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  • 28.07.2016

Einsatz 16

es ist  Urlaubszeit. Die Menschen fahren in die Ferne und sonnen sich am Strand.Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang immer wieder gerne an meine Arbeit als Flugarzt. Vor drei Jahren war es meine Aufgabe, Menschen nach Deutschland zurückzuholen, die im Urlaub gesundheitliche Schäden erlitten hatten.

Einen  Fall aus meiner Flugarztzeit möchte ich euch heute erzählen. So wurden wir eines Mittags angerufen und damit betreut, so schnell wie möglich am Flughafen aufzuschlagen. Es hätte einen Verkehrsunfall in Ägypten gegeben und die Familie des Patienten bestünde auf eine sofortige Rückführung nach Deutschland, um die Behandlung des Vaters hier zu koordinieren. Zwei Stunden später saß ich auf meinem Platz im Learjet und arbeitete mich mittels Patientenakte in das Schicksal des Mannes ein. Im Rahmen einer Ausfahrt ins Landesinnere war es zu einem Zusammenstoß des Hoteljeeps mit dem Auto eines Einheimischen gekommen. Der Einheimische war tot und mein zukünftiger Patient schwer verletzt. Nur dessen Familie, die sich mit im Auto befunden hatte, war wie durch ein Wunder verschont geblieben. Man hatte den unglückseligen Deutschen dann so schnell es die lokalen Bedingungen zuließen in ein Krankenhaus gebracht und, das entnahm ich zumindest der Patientenakte, zumindest grundlegend versorgt. Wegen einer Kopfverletzung und einer Lungenprellung war wohl eine künstliche Beatmung notwendig geworden.


Zum Glück hatte die Familie wenigstens eine Reiserückholversicherung abgeschlossen, was uns ins Spiel brachte. Die tatsächlichen Begebenheiten vor Ort entsprachen in ungefähr dem, was ich der Akte schon entnommen hatte. Obwohl mich die Intensivstation eher an ein Sprechzimmer des Zoo-Tierarztes erinnerte war gegen die Behandlung unseres Patienten nichts einzuwenden gewesen. Die Ärzte hatten alles, unter diesen ärmlichen Verhältnissen Mögliche getan. Nun waren wir an der Reihe. Ein örtlicher Rettungswagen sollte uns vom Krankenhaus zum Flugplatz bringen.

Wir schlossen also den Mann an unser Equipment an – Monitor, Beatmungsgerät, Spritzenpumpen und Infusionen – und brachten ihn ins Auto. Dort wollte ich das Beatmungsgerät vom Bordsauerstoff versorgen lassen, weil ich unsere mobilen Flaschen schonen wollte. Zwar hatten wir mehr als genug des lebenswichtigen Gases dabei, aber man weiß ja nie was unterwegs passiert. Also lieber sparsam sein. Gerade als ich die Leitungen wechseln wollte, fiel mir auf – die Anschlüsse passten nicht. Man hatte zwar alle nötigen Gerätschaften auf dem ‚Rettungswagen’, daran, dass man die im Notfall auch mal benutzen können sollte, hatte aber offenbar keiner Gedacht. Das ganze Equipment war nämlich völlig nutzlos ohne die Möglichkeit der Sauerstoffzufuhr.

Der Fahrer des Wagens erklärte mir dann auch ganz unverblümt in brüchigem Englisch, dass man, um von ausländischen Unternehmen für derartige Fahrten gebucht zu werden, einfach eine bestimmte Bestückung mitführen müsse. Wie diese im Notfall anzuwenden sei wisse er aber nicht. Und auch niemand sonst konnte mit dem Zeug umgehen. Für einen Primäreinsatz war das Auto also völlig nutzlos. Glücklicherweise kamen wir gut mit dem von uns mitgeführten Sauerstoff zum Flieger und konnten den Familienvater ohne weitere Zwischenfälle nach Hause fliegen.


Eines ist mir während dieses Einsatzes aber, wie eigentlich während meiner gesamten Zeit als Flugarzt, klar geworden: Unbedingt immer eine Rückholversicherung abschließen.
Oder einfach in Deutschland Urlaub machen. Hier gibt es auch ganz tolle Ecken.

 

In diesem Sinne einen schönen Urlaub,

euer Falk

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  • Falk Stirkat - Foto: Emotion in Frames

    Falk Stirkat ist Notarzt und erzählt in seinem Blog von besonderen Einsätzen.