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  • Falk Stirkat
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  • 30.06.2016

Einsatz 14

Hallo liebe Retter und am Rettungsdienst-Interessierte,

erstmal noch ein paar Worte zum Blogeintrag von letzter Woche. Mich haben einige Anschriften erreicht, die ebenso berührt waren von den Schicksalen der Allerkleinsten, wie ich. Besonders interessiert waren einige von euch am plötzlichen Kindstod, dem so genannten ‚Sudden Infant Death Syndrome’, kurz SIDS. Dabei verstirbt ein kleiner Patient ganz plötzlich und keiner weiß so recht warum. Ohne vorherigen Warnschuss hört das Herz des Babys auf zu schlagen.

Wieso dem so ist, das weiß leider noch keiner so richtig. Manche denken, es liegt daran, dass das Kind an seiner eignen Zunge erstickt, manche glauben andere Gründe zu kennen. Wissen tut’s keiner. Und deshalb ändern sich natürlich auch die Empfehlungen, wie das Kind nun am besten zu betten sei immer wieder, was die Verzweiflung, mit der wir alle vor dem Problem stehen, sicher gut zum Ausdruck bringt.


Was kann also derjenige tun, der den leblosen Babykörper findet? Im Chat wurde ich gefragt, ob in einem solchen Fall eine Reanimation sinnvoll ist. Ich kann hierzu nur sagen: JA! Auf jeden Fall. Natürlich hängt deren Erfolg sehr von einer Reihe Faktoren ab, die wir nicht beeinflussen können. Nicht zu reanimieren bedeutet aber, dass der kleine Patient auf jeden Fall stirbt. Also – auch wenn es ein winziges Baby ist – erste Hilfe ist unabdingbar. Wenn wir dann dazukommen, versuchen wir auch alles was wir können. Leider ist das oft nicht genug, weil die Zeitspanne vom Auffinden des Körpers bis zur Reanimation einfach zu lange dauert oder weil andere Gründe eine erfolgreiche Wiederbelebung unmöglich machen. Oft machen sich dann die Eltern schreckliche Vorwürfe, die natürlich unbegründet sind. Wenn ein Kind am SIDS stirbt, dann ist das in keinem Fall die Schuld der Eltern. Im Gegenteil. Die müssen nun versuchen, ihr Leben irgendwie wieder in den Griff zu bekommen, was im Normalfall schwer genug ist.

Glücklicherweise gibt es aber ein paar Hilfsmittel, die helfen können das Schlimmste zu verhindern. Hierzu zählen beispielsweise Bettauflagen, die die Atmung des Babys registrieren und Alarm schlagen, wenn diese aussetzt. Also – man kann versuchen vorzubeugen. Und das sind doch ‚good news’!

 

Kommen wir zu einem anderen Thema.
Kennt ihr das auch?
Der Melder trötet sich die Seele aus dem Leib und die Leistelle schickt euch zur Verlegung eines Patienten vom Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung zum Maximalversorger. Nicht selten lautet die Diagnose NSTEMI, also nicht ST-Elevationsinfarkt. Zur Verlegung angefordert sind ein RTW und ein NEF. Obwohl der Patient seit Stunden völlig stabil ist, ja vielleicht sogar nicht einmal auf der Intensivstation liegt, wird trotzdem um einen notarztbegleiteten Transport gebeten. Das Problem: In dem Moment, in dem ihr mitfahrt, ist ja in eurem Bereich kein Notarzt mehr da. Klar, die Notfälle werden dann von den benachbarten NEFs übernommen. Aber trotzdem. Macht das Sinn? Gerade wo die Rettungsassistenten und Notfallsanitäter heute so unglaublich gut ausgebildet sind. Ich habe mich an die deutsche Gesellschaft für Kardiologie gewandt und nach Daten gefragt, bisher aber keine Antwort bekommen. Wie seht Ihr das? Mitfahren oder nicht? Denn am Ende entscheidet der Notarzt und nicht die Klinik.
Über eine lebhafte Diskussion würde ich mich freuen.

Bis nächste Woche,
euer Falk.

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  • Falk Stirkat - Foto: Emotion in Frames

    Falk Stirkat ist Notarzt und erzählt in seinem Blog von besonderen Einsätzen.