• Blog
  • |
  • Karla
  • |
  • 03.12.2018

Happy End

Nach der schweren Phase des Hoffens und Bangens folgte ein erstes kleines Wunder. Mein Vater machte auf der neurochirurgischen Intensivstation täglich große Fortschritte und konnte bald auf die Stroke Unit der neurologischen Klinik verlegt werden. Dort wurde er rundum betreut und seine Hirnblutungen regelmäßig mit Hilfe von computertomographischen Untersuchungen überwacht. Zu festgelegten Zeiten konnten meine Schwester und ich ihn regelmäßig besuchen und ihm bei der Körperpflege und beim Essen helfen.

Auch wenn er uns noch nicht immer sofort erkannte und mit den simpelsten Alltagstätigkeiten große Schwierigkeiten hatte, ging es deutlich aufwärts. An einem Sonntag, wir hatten super sonniges und warmes Wetter, schnappten wir uns einfach einen Rollstuhl und fuhren unseren Vater vor den Klinikeingang zu einer Sitzecke. Der Effekt war unglaublich: Er freute sich sehr über das echte Tageslicht seit einer gefühlten Ewigkeit, die Sonne und die Anwesenheit seiner Töchter.

Auch wenn ich erleichtert über die Fortschritte war, sah ich gleichzeitig, dass mein Vater unter schweren neurologischen Beeinträchtigungen zu leiden hatte. Er konnte seine rechte Körperhälfte, insbesondere Arm und Bein, kaum bewegen. Zudem machte die Sprache ihm große Schwierigkeiten. Ständig suchte er nach Worten und war zeitweise kaum zu verstehen. Auch die Konzentration hielt immer nur für wenige Minuten an und jede Form der Kommunikation war für ihn mit einer überdurchschnittlich großen Anstrengung verbunden.

Zwei Wochen nach der Verlegung auf die neurologische Station erhielten wir über die Krankenkasse die Zusage für eine Rehabilitationsbehandlung. Die entsprechende Einrichtung war glücklicherweise nicht so weit von unserem Heimatort entfernt und so konnten wir unseren Vater auch dort regelmäßig besuchen. Er trainierte fleißig jeden Tag und konnte am Ende der intensiven Therapie sogar schon wieder alleine Treppen laufen. Nachdem er gerade am Anfang, direkt nach der Blutung, zwischenzeitlich quasi im Sterben lag, grenzte die rasche Erholung beinahe an ein Wunder.

Eben gerade habe ich übrigens mit ihm telefoniert. Er spricht wieder flüssig, sein Blutdruck ist mit einer einzigen Tablette täglich wunderbar eingestellt und sogar das laufen ist wieder alleine über längere Strecken möglich. Natürlich ist er nicht wieder ganz der Alte – einige kleine Handicaps sind geblieben: Manchmal stolpert er beim Gehen, er erzählt dieselbe Geschichte gern auch zweimal und Bahn fahren wird wegen der damit einhergehenden Reizüberflutung jedes Mal zum Härtetest für sein lädiertes Gehirn.

Und trotzdem: Ich denke, mein Papa ist ein gutes Beispiel dafür, dass sich Menschen dank guter medizinischer Versorgung und unterstützender Betreuung durch das familiäre Umfeld trotz anfänglich schlechter Prognose schnell wieder erholen können. 

Schlagworte