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  • 04.09.2018

Hoffen und Bangen

Auf der Zugfahrt zum Klinikum konnte ich es noch immer nicht fassen: Mein eigener Vater, für sein Alter geradezu jugendlich und ohne Vorerkrankung, hatte eine Gehirnblutung! Zwar konnte ich telefonisch beim diensthabenden Neurologen schon einige Informationen erfragen, dennoch wusste ich bislang noch nicht viel über das Ausmaß seiner Erkrankung und seinen Gesamtzustand. Mir blieb also nichts anderes übrig, als mir vor Ort selbst ein Bild zu machen.

Am Bahnhof angekommen, traf ich zunächst meine Schwester und wir nahmen den nächsten Bus zum Krankenhaus. Vor dem Eingang der neurochirurgischen Intensivstation ließ man uns fast eine ganze Stunde warten. Meine Schwester und ich hatten natürlich in der letzten Nacht kein Auge zu bekommen und völlig übermüdet, als die große Tür sich öffnete und ein älterer Mann im weißen Kittel zu uns in den Wartebereich kam. „Sie können jetzt zu ihrem Vater“, sagte er. „Aber vorher wäre es gut, wenn ich Ihnen zunächst alles im Untersuchungszimmer erkläre.“

Wir standen auf und folgten ihm in sein Büro. Ich gab mich gleich als ärztliche Kollegin zu erkennen und hoffte damit auf detaillierte Informationen jenseits der klassischen Floskeln. Er zeigte mir einen Ausdruck eines computertomographischen Bildes, auf der jeder Laie sofort die relativ große Gehirnblutung sehen konnte. Der erste Schock war groß, aber ich bemühte mich sehr - auch wegen meiner Schwester - die Fassung zu bewahren. Ich erwähnte noch rasch ein paar Details zur Anamnese meines Vaters, und dann durften wir auch schon zu ihm.

Er war wach, bei Bewusstsein, und hatte eine Magensonde. Als ich noch etwas näher trat, fielen mir auch gleich der zentralvenöse Zugang und die spezielle Lagerung der rechten Seite auf. Auch wenn er nicht wirklich sprechen konnte, erkannte er uns und freute sich sehr über unseren Besuch. Es war natürlich schon ziemlich hart, dass der Patient auf Intensivstation plötzlich mein eigener Vater war. Dennoch war ich total erleichtert, dass es ihm trotz der starken Blutung noch verhältnismäßig gut ging und er bislang stabil geblieben war. Da ihn der Besuch sehr anstrengte, gingen meine Schwester und ich eine halbe Stunde später wieder aus dem Zimmer und verließen die Station.

Fortsetzung folgt

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