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  • 20.01.2017

Plötzlich Patient - Blog 3

Erdbeeren und Sahne zum Abendessen im Krankenhaus. Nicht gerade das, was üblicherweise auf dem Speiseplan steht...

In der Uniklinik gibt es für gewöhnlich drei verschiedene Scheiben Brot, geeint durch ihre Trockenheit, dazu ein paar Scheiben Wurst und Käse, und etwas Pflanzliches wie eine saure Gurke oder sogar Salat. Das mag für einen oder zwei Abende ganz in Ordnung sein, nicht aber für zwei Wochen.

Mittlerweile habe ich da einen sehr guten Trick, der sicherlich schon jedem aufmerksamen Patienten- Beobachter aufgefallen ist: nimm, was du kriegen kannst und staple es auf deinem Nachttischchen. Bei Jogurt und anderen gekühlten Nahrungsmitteln muss man aufpassen, dass man sie nicht zu lange stehen lässt. Aber auch hier gibt es eine sehr elegante Lösung: Im Winter ist es auf der Fensterbank kalt genug, um auch den „Jogurt für später“ eine Weile vorrätig halten zu können. Einfacher ist es da mit den Frühstücksbeilagen wie Marmelade oder, wenn man Glück hat bei der Bestellung, Nutella. Dann gibt es abends sogar ein feines Nutella- Brötchen. Vorausgesetzt, man hat morgens eines der Brötchen aufgehoben und sorgfältig in eine Serviette gepackt, damit es nicht austrocknet.

Da man auf IMC- Stationen häufig nur kurze Zeit bleibt, wird man meist gar nicht nach den Essenswünschen gefragt. Auf den peripheren Stationen bekommt man in der Uniklinik immer auch einen Plan und darf sich für jeden Tag aussuchen, was man essen möchte. Dann sind sogar so Extravaganzen wie ein Muffin oder ein O-Saft drin, aber die bringen einem auch nette Besucher mit.

Da ich aber zum ersten Mal länger im Krankenhaus war, musste ich mir diese Weisheiten erst noch erarbeiten. Dank vieler weiterer Male bin ich inzwischen ein Profi und ihr werdet auch in Zukunft nicht um meine Klinik-Weisheiten herumkommen.
Aber wie stand es denn nun eigentlich um meine Gesundheit?

Nachdem klar war, dass ich mir eine Perimyokarditis eingefangen hatte, konnte auch endlich mit einer zielführenden Therapie begonnen werden. Dennoch besserte sich die Problematik nur sehr langsam. Jede kleinste Anstrengung wie der Ausflug ins Bad oder ein längeres Gespräch machten eine ausgiebige Pause erforderlich. Obwohl ich keine Grippe hatte, fühlte ich mich so.

Dazu kam, dass bislang keiner wusste, warum ich eine Perimyokarditis und Pleuritis hatte. Üblicherweise fängt beides mit einer Erkältung an, die ich allerdings nicht gehabt hatte. Im Gegenteil – ich war ja noch ausgiebig feiern gewesen, hatte mich gut gefühlt.
Es gab nur einen Hinweis: in einem Vor-MRT hatte ich schon mal einen kleinen Perikard- und Pleurerguss gehabt. Damals ohne Beschwerden. Ein aufmerksamer Kardiologe hatte dann erstmals „Rheuma“ geäußert, weshalb ich tatsächlich wenig später beim Rheumatologen gewesen war. Der hatte damals schon gesagt, ich sei bei ihm richtig, auch wenn er nicht weiter differenzieren konnte, womit eigentlich.

Man hielt sich an das übliche medikamentöse Regime, das aber nur leidlich effektiv war. Gleichzeitig wurden die rheumatologischen Parameter erneut bestimmt – und waren wiederholt negativ. Also einigte man sich darauf, dass ich weiter wie ein „normaler“ Myokarditis- Patient behandelt werden würde, und mein Doktorvater schärfte mir ein, dass ich bloß die Beine still halten solle. Mal kurz die letzten Meter zum Bus sprinten, das war vorerst verboten. Keine schweren Dinge tragen, viel Ruhe halten. Um klar zu stellen wie ernst es ihm damit war, erzählte er mir eine abschreckende Geschichte über einen anderen Myokarditispatienten, der sich nicht daran gehalten hatte. Ich überlegte mir, ob ich zwei meiner Freunde, die im 6. Stock wohnten, die nächsten Wochen wohl nicht mehr besuchen könnte. Außerdem warteten eine Famulatur, an der Ostsee, mit drei Freundinnen, sowie ein Urlaub mit der Familie. Aber ein paar Treppen würden ja schon drin sein.

Als es mir endlich etwas besser ging – es war Juli 2013 und ich war im 7. Semester – stand eine wichtige OSCE- Prüfung in der Uni an. Ich war noch immer als Patientin in der Klinik und kam in Jogginghose und mit Zugang an der Hand zum sogenannten „Zehnkampf“. Zehn Stationen, jeweils 5 Minuten, einmal quer durch die Innere Medizin. Natürlich gab es auch eine kardiologische Prüfung. Die hatte ich jetzt sowohl als Patientin als auch fachlich bestanden. Besonders das Thema Myokarditis, das saß.

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