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  • Falk Stirkat
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  • 09.05.2016

Hallo ihr Retter,

was war das doch für ein traumhaft schönes Wetterchen die letzten Tage. Endlich ist die Sonne wieder da! Klar, nachts muss man noch ab und an zur dickeren Jacke greifen, was man natürlich gerne mal vergisst, wenn der Melder zu den berühmten 01:00, 03:00, 05:00 Einsätzen ruft. So steht man dann bibbernd und frierend mit der modischen Soft-Shell Jacke auf der Autobahn und verflucht den Wettertypen im Fernsehen, der Spitzentemperaturen von bis zu 19°C prophezeit hat.

Aber was soll’s, irgendwann werden auch die Nächte wieder wärmer – und damit auch gefährlicher. Ja, richtig gelesen, die milden Temperaturen bringen – überspitzt gesagt – sogar eine potentiell tödliche Gefahr mit sich: die Hornissen. Natürlich sind auch andere Wespen- und Bienenarten durchaus gefährlich, insbesondere wenn jemand eine Allergie auf die Gifte der Biester hat. In den letzten Jahren habe ich allerdings vor allem böse Erfahrungen mit Hornissengift gemacht, gegen das offenbar mehr Menschen allergisch sind als gedacht.

Am besten ist mir ein Einsatz mit dem Rettungsassistenten Christoph in Erinnerung. Wir wurden mit dem RTW zu einer allergischen Reaktion gerufen. Da wir uns gerade in der Nähe des Einsatzortes herumtrieben, waren wir relativ schnell dort und folglich das ersteintreffende Rettungsmittel. Man hatte uns in ein hübsches Einfamilienreihenhaus in einer etwas besseren Gegend bestellt.

Schon am Eingang wurden wir von einer Frau um die Vierzig hektisch herbeigewunken. Erfahrungsgemäß bedeutet es nichts Gutes, wenn die Leute schon am Eingang stehen und auf sich aufmerksam machen, denn dann ist die Kacke oft wirklich am dampfen – so wie hier auch.

‚Schnell, schnell! Der Patient ist in der Küche.’ wurden wir genau dorthin zitiert. Der Mann stand am Waschbecken, krümmte sich, japste nach Luft und erbrach sich von Zeit zu Zeit in die Spüle. Außerdem war er ein kleines Bisschen blau um die Nase und seine Hände waren trotz der gemütlichen 40° Außentemperatur bedenklich kalt. Die Ehefrau klärte uns zügig über den Hergang der Geschehnisse auf. Offenbar war der Patient von einer ziemlich großen Hornisse attackiert worden, auf die er nun allergisch reagierte. Der Mann selbst konnte nicht mehr viel zur Klärung der Situation beitragen, denn er benötigte die wenige Luft, die ihm blieb zum Atmen. Aber das Hirn gibt sich nun mal nicht mit halben Sachen zufrieden und so wurde er nach und nach immer schläfrig und adynamer.

So, was ist zu tun?
Für einen Zugang war kaum mehr Zeit. Klar, sein musste der auf jeden Fall, aber irgendeine Sofortlösung musste her.

Fassen wir nochmal zusammen: allergische Reaktion auf wespenähnliches Getier, massive Luftnot (über der Lunge war ein deutliches Giemen zu hören, außerdem konnte man das Gaumenzäpfchen kaum sehen, so dick waren die Schleimhäute angeschwollen) und Vigilanzstörung. Achso ja, der Recap war auch mies, so um die 5 Sekunden. Tachykard und taychpnoeisch war der Patient auch, das muss ich wohl kaum zusätzlich erwähnen.

Der Druck war palpatorisch so um die 70 mmHg und die Sättigung lag bei irgendetwas zwischen 70 und 85%. Allerdings war die Peripherie so schlecht durchblutet, dass man da kaum verlässliche Aussage erwarten konnte.

So – und jetzt seid ihr dran.
Zum einen wäre da die Frage: Wie nennt man das Krankheitsbild? Und wenn ihr das geklärt habt, würde ich sehr gerne wissen, wie ihr jetzt vorgehen würdet. Wie gesagt, ein Zugang hätte den Guten in diesem Szenario nicht mehr retten können…etwas muss vorher passieren. Und danach?

Ich freue mich über eine vitale Diskussion!
Nächste Woche dann die Auflösung.

Euer Falk.

 

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