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  • Annkatrin Cramer
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  • 10.08.2004

Gedicht - OP II

Annkatrin Kramer hatte ein besonderes Erlebnis bei ihrer Famulatur in der Chirurgie, was sie dazu bewegte ein Gedicht zu schreiben.

Annkatrin Kramer schreibt zu ihrem Gedicht:

"Entstanden ist das Gedicht während einer Famulatur in der Allgemeinchirurgie. Seiner Entstehung ging ein sehr langer, heißer Sommertag voraus, an dem ich bei einer mehrstündigen Operation wegen eines Karzinoms bei einer sehr jungen Frau assistiert hatte. Die Stimmung im Saal II des Operationstraktes war an diesem Tag sehr bedrückt, selbst die erfahrenen Chirurgen zeigten sich berührt vom Schicksal dieser Patientin. Noch war die Prognose nicht abzusehen, der verlauf völlig offen. Während der Arbeit dachte ich an die morgendliche Visite und die Hoffnung, die unsere Patientin und ihre Familie in diesen Wochen die Kraft gab, und an mein eigenes Leben, das sich nach Feierabend im Freibad oder Biergarten abspielte.

An diesem Abend saß ich zuhause, alle Fenster weit geöffnet, um den Duft des Sommerabends in meine Räume strömen zu lassen und dachte an diesen Tag. Wie ich dastand, den Arm bis zum Ellbogen versenkt in das warme Becken dieser Frau, an die Spannung im Saal, die kurzen Momente, die einem als Mediziner immer wieder begegnen und in denen man das Leben in allen Facetten präsentiert bekommt und einem die Erkenntnis der Kräfte des Lebens und der Gegenwart des Todes für einen kurzen Moment den Atem nimmt."

OP II

gerade dachte ich
wie schön du bist;
wie warm dein innerstes

nur meine augen
können schauen
schweigen
in geschützem raum

harte arbeit
rote existenz
in bewusstlosigkeit
die ahnung vom sicheren tod
lässt mich schauern

pulsierendes leben
hoffnung auf mehr
wenn du erwachst
werde ich denken
wie schön du bist!

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