handy mehrere Anrufe in Abwesenheit von meiner Schwester. Dazu kam eine relativ kryptische Textnachricht, die irgendeinen Zwischenfall mit meinem Vater andeutete.

Ich versuchte direkt zurückzurufen, konnte sie aber nicht erreichen. Ich ging also zunächst unter die Dusche und versuchte es vor dem Heimweg ein zweites Mal. Diesmal hatte ich Glück. Meine Schwester war völlig aufgelöst und berichtete, dass mein Vater von einem Rettungswagen ins Klinikum gebracht worden sei. Er wäre wohl bei Bewusstsein, aber auf einer Intensivstation. Mehr wüsste sie nicht, sie würde noch auf dem Gang vor der Intensivstation warten. Dazu weinte sie und war völlig fertig mit den Nerven.

Da stand ich nun, frisch geduscht in einer anderen Stadt und völlig überrumpelt von dieser Situation. Natürlich habe ich jeden Tag Patientenkontakt und werde mit verschiedensten Schicksalen konfrontiert. Aber betrifft es einen selbst oder jemand Nahestehenden, gerät man dennoch völlig aus der Fassung. Das aktuelle Problem war, dass weder meine Schwester noch ich irgendwelche Informationen hatten, wie es meinem Vater geht oder was überhaupt passiert war. Ich überlegte, was ich aus der Ferne tun könnte.

Ich googelte die zentrale Nummer des Klinikums und rief dort zunächst beim Pförtner an. Um zum diensthabenden Notfallarzt durchdringen zu können, gab ich mich als ärztliche Kollegin der Medizinischen Hochschule zu erkennen, verlangte nach dem diensthabenden Neurologen und begründete dies mit der Besprechung über einen gemeinsamen Patienten. Das war natürlich nicht hundertprozentig wahr, aber nur so konnte ich sofort mit dem zuständigen Arzt sprechen.

Mein Plan ging auf und ich hatte einen Neurologen am Hörer. Demnach hatte mein Vater eine Gehirnblutung und lag nun intubiert und beatmet auf der neurochirurgischen Intensivstation. Ich erhielt weitere Details und die wichtige Information, dass er trotz allem aktuell stabil sei. Ich erwähnte meine wartende Schwester und bat den Arzt, sie ebenfalls aufzuklären und zu meinem Vater zu lassen. Das klappte dann auch und wir hatten zumindest an diesem Abend erstmal alles getan, was man in so einer Situation überhaupt tun konnte. Ich fuhr irgendwann auch nach Hause und bereitete mich darauf vor, am nächsten Morgen sofort in die Klinik zu fahren ...

Fortsetzung folgt

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