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  • 13.07.2017

Maskennarkose

„Karla, heute hast du viele kurze Eingriffe in deinem Saal. Da machen wir mal ein paar schöne Maskennarkosen!“ sagt der heute für meinen Block zuständige Facharzt und scheint von seiner Idee total begeistert. „Maskennarkose? Also ohne Larynxmaske oder Tubus? Soll ich etwa bei allen Eingriffen die ganze Zeit per Hand beatmen?“ frage ich sofort meinen erfahrenen Kollegen und ahne schon die für mich unschöne Antwort. „Na klar, da kannst du sehr schön die Maskenbeatmung üben, und deine Patientinnen wachen ganz sanft auf.“, erklärt er mir die Details.

Ich ziehe erstmal eine Schnute, denn so hatte ich mich den Freitag eigentlich nicht vorgestellt. Ich bin aktuell immer noch in der Gynäkologie und habe heute mehrere Ausschabungen auf dem OP Plan stehen. Dabei handelt es sich um ultra kurze Eingriffe, bei denen man zur Sicherung des Atemweges ganz prima eine Larynxmaske verwenden kann. Da für mich als Anfängerin jede Intubation ein kleiner Kraftakt ist, kommt mir das mit der Larynxmaske natürlich entgegen. Sobald die Patienten schlafen, öffne ich mit Esmarch Handgriff den Mund, und meine Pflegekraft steckt die Larynxmaske rein. 

Dann noch schnell Beatmungsgerät anschließen und es kann los gehen. So eigentlich mein Plan für heute - aber da der sonst zuständige Oberarzt krank ist, habe ich jetzt das Vergnügen mit diesem Maskenfan. Der Ablauf ist ansonsten gleich, nur dass wir halt keine Larynxmaske reinstecken, sondern ich die ganze Zeit die Maske mit dem C-Griff über Mund und Nase der Patientin halte und mit der rechten Hand den Ambu-Beutel bediene. 

Mein körperlichen Voraussetzungen für die Maskennarkose sind denkbar schlecht: Meine Hände haben Kindergröße und ich brauche tatsächlich zwei Stufen übereinander, um überhaupt an die Patientin heran zu kommen. Der nicht gänzlich unattraktive Chirurg sieht mir die Anstrengung natürlich an, trotz Mundschutz erkenne ich sein breites Grinsen. Der Facharzt kommt derweil ständig rein und hat irgendetwas auszusetzen: Maske sitzt nicht fest, Beatmungsfrequenz zu hoch, mehr Propofol etc. Ich kann es ihm einfach nicht recht machen.

Nach der vierten Maskennarkose muss er plötzlich weg, um die Wochenenddienste zu organisieren. Ich nutze die Gunst der Stunde und schwenke auf Larynxmaske um. So kann sich meine verkrampfte linke Hand erholen und wir werden auch noch pünktlich fertig. Trotzdem bin ich total erledigt vom heutigen „Maskenball“. Gott sei Dank ist Wochenende :)

 

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