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  • 17.07.2017

Das dicke Ende einer Woche

Völlig übermüdet schleppe ich mich heute zum letzten Tagdienst vorm Wochenende. Das frühe Aufstehen war nach der gestrigen Joggingrunde besonders mühsam und auf dem Hinweg erwischte mich auch noch ein kräftiger Regenguss. Meine Grundstimmung befindet sich demnach aktuell im Erdgeschoss und das heutige OP-Programm stimmt mich auch nicht unbedingt heiter.

„Der dritte Punkt ist etwas komplexer, Karla“, versucht der heute zuständige Oberarzt mich vorsichtig vorzubereiten. „Die Patientin hat einen Body Mass Index (BMI) von 69 und besteht für die geplante Hysteroskopie auf eine Spinalanästhesie. Die werde ich ausnahmsweise mal versuchen. Du machst dann den venösen Zugang. Das wird schwer genug!“ Ich bemühe mich um einen heiteren Gesichtsausdruck, wirke aber nicht sehr überzeugend. Also schnappe ich mir die erste – normalgewichtige – Patientin und schiebe sie in unseren Einleitungsraum.

Diese Narkose inklusive endotrachealer Intubation läuft wie geschmiert, und so wird auch Patientin Nummer zwei der reinste Spaziergang. Wie vom Oberarzt voraus gesehen sorgt meine heute dickste Patientin für einen ordentlichen Dämpfer. Die schon etwas ältere afrikanische Frau wiegt locker über 200kg und scheint kein einziges venöses Gefäß zu besitzen. Nach etwa 20 Minuten haben wir in Teamarbeit eine rosa Kanüle am Unterarm gelegt und suchen verzweifelt nach einer Lösung zur Blutdruckmessung. Leider sind alle verfügbaren Manschetten hoffnungslos zu klein, und so bastelt die Pflege eine XXL-Manschette an den Unterschenkel.

Während der Oberarzt im sterilen Kittel nach einer geeigneten Einstichstelle für die Rückenmarksnarkose fahndet, verabschiedet sich die Manschette von der Patientin und ich soll plötzlich eine arterielle invasive Blutdruckmessung legen. Nach kurzer Überlegung entscheidet sich der Oberarzt aber doch dazu, lieber nicht mich, sondern eine andere Oberärztin hinzuzuziehen. Diese hat im vierten Anlauf Erfolg und so haben wir fürs erste schon mal einen Blutdruck. Was dann kommt, ist die reinste Katastrophe.

Die ganze oberärztliche Prominenz meiner Abteilung verbiegt eine Nadel nach der anderen. Dann muss die Patientin auf die Toilette. Das geht natürlich während der Punktion gar nicht, und so muss sie leider „laufen lassen“. Eine weitere halbe Stunde und eine kleine Umlagerung mit Hilfe von sechs Personen später, hat mein Oberarzt Erfolg und die OP in Steinschnittlage mit gespreizten Beinen kann beginnen. Erschöpft und erleichtert sinke ich auf meinen Hocker und leiste der wachen Patientin während des Eingriffes Gesellschaft. Das war wirklich eine schwere Geburt!

 

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